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Vergleich

Wie Frauen in Schweizer Firmen verteilt sind

Damit der Frauenanteil in den Teppichetagen steigen kann, braucht es einen breit aufgestellten Talentpool. Eine Studie zeigt, wie hoch der weibliche Anteil auf den einzelnen Hierarchieebenen ist.

Karen Merkel-Gyger

Wo in Firmen die meisten Frauen anzutreffen sind:Damit Frauen in die Chefetagen aufsteigen können, braucht es einen Talentpool. Wie gross dieser ist, untersucht der aktuelle Schilling-Report. Die Branchen im Überblick:
Immobilienfirmen weisen den höchsten Frauenanteil von allen Schweizer Unternehmen in der Belegschaft auf (45 Prozent). Weibliche CEOs gibt es aber keine in der Branche.
Versicherungen verfügen über eine breite Basis: 43 Prozent der Belegschaft ist weiblich. Über alle Ebenen ist der Frauenanteil grösser als im Durchschnitt aller befragten Unternehmen.
Auch in der Bankenbranche ist das Potenzial in der Belegschaft überdurchschnittlich, das schlägt sich allerdings noch nicht in den oberen Etagen nieder. Lediglich in den Verwaltungsräten sind Frauen besser verteten (22 Prozent Verwaltungsrat, 9 Prozent VR-Präsidium) als im Durchschnitt aller Schweizer Firmen. Einbezogen wurden 23 Banken, darunter die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse.
Der Blick auf die Verteilung von Frauen im gesamten Durchschnitt der befragten Konzerne: Es zeigt sich, dass in den Top-Etagen noch deutlich weniger Frauen verteten sind als in der breiten Basis. 107 der 200 grössten Schweizer Unternehmen haben mitgemacht.
Die Industrie weist eine interessante Verteilung auf: Trotz geringer Basis nähert sich das mittlere und das Top-Management dem Gesamtdurchschnitt an. Es gelingt den Unternehmen offenbar gut, ihre Talente zu nutzen.
In der Medien- und Informatikbranche sind Frauen im mittleren und Top-Management vergleichsweise gut vertreten (22 Prozent). Auf Ebene der Geschäftsleitung sind es noch 10 Prozent, darüber gibt es keine Frauen mehr. Die Zahlen sind vergleichsweise hoch, vor allem, da der Anteil an Frauen in der Belegschaft nur bei 35 Prozent liegt.
In der Transport- und Logistikbranche arbeiten überdurchschnittlich viele Frauen in der Führungsetage. Von den sechs Unternehmen, die an der Umfrage teilnahmen, hat eines einen weiblichen CEO: Susanne Ruoff bei der Schweizerischen Post. Die Daten weisen eine untypische Verbreiterung nach oben hin auf.
Detailhändler und weitere Konsumgüterunternehmen fallen in dieses Branchencluster. In keiner anderen Branche arbeiten so viele Frauen in der Belegschaft - der Anteil verjüngt sich allerdings mit steigender Hierarchiestufe deutlich.
Im Bereich Life Sciences, also Chemie-, Pharma-, Medtech- und Biotechunternehmen - haben durchschnittlich viele Frauen angestellt. Im mittleren Management und Topmanagement schlägt dieser Anteil aussergewöhnlich hoch durch. Die Branche zeigt gute Voraussetzungen für einen steigenden Frauenanteil auf höchster Ebene.
Bei den Unternehmensdienstleistungen haben fünf Konzerne ihre Daten eingereicht. Keines hat einen weiblichen CEO oder Verwaltungsratpräsidenten. Ingesamt liegt der Frauenanteil bei 50 Prozent.
Besondere Unternehmen im Überblick: Alle fünf grossen bundesnahen Unternehmen haben an der Erhebung teilgenommen. Es zeigt sich, dass vor allem das mittlere Management zum Durchschnitt abfällt. Da eine der Firmen von einer Frau geführt wird – die Schweizerische Post von Susanne Ruoff - ergibt sich ein hoher weiblicher Anteil auf der CEO-Ebene.
Der Durchschnitt der SMI-Firmen bildet dagegen annähernd den Gesamtdurchschnitt ab. Allerdings werden alle SMI-Firmen von einem Mann geführt.
Bei den Unternehmen in der öffentlichen Hand ist das Potenzial leicht unter dem Durchschnitt, dafür sind Frauen in der Geschäftsleitung und auf CEO-Ebene stärker vertreten als im Gesamtvergleich.
Der Frauenanteil an der Belegschaft der Kantonalbanken ist mit 45 Prozent leicht überdurchschnittlich. Bei den Führungspositionen fallen sie allerdings gegenüber den Gross- und Privatbanken zurück. 

