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Lohnfrage

Wenn Manager mit Gegenwind rechnen müssen

Auf Druck der Aktionäre zeigte sich die CS-Spitze einsichtig und akzeptierte tiefere Boni. Der Ärger kam aber mit Ansage. Denn die Schweiz mausert sich zum Testfall für den Kampf gegen überhöhte Boni.

So viel haben Schweizer Chefs 2016 verdient:Platz 41: Magdalena Martullo - CEO von EMS-Chemie
Die Familieneigentümerin zahlt sich mit 1,3 Millionen Franken einen bescheidenen Lohn aus. Das ist immerhin 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Ranking ist sie im übrigen die einzige weibliche Geschäftsführerin.
Platz 34: Christian Buhl - CEO von GeberitDie Gewinnsteigerung des Sänitärtechnikkonzerns Geberit kommt auch der Geschäftsleitung und den Aktionären des Sanitärtechnikkonzerns zugute. Geberit-Chef Buhl hat 2016 mit 2,3 Millionen Franken 28 Prozent mehr verdient als im Vorjahr.
Platz 25: Patrick Frost - CEO von Swiss Life
Swiss-Life-Chef Patrick Frost hat im vergangenen Jahr 3,82 Millionen Franken Salär erhalten. Der Basislohn ist gesunken, die Boni sind gestiegen.
Platz 17: Nick Hayek - CEO von Swatch
Swatch-Chef Hayek hat im Jahr 2016 Vergütungen von insgesamt 6,13 Millionen Franken erhalten. Das sind rund 700'000 Franken weniger als noch im Vorjahr. Dabei betrug der Basislohn von Hayek unverändert 1,5 Millionen Franken. Der Rest der Vergütung setzt sich aus Boni, Aktienoptionen sowie Pensionsleistungen und weiteren Sozialleistungen zusammen.
Platz 17: Alexander Friedman - CEO von GAM
Der GAM-Chef hat 2016 ebenfalls 6,1 Millionen Franken verdient. Im Vergleich zum Lohn 2015 sind das ganze 23 Prozent mehr.
Boris Collardi
Platz 15: Christian Mumenthaler - CEO von Swiss Re
Der seit Anfang Juli 2016 amtierende Konzernchef des Rückversicherers Swiss Re, Christian Mumenthaler, hat im vergangenen Jahr insgesamt 6,25 Millionen Franken verdient.
Platz 14: Bracken Darrell - CEO von Logitech
Auch für Bracken Darrell gab es mit 7,1 Millionen Franken mehr als das Jahr zuvor. Die Lohnerhöhung beträgt 11 Prozent.
Gleich viel war für den CEO von Partners Group André Frei drin: Auch er wurde 2016 mit 7,1 Millionen Franken entlöhnt.
Auch der CEO von Actelion Jean-Paul Clozel hatte mit 7,1 Millionen Franken die gleiche Lohnabrechnung. An der Börse war die kleine Pharmafirma Actelion der Überflieger.
Platz 13: David Arnott - CEO von Temenos
Mit den Softwareaktien liessen sich gute Gewinne erzielen. Chef David Arnott wird dafür auch fürstlich entlöhnt: 7,3 Millionen Franken erhielt er für seine letztjährige Arbeit.
Platz 12: Ernst Tanner - CEO von Lindt & SprüngliLindt & Sprüngli-Konzernchef Tanner hat im vergangenen Jahr eine Gesamtvergütung von 7,7 Millionen Franken eingestrichen. Das ist gleich viel wie im Vorjahr.
Platz 11: Julián Díaz González - CEO von Dufry
Das Jahr zuvor hat er zwar noch 2 Prozent mehr verdient, mit einem Lohn von 7,5 Millionen Franken kann man sich jedoch schlecht beklagen.
