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Uwe Lang: «Börse hat masslos übertrieben»

Für einmal hat sich der deutsche Börsenprofi geirrt. Die 
von ihm erwarteten Höchststände bis Ende Jahr sind ausser Reichweite. Trotz erheblichem Erholungspotenzial.

Von Hansjörg Ryser
21.09.2011

Den Crash von 1987 hatte Uwe Lang ebenso rechtzeitig vorausgesehen wie das Platzen der Internetblase 2001. Doch die Turbulenzen dieses Sommers haben auch ihn überrascht. Noch im Frühling liess er sich in der BILANZ zitieren, der Deutsche Aktienindex (DAX) und der Schweizer Leitindex SMI könnten bis Ende Jahr neue Höchststände erreichen.

Obwohl Konjunktursorgen und Schuldenkrise die Märkte belasten, hält Lang die Reaktion der Anleger besonders an der Deutschen Börse für übertrieben. «Mit einer Rezession ist nicht zu rechnen», ist der Herausgeber des Börsenbriefs «Börsensignale» überzeugt. Die Unternehmen seien im Gegensatz zu vielen Staaten finanziell sehr gesund, und die Anleger horteten massenhaft Liquidität. Auch lägen die kurzfristigen Zinsen deutlich unter den langfristigen. Eine ­inverse Zinsstruktur als sicheres Zeichen eines Einbruchs fehle. Und früher oder später seien institutionelle Anleger wie Versicherungen gezwungen, wieder an die Börse zurückzukehren, wollten sie ihre Renditeziele erreichen. Für eine Wende zum Besseren spreche sodann die Saison, wie Lang weiss. «Auf einen schlechten Börsensommer folgte noch immer ein gutes Winterhalbjahr.»

Deutsche Aktien hält er für besonders günstig, gemessen am Kurs-Umsatz-Verhältnis, der für ihn wichtigsten Kenn­grös­se. Zudem besteht für Schweizer ­Anleger dank der Bindung des Frankens an den Euro kein Währungsrisiko. So ­optimistisch wie im Frühling gibt sich der ehemalige Pfarrer allerdings noch nicht. Vorerst beschränkt sich sein Fokus auf defensive Werte wie Pharma oder Nahrungsmittel. Aktien in den USA und in Schwellenländern sind ihm grösstenteils zu riskant. 

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