Ronald Indergand: Seit März 2026 ist der 43-Jährige Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik im Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und Chefökonom des Bundes. PR
Herr Indergand, geopolitisch rumpelt es, doch die Schweizer Wirtschaft zeigt sich unbeeindruckt. Weshalb?
In Krisensituationen war das bisher nahezu eine Konstante. In der Tendenz waren wirtschaftliche Einbrüche bei uns weniger gross als in anderen Ländern. Zudem erholte sich die Schweiz meist schneller. Das verdanken wir Standortfaktoren wie dem stabilen Umfeld, dem flexiblen Arbeitsmarkt oder der Anpassungsfähigkeit der Unternehmen.
Wann schlagen die Verwerfungen durch?
Einzelne Branchen und Regionen wurden bereits sehr hart getroffen. Wenn die Schweiz aber konsequent an ihren Erfolgsfaktoren festhält, bin ich davon überzeugt, dass wir in einigen Jahren gestärkt aus diesen geopolitischen Krisen hervorgehen werden.
Wie bitte? Gestärkt?
Die Schweiz bietet Vorhersehbarkeit und Rechtssicherheit. Investoren suchen in so einem Umfeld nach einem Hort der Stabilität. Das bedingt aber, dass wir die Hausaufgaben machen und unsere Standortfaktoren pflegen.
Im Iran-Krieg zeichnet sich ein Vertrag ab.
Wenn ein Abkommen hält, dürfte dies zu tieferen Energiepreisen führen und die Versorgungslage entspannen. Wie stark sich das auswirkt, hängt von der Entwicklung der Energiepreise ab. Aufgrund der Unsicherheit haben wir im Juni die Konjunkturprognose mit Szenarien ergänzt. Im positiven Szenario mit einem schnellen Rückgang der Energiepreise resultiert ein deutlich höheres Wachstum.
Die EZB hat die Zinsen erhöht. Droht ein Teuerungsschub?
Nein, in der Schweiz rechnen wir mit einer moderaten Inflation. Unsere Haushalte geben, verglichen mit anderen Ländern, weniger für Energie aus. Zudem ist unser Strommix deutlich weniger fossil als im Ausland. Preisanstiege beim Erdöl wirken sich weniger stark aus. Schliesslich ist der starke Franken in Krisen manchmal gar ein Schutzschild gegen importierte Teuerung.
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In der Uhren- und der Tech-Industrie wird aber oft kurzgearbeitet.
Diese Branchen reagieren sehr zyklisch auf die globale Nachfrage. China schwächelt, was sich auf die Luxusindustrie auswirkt, und Deutschland durchlief eine lange industrielle Schwächephase. Dazu kommen höhere Energiekosten. Immerhin sehen wir jüngst Erholungstendenzen beim US-Export.
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