Platz 10: Mario Greco - CEO von ZurichDer Italiener hat im vergangenen Jahr 7,8 Millionen Franken verdient. Das Grundgehalt belief sich auf 1,3 Millionen Franken. Zudem erhielt Greco eine bar ausgezahlte Antrittsprämie und leistungsbezogene Aktien im Wert von 4,2 Millionen Franken, die im Jahr 2019 definitiv zugeteilt werden.
Platz 9: Erik Fyrwald - CEO von SyngentaErik Fyrwald erhält fürs letzte Geschäftsjahr einen Lohn von 8,4 Millionen Dollar. Ein Grossteil davon – 5,6 Millionen – soll die ihm entgangene Vergütung beim vorherigen Arbeitgeber Univar im Zuge des Wechsels zu Syngenta kompensieren.
Platz 8: Eric Olsen - CEO von LafargeHolcim
In seinem ersten vollen Jahr erhielt Eric Olsen das achthöchste Gehalt aller SMI-Chefs, nämlich 9 Millionen Franken. Hoffentlich profitieren bald auch die Aktionäre.
Platz 7: Ulrich Spiesshofer - CEO von ABB
Der Lohn des Elektrokonzern-Chefs stieg 2016 auf knapp 9,3 Millionen Franken, nach 9,1 Millionen Franken im Jahr davor.
Platz 6: Richard Lepeu - CEO von Richemont
Vor seiner Pension im März hat der Richemont-Chef 2016 9,7 Millionen Franken verdient. Das sind ganze 32 Prozent weniger als noch 2015.
Platz 5: Paul Bulcke - CEO von Nestlé (bis Ende 2016)Der Nestlé-Chef hat in seinem letzten Jahr als CEO vor Pensionskassen- und AHV-Beiträgen 9,01 Millionen Franken nach 9,07 Millionen Franken im Vorjahr verdient. Die Aktienanteile waren zwar weniger wert als im Vorjahr, dafür erhielt Bulcke höhere Pensionskassenbeiträge. Mit Sozialversicherungsbeiträgen kam Bulcke auf 11,21 Millionen Franken.
Platz 4: Tidjane Thiam - Chef der Credit Suisse
Der Bankmanager hat im letzten Jahr 11,9 Millionen Franken bekommen - im 2015 hatte er für sechs Monate Arbeit noch 4,6 Millionen Franken erhalten. Nach einer freiwilligen Reduktion des Bonus hat sich sein Verdienst allerdings auf 10,24 Millionen Franken verringert. Thiam verdiente damit letztes Jahr weniger als der UBS-Chef Sergio Ermotti.
Platz 3: Joe Jimenez - CEO von NovartisDer Novartis-Chef hat 2016 insgesamt 10,6 Millionen Franken verdient. Novartis verwendet für die Bezifferung des Gehalts neu die sogenannte «realisierte Kompensation». Der Wert der gesamten Entschädigung, die dem CEO in 2016 zugesprochen wurde, wird mit knapp 12 Millionen Franken ausgewiesen. Darin sind auch Boni enthalten, die erst 2018 bezogen werden können.
Platz 2: Severin Schwan - CEO von Roche
Der Pharmariese ist an der Börse ein solider Wert - aber auch nicht mehr. Severin Schwan kam trotzdem gut weg: Sein Lohn betrug 12,3 Millionen Franken, dies ist 8 Prozent weniger als das Jahr zuvor.
Platz 1: Sergio Ermotti - CEO der UBS
Trotz durchschnittlicher Börsenperformance über die Jahre leistet sich die UBS den teuersten CEO der Schweiz. Er kostete die Bank ganze 13,7 Millionen Franken. Bilder: Keystone
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So viel haben Schweizer Chefs 2016 verdient:Platz 41: Magdalena Martullo - CEO von EMS-Chemie Die Familieneigentümerin zahlt sich mit 1,3 Millionen Franken einen bescheidenen Lohn aus. Das ist immerhin 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Ranking ist sie im übrigen die einzige weibliche Geschäftsführerin. Keystone

