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Kommentar zu Innovation

Wachstum muss die Grenzen der Natur respektieren

Wie können Technologie und Kapitalismus zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen? Gastautor André Hoffmann gibt seine Einschätzung.

André Hoffmann

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«Die Zukunft des Kapitalismus kann Wohlstand und Regeneration ermöglichen», schreibt Roche-Erbe André Hoffmann. Keystone

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Der technologische Fortschritt ist eines der wirksamsten Mittel, um die existenziellen Herausforderungen einer wachsenden Weltbevölkerung zu bewältigen. Doch Technologie allein reicht nicht aus. Innovation hat nur dann einen Wert, wenn sie der Menschheit dient und die ökologischen Bedingungen bewahrt, die das Leben überhaupt erst ermöglichen. Kann Innovation dazu beitragen, unsere Wirtschaftssysteme neu auszurichten, sodass sie innerhalb der planetaren Grenzen funktionieren – also jener festgelegten ökologischen Grenzen, innerhalb derer die Menschheit gedeihen kann?
In der Vergangenheit wurde Innovation vor allem als Wettlauf um bahnbrechende Neuerungen verstanden. Um jedoch die Vorteile des technologischen Fortschritts voll auszuschöpfen, muss dieser sowohl nachhaltig sein als auch breite Anwendung finden – und zwar rechtzeitig, um irreversible Umweltschäden zu verhindern. Dieser Übergang von der Erfindung zur grossflächigen Nutzung ist zu einer ökologischen Notwendigkeit geworden. Ausserdem muss Innovation echte Chancen und wirtschaftliche Vorteile für die Menschen schaffen, menschenwürdige Arbeit fördern und zu widerstandsfähigeren Gesellschaften beitragen. Die einzelnen Länder beschreiten unterschiedliche Wege, und viele von ihnen liefern wertvolle Erkenntnisse darüber, wie Innovation, Politik und Zusammenarbeit gemeinsam den Wandel beschleunigen können.

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Der Gastautor

André Hoffmann ist Co-Vorsitzender des World Economic Forum (WEF) und VR-Vizepräsident der Roche Holding AG.
China und Norwegen zeigen zwei sehr unterschiedliche Wege zur Elektromobilität auf. China hat den weltweit grössten Markt für Elektrofahrzeuge aufgebaut. Dies gelang durch langfristige Investitionen in die Infrastruktur, in Recyclingkreisläufe für Rohstoffe und in industriepolitische Rahmenbedingungen. Dadurch wurden neue Arbeitsplätze und Wertschöpfungsketten geschaffen und gleichzeitig ein Beitrag zur Emissionsminderung geleistet.
Norwegen hat die weltweit höchste Akzeptanzrate bei Elektrofahrzeugen: E-Autos machten hier im Jahr 2025 etwa 97 Prozent der Neuwagenverkäufe aus. Der Grund: Kaufanreize und ein gut ausgebautes Ladenetz. Beide Beispiele zeigen, dass Elektromobilität durch ein koordiniertes politisches Vorgehen, Investitionen in die Infrastruktur und die Unterstützung der Verbraucher in grossem Massstab umgesetzt werden kann. Diese Fortschritte machen jedoch deutlich, wie gross die globale Herausforderung ist, die vor uns liegt. Denn um ähnliche Ergebnisse in anderen Regionen zu erzielen, sind nachhaltige politische Anstrengungen und erhebliche Investitionen in sehr unterschiedlichen nationalen Kontexten erforderlich.
Im Bereich der erneuerbaren Energien ist Dänemark führend bei der Offshore-Windenergie – mit Windkraftanlagen, die Millionen Menschen mit Strom versorgen und zeigen, dass Windkraft auf See eine wichtige Energiequelle sein kann. Indien baut die Solarenergie mit rasanter Geschwindigkeit aus und steigerte seine Kapazitäten bei den erneuerbaren Energien 2024 stärker als jedes andere Land. China produziert mittlerweile einige der effizientesten Photovoltaikzellen sowie die kostengünstigste Windkraftanlagentechnologie. Diese Fortschritte zeigen, was möglich ist, wenn Umweltbelange ernst genommen werden. Die Bemühungen jedes Staates tragen weltweit zu erschwinglichen, skalierbaren Lösungen bei und fördern Arbeitsplätze, Energiesicherheit und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit im eigenen Land. Dennoch birgt die Beschleunigung des Übergangs zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft weiterhin Herausforderungen.

