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Markt-Interview

«Das ist moralisch verwerfliche Abzocke»

Tech-Unternehmer und Milliardär Patrick Gruhn über die geringen Chancen, im Trading Gewinne zu erzielen.

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Patrick Gruhn ist Tech-Unternehmer, ehemaliger Chef von FTX Europe und Milliardär. Seine Firma Perpetuals brachte kürzlich eine Plattform für risikofreies Trading heraus. Daniel Cronin

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Herr Gruhn, Sie sind kürzlich mit Ihrer neue Handelsplattform UpsideOnly gestartet. Ihr Kernargument: Sie behaupten, dass am Finanzmarkt fast alle Privatanleger Geld verlieren. Ist das nicht masslos übertrieben?

Überhaupt nicht. Es ist statistisch seit Jahrzehnten bewiesen. Eine grosse Studie der State Bank of India hat kürzlich wieder gezeigt, dass über 90 Prozent der Kunden, die Derivate einsetzen, nur Verluste einfahren. CFD-Anbieter wie Etoro oder Kryptobörsen wie Kraken leben davon. «Nimm unsere Plattform, du kannst ganz schnell reich werden, du kannst alle deine Probleme lösen.» In Wirklichkeit hat man statistisch eigentlich keine Chance.

Wie im Casino?

Im Casino hat man sogar höhere Chancen. Beim Roulette liegt die statistische Gewinnchance bei 47 Prozent. Zudem gehen die Menschen als Freizeitvergnügen ins Casino. Beim Trading kündigen viele ihren Job, weil sie glauben, schnell reich zu werden. In Wirklichkeit ist das System so entwickelt, dass der Kunde statistisch keine Chance hat. Ich halte das für eine moralisch verwerfliche Abzocke.

Warum ist es denn so schwer, als normaler Trader profitabel zu sein?

Es ist eine Kombination aus mathematischen Faktoren und der menschlichen Psyche. Aus mentalem Schmerz wird der Verlust nicht realisiert, man hofft auf eine Kehrtwende. Gewinne nimmt man aus Angst viel zu früh mit. Zum anderen fressen die hohen Gebühren jeden Gewinn schnell auf. Ich heble nicht nur meine Position, ich heble auch die Kosten. CFD-Provider lagern das Risiko auf den Kunden aus. Steigt die Volatilität, wird der Spread zwischen Kauf- und Verkaufspreis grösser. Die Marktmanipulation kommt als systemisches Problem noch dazu.

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Wie läuft die ab?

Im Kryptobereich ist das ein relativ offenes Geheimnis. Grosse Player und Market Maker nutzen den Mangel an Regulierung gnadenlos aus. Ein Beispiel sind Liquidationskaskaden. Weil der Broker bei gehebelten Positionen genau weiss, bei welchem Preis die Stop-Loss Orders der Kunden liegen, kann der Markt gezielt dorthin bewegt werden. Wenn diese Marken getriggert werden, bricht eine Kaskade an automatischen Zwangsverkäufen los. Die Market Maker streichen die Gewinne ein, während die Privatanleger massenhaft liquidiert werden. Es ist eine grosse Umverteilung.

Ist das im regulierten Aktienmarkt anders?

Im traditionellen Markt gibt es zumindest strenge Regeln gegen Marktmanipulation und Insiderhandel. Aber sobald Hebel involviert sind, ist es überall schlimm.

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