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US-Notenbank

Kevin Warsh und die Wiedergeburt des Alan Greenspan

Zu viel Kommunikation und Vorausschau lässt die Märkte sich in falscher Sicherheit wiegen.

Markus Diem Meier

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«Zu viel Volatilität ist schädlich, zu wenig aber auch», schreibt Handelszeitung-Chefredaktor Markus Diem Meier zur Kommunikationspolitik des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh. HZ

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Am 22. Juni ist Alan Greenspan hundertjährig verstorben. Bekannt ist er als einstiger Chef der US-Notenbank – er hat sie von 1987 bis 2006 mehr als 18 Jahre lang geleitet –, aber auch für seinen «Fed-Speak». Greenspan hat eher orakelt als klar kommuniziert. Und das war auch seine Absicht: Die Märkte sollten nicht wissen, wie die Notenbanker denken.
In den Jahren und Krisen nach Greenspan kam es bei den Notenbanken dann zu einer 180-Grad-Wende: Das Fed und die meisten Notenbanken der Welt taten alles, um die Öffentlichkeit und vor allem die Marktteilnehmer über alle ihre Überlegungen auf dem Laufenden zu halten – auch über ihre Einschätzungen zur weiteren Entwicklung von Zinsen und Inflation. Die Schweizerische Nationalbank hat den Wandel ebenfalls mitgemacht, ging aber weniger weit als andere.
Der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh hat jetzt einen Richtungs- und Kulturwandel eingeleitet: Er will sich von dieser Offenheit wieder verabschieden. Sein Vorbild ist erklärtermassen Alan Greenspan. Schon gar nichts wissen will Warsh von der sogenannten Forward Guidance – einer Ankündigung der künftigen Geldpolitik, wie sie das Fed in den letzten Jahren betrieben hat, ebenso die Europäische Zentralbank – nicht aber die SNB.

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Angesichts der Vorgeschichte von Warshs Nominierung und Einsetzung durch Donald Trump mögen einige politische Motive hinter seinem Kurswechsel sehen. Für sich gesehen ergibt er aber Sinn. Der Grund für die grössere Offenheit der Notenbanken und für die Forward Guidance war die Verhinderung von Volatilität: Wenn Märkte wissen, wohin die Reise geht, dann schlagen sie weniger aus, so die Überlegung. Zudem hofften die Notenbanken, allein mit ihren Worten die Märkte in die gewünschte Richtung zu bewegen.
Zu viel Volatilität ist schädlich, zu wenig aber auch. Wenn die Akteure auf den Märkten sich zu sicher und von den Notenbanken gestützt fühlen, dann tritt Sorglosigkeit ein, und das führt zu Fehlanreizen, die Blasen befördern, deren Platzen die ganze Volkswirtschaft in Mitleidenschaft zieht. Etwas Sand ins Getriebe der Kapitalmärkte und Börsen zu streuen, ist daher keine schlechte Sache – auch aus politischen Gründen nicht. Zu sehr ist der Eindruck entstanden, die Notenbanken seien mehr an der Stabilisierung von Börsenkursen orientiert als an der Sicherung der Preisstabilität und der Gesamtwirtschaft.
Und schliesslich gilt, was der Ökonom und Philosoph Friedrich A. von Hayek als «Anmassung von Wissen» bezeichnet hat. Trotz ihrer Schlüsselfunktion in der Volkswirtschaft und für die Märkte irren sich auch Notenbanker immer wieder in ihrer Einschätzung von Entwicklungen – mit manchmal verheerenden Folgen. Etwas mehr Bescheidenheit und Zurückhaltung in der Kommunikation sind daher willkommen.

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Über die Autoren
Markus Diem Meier
Markus Diem Meier
ist Chefredaktor der Handelszeitung.

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