Seit Ende der 1980er-Jahre hat sich das Anlagevolumen in der zweiten Säule von rund 158 Milliarden Franken auf rund 1,221 Billionen Franken vervielfacht. Die Entwicklung spiegelt sowohl die steigenden Sparbeiträge als auch die langfristigen Kapitalmarkterträge wider, wobei die Bedeutung der Kapitalmärkte für die Finanzierung der beruflichen Vorsorge kontinuierlich zunimmt. Der sogenannte dritte Beitragszahler hat laut den Zahlen von Complementa im vergangenen Jahr einen Anlageertrag von rund 78 Milliarden Franken erwirtschaftet und damit mehr Geld in die Kassen gespült als die gesamten Beiträge der Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden (67 Milliarden Franken) zusammen.
Rekordhoch in der zweiten Säule
Parallel dazu hat auch die Zahl der aktiv Versicherten stetig zugenommen. Waren laut Bundesamt für Statistik (BFS) im Jahr 1987 noch rund 3,2 Millionen Personen in der beruflichen Vorsorge versichert, zählte die zweite Säule im Jahr 2023 bereits rund 4,7 Millionen aktive Versicherte. Die Zunahme ist vor allem auf das Beschäftigungswachstum, die höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie die Ausweitung der versicherten Erwerbstätigkeit zurückzuführen.
In die entgegengesetzte Richtung entwickelte sich hingegen die Zahl der Vorsorgeeinrichtungen. Gab es im Jahr 1987 noch mehr als 6100 Pensionskassen, waren es 2024 nur noch 1292 Einrichtungen. Allein in den vergangenen zehn Jahren sank die Zahl um mehrere Hundert. Die Konsolidierung gehört zu den prägendsten Entwicklungen der zweiten Säule, denn hinter diesem Rückgang steht ein grundlegender Strukturwandel. Viele kleinere firmeneigene Pensionskassen wurden aufgelöst oder schlossen sich grösseren Einrichtungen an, während gleichzeitig Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen kontinuierlich Marktanteile dazugewinnen. Für kleine und mittlere Unternehmen sind deren BVG-Lösungen oft attraktiver als der Betrieb einer eigenen Vorsorgeeinrichtung, da Verwaltung, Anlagetätigkeit und regulatorische Anforderungen zentral organisiert werden können.
Die Folge ist eine zunehmende Konzentration der Vorsorgelandschaft, in der immer weniger Einrichtungen immer grössere Vermögen verwalten. Für die Versicherten ist diese Entwicklung ambivalent. Grössere Einrichtungen profitieren häufig von Skaleneffekten, professionelleren Anlagestrukturen und tieferen Verwaltungskosten, aber gleichzeitig wächst die Heterogenität innerhalb des Systems. Die Unterschiede bei Verzinsung, Umwandlungssätzen, Reserven und Risikofähigkeit zwischen einzelnen Vorsorgeeinrichtungen sind erheblich, doch die Arbeitnehmenden haben keine Wahlmöglichkeit, sondern gehören obligatorisch derjenigen Kasse an, die der Arbeitgeber auswählt.