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Von Banken muss viel mehr Eigenkapital verlangt werden

Mit 70’000 Franken können Sie ein Haus im Wert von 2 Millionen Franken kaufen, wenn Sie eine Bank sind – sonst sind 400’000 Franken nötig.

Harry Büsser

Kommentar Harry Büsser
Harry Büsser, Mitglied der Chefredaktion der «Handelszeitung»: «Wenn eine Bank nur 3,5 Prozent auf ihren Anlagen verliert, ist ihr ganzes Eigenkapital weg.» PAUL_SEEWER

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Ein Haus im Wert von 2 Millionen Franken kaufen – und das mit nur 70’000 Franken Eigenkapital? Das geht, wenn Sie eine systemrelevante Bank in der Schweiz sind. Von dieser wird eine Eigenkapitalquote von nur 3,5 Prozent verlangt.
Das ist absurd wenig, wenn man bedenkt, dass sonst ein Hauskauf mit 20 Prozent Eigenkapital finanziert werden muss. Jeder Banker und jede Bankerin würde die Augen verdrehen, wenn ein Kunde oder eine Kundin einen Hauskauf mit 3,5 Prozent Eigenkapital finanzieren wollte.
Trotz tiefer Eigenkapitalausstattung sagen Bankchefs immer, dass ihr Institut solide finanziert und sicher sei. Oft wird dann etwas von Kernkapitalquote erzählt, von Tier1-Kapital und weiteren unverständlichen Begriffen.
Diese sind für die Allgemeinheit schwer durchschaubar, und vielleicht ist das gar Absicht. Wer die Vorschriften der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) liest, kann den meisten Text ignorieren und sich auf die Leverage Ratio konzentrieren. Dort werden 3,5 Prozent hartes Eigenkapital verlangt.

Sinnlose zusätzliche Instrumente

Dazu werden in der Leverage Ratio 1,5 Prozent Cocos und 5 Prozent Bail-in-Instrumente addiert. Vereinfacht gesagt soll dieses zusätzliche Kapital unter bestimmten Bedingungen zur Verfügung stehen, etwa wenn die Bank in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Das Problem damit: Sobald die zum Einsatz kommen, ist ein Bank-Run fast schon sicher, weil dann alle Kundinnen und Kunden Angst vor einem Konkurs der Bank bekommen. Diese Instrumente sind also fast nutzlos.

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Damit bleiben die 3,5 Prozent harte Eigenkapitalquote. Das ganze Kapital ist weg, wenn die Aktivseite der Bank 3,5 Prozent an Wert verliert. Auf der Aktivseite sind etwa Hypotheken, Kredite an Geschäftskunden und Investitionen in Wertpapiere. Alle drei können schnell mal 3,5 Prozent an Wert verlieren, die letzteren beiden sowieso. Wahnsinn, oder?

Bei den Banken sieht man das natürlich anders. Dort arbeiten Mathematiker, Statistikerinnen und Risikomanager, die immer behaupten, dass alles berechenbar sei, sie alles im Griff hätten. Leider kommt es dann doch immer wieder anders.
Deshalb fordert die Wissenschaft schon lange viel höhere Eigenkapitalquoten von den Banken. Viele gehen davon aus, dass das Finanzsystem erst mit einer Eigenkapitalquote von 20 Prozent sicher ist. Banken, die wirklich hohe Eigenkapitalquoten als Erste umsetzen, könnten gar von der Kundenflucht zu sicheren Banken profitieren.

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