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Andere Länder zeigen, wie Innovation eine nachhaltige Landwirtschaft fördern kann. Brasilien leistet Pionierarbeit bei regenerativen Anbaumethoden, die die Bodengesundheit wiederherstellen und gleichzeitig die Produktivität erhalten. Die Schweiz treibt nachhaltige Landwirtschaft durch strenge Umweltstandards und Initiativen zur umweltfreundlicheren Gestaltung landwirtschaftlicher Praktiken voran.
Diese Entwicklungen zeigen, dass die Zukunft des Kapitalismus sowohl Wohlstand als auch Regeneration ermöglichen kann. Wachstum ist schliesslich nur dann nachhaltig, wenn es die Grenzen der Natur respektiert. Um dies zu erreichen, braucht es technologische Kompetenz sowie eine effektive Zusammenarbeit über Fachgebiete und Grenzen hinweg.
Führungskräfte sollten sich auf vier Bereiche konzentrieren: die Entmaterialisierung der Wertschöpfung, die Finanzarchitektur, einen gerechten Wandel und Partnerschaften. Zur Entmaterialisierung der Wertschöpfung müssen Technologien so skaliert werden, dass sie weniger Ressourcen verbrauchen, nicht mehr. Die Finanzarchitektur sollte langfristiges Handeln belohnen und nicht nur auf kurzfristige Gewinne abzielen, sondern auch auf dauerhafte ökologische Stabilität und gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit.

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Ein gerechter Wandel bedeutet, hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen, die Lebensqualität und Lebensgrundlagen zu verbessern, die Gemeinden zu stärken, in Qualifizierung und Bildung zu investieren und dafür zu sorgen, dass das Wirtschaftswachstum der breiten Gesellschaft zugutekommt. Dazu gehört auch der gerechte Zugang zu wichtigen Technologien – von Infrastrukturen für saubere Energie bis hin zu medizinischen Neuerungen – durch politische Massnahmen, die Innovation und das Allgemeinwohl in Einklang bringen.
Letztendlich kann nur die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Unternehmen, Investoren, Wissenschaftern und der Zivilgesellschaft dauerhafte Lösungen für die Gesundheit unseres Planeten bringen, gestützt auf strategische Planung, gute Regierungsführung und zukunftsorientierte Politik.
Führungskräfte müssen erkennen, dass die wichtigste Grenze nicht technologischer, sondern globaler Natur ist. Wir brauchen in grossem Massstab einsatzfähige Technologien, die weniger Ressourcen verbrauchen, die Finanzsysteme reformieren, sodass langfristige ökologische Stabilität belohnt wird, einen gerechten Wandel sicherstellen, der hochwertige Arbeitsplätze schafft, und branchen- und länderübergreifende Partnerschaften aufbauen.

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Wahrer Fortschritt beginnt dort, wo menschlicher Einfallsreichtum und gemeinsames Engagement zusammenkommen, um möglich zu machen, was unsere Ökosysteme aus eigener Kraft nicht mehr leisten können. Nur dann kann Innovation nachhaltigen Wohlstand schaffen, der allen zugutekommt und mit den planetaren Grenzen vereinbar ist.
Hoffmann plädiert für langfristige Wachstumsperspektiven. Dazu publizierte er zusammen mit dem belgischen Wirtschaftsjournalisten Peter Vanham «Die neue Natur des Wirtschaftens: Auf dem Weg zu einem nachhaltigen Wohlstand», 292 Seiten, erschienen im Juni 2025, NZZ Libro.
Hoffmann plädiert für langfristige Wachstumsperspektiven. Dazu publizierte er zusammen mit dem belgischen Wirtschaftsjournalisten Peter Vanham «Die neue Natur des Wirtschaftens: Auf dem Weg zu einem nachhaltigen Wohlstand», 292 Seiten, erschienen im Juni 2025, NZZ Libro.zVg
Hoffmann plädiert für langfristige Wachstumsperspektiven. Dazu publizierte er zusammen mit dem belgischen Wirtschaftsjournalisten Peter Vanham «Die neue Natur des Wirtschaftens: Auf dem Weg zu einem nachhaltigen Wohlstand», 292 Seiten, erschienen im Juni 2025, NZZ Libro.
Hoffmann plädiert für langfristige Wachstumsperspektiven. Dazu publizierte er zusammen mit dem belgischen Wirtschaftsjournalisten Peter Vanham «Die neue Natur des Wirtschaftens: Auf dem Weg zu einem nachhaltigen Wohlstand», 292 Seiten, erschienen im Juni 2025, NZZ Libro.zVg

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