Guido Schilling
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Wo in Firmen die meisten Frauen anzutreffen sind:Damit Frauen in die Chefetagen aufsteigen können, braucht es einen Talentpool. Wie gross dieser ist, untersucht der aktuelle Schilling-Report. Die Branchen im Überblick: Immobilienfirmen weisen den höchsten Frauenanteil von allen Schweizer Unternehmen in der Belegschaft auf (45 Prozent). Weibliche CEOs gibt es aber keine in der Branche. RMS

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In zahlreichen Untersuchungen wurde der Mangel von Frauen in den Konzernspitzen beklagt. Doch damit der Frauenanteil in den Teppichetagen steigen kann, braucht es einen breit aufgestellten Talentpool, wie Gleichstellungsexperten oft betonen. Personalberater Guido Schilling hat nun erstmals den Frauenanteil in Schweizer Firmen nicht nur in der Top-Etage, sondern über alle Hierarchieebenen hinweg untersucht. 107 der 200 grössten Schweizer Unternehmen haben mitgemacht.

Schillings Fazit: «Die Pipeline ist bereits jetzt gut gefüllt. Es wird sich in den kommenden Jahren zeigen, welchen Unternehmen es gelingt, daraus den Nachwuchs für die Führungsebenen zu rekrutieren.»

Grosse Unterschiede zwischen den Branchen

Im Durchschnitt sind 39 Prozent der Belegschaft Frauen. Im mittleren Management schmilzt der Anteil auf 23 Prozent, die Zahlen nehmen mit jeder weiteren Karrierestufe stark ab. «Der Anteil der Frauen an der Belegschaft zeigt eine Pyramide – es sollte eigentlich eine Säule sein», sagt Schilling. Dabei weichen die Branchen überraschend weit voneinander ab (siehe Bildergalerie oben).

In einigen Bereichen sorgen einzelne Ergebnisse für Ausschläge. Es klingt imposant, dass 20 Prozent der Chefs von bundesnahen Konzernen weiblich sind. Tatsächlich wird einfach eines der fünf befragten Unternehmen von einer Frau geleitet – die Schweizerische Post von Susanne Ruoff. In der Belegschaft und den mittleren Managementebenen sind die Zahlen aber auf eine breitere Basis gestützt.

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Neue Berufsbilder

Bei den Kantonalbanken etwa zeigen die Daten, dass sich der überdurchschnittlich grosse Frauenanteil in der Belegschaft nicht im gleichen Masse in den höheren Etagen niederschlägt. «Die Kantonalbanken haben Nachholbedarf», sagt Schilling. «Für sie ist wichtig, dass sie ihre eigenen Talente entwickeln, weil sie nicht die gleichen Löhne zahlen können wie die Grossbanken. Darum haben sie ein besonderes Interesse daran, ihren Mitarbeitern attraktive Arbeitsplätze zu bieten.»

Anders dagegen das produzierende Gewerbe: In der Industrie arbeiten zwar insgesamt weniger Frauen, aber diejenigen haben bessere Aufstiegschancen. Das hat nicht nur mit entsprechender Förderung, sondern mit neuen Berufsbildern zu tun. «Männerbranchen werden weiblicher. Die Industrie entwickelt sich zum Beispiel von der Werkbank zur Denkfabrik», sagt Schilling. Damit öffnet die Digitalisierung Frauen neue Wege in bisher männerdominierte Branchen.

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