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Lange wurden sie von der Börse belächelt: Kleinanleger, die auf Aktionärsversammlungen über überhöhte Managerboni herzogen. Doch inzwischen dürfte zumindest einigen Konzernlenkern das Lachen vergangen sein. Denn wie das Beispiel der Credit Suisse zeigt, haben die zumeist grauhaarigen Anteilseigner mit einem Hang zur Selbstdarstellung mächtige Verbündete gefunden.
Auch kühl kalkulierenden Grossanlegern sind die prall gefüllten Lohntüten zunehmend ein Dorn im Auge. Die Schweiz bietet nach einer Gesetzesänderung beste Voraussetzungen für Investoren, die ihrem Unmut Luft machen wollen. Aber auch in anderen europäischen Ländern müssen sich die Konzerne auf wachsenden Widerstand gefasst machen, wenn das Firmenergebnis und die Aktienkursentwicklung nicht mit den Boni Schritt halten.

Eine Premiere der schlechten Art

«Credit Suisse ist eine riesige Baustelle», erklärt Stephan Sola vom Broker Kepler Cheuvreux. Altlasten hinterliessen 2016 einen Verlust von 2,7 Milliarden Franken, der zweite Milliarden-Fehlbetrag in Folge. Hinzu kommen kassierte Ziele und die seit Wochen bestehende Unsicherheit, ob das Schweizer Geschäft wie angekündigt an die Börse gebracht werden soll. Das Unternehmen habe alle Chancen, den Konzernumbau erfolgreich abzuschliessen, erklärt Sola. «Bis es soweit ist, sollte das Management bei den Boni Mass halten.»

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Ein Nein der Aktionäre bei der Generalversammlung am 28. April wäre für die Credit-Suisse-Spitze eine Schmach von historischem Ausmass. Die zweitgrösste Bank des Landes droht zum ersten grossen Schweizer Konzern zu werden, deren Management-Boni und Vergütung des Verwaltungsrates bei den Aktionären eine Abfuhr erleiden.
Denn nicht nur Kleinaktionäre, sondern auch die einflussreichen Stimmrechtsberater äusserten sich im Vorfeld ablehnend. Experten zufolge können die amerikanischen ISS und Glass Lewis gemeinsam rund 30 Prozent der Stimmen vertreten, die Schweizer Ethos nochmal drei bis vier Prozent. Die Seite, die eine Mehrheit der vertretenen Stimmen erreicht, setzt sich durch.

Tiefere Boni für mehr Zustimmung

Hastig reagierte Credit Suisse auf den Druck der Aktionäre. In der Nacht auf Karfreitag verzichtete das Management auf einen Teil des Bonus und der Verwaltungsrat auf eine Erhöhung seiner Vergütung. Das Gesamtgehalt von Konzernchef Tidjane Thiam für das vergangene Jahr sinkt damit auf 10,24 Millionen Franken von den zuvor geplanten 11,9 Millionen Franken.
Präsident Urs Rohner geht nun davon aus, dass sich die Zustimmung auf der Generalversammlung erhöhen wird, wie er in einem Interview sagte. Ob das Unternehmen die notwendige 50-Prozent-Schwelle erreicht, ist aber immer noch nicht garantiert.

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Dass sich gerade die Credit Suisse mit einer Aktionärsrevolte konfrontiert sieht, ist kein Zufall. Der Konzern hatte bereits in der Vergangenheit die Zeichen der Zeit nicht erkannt, etwa als er CEO Brady Dougan 2010 insgesamt rund 90 Millionen Franken auszahlte.

Wähler erzwangen Lohnabstimmung

Solche Extrembeispiele riefen auch die Politik auf den Plan. 2013 sprachen sich die Schweizer in einer Volksabstimmung klar für eine Begrenzung der Managersaläre aus. Die Schweiz ist inzwischen das einzige Land, in dem die Aktionäre jedes Jahr bindend über die Managergehälter abstimmen. «Wenn ein Unternehmen wie die Credit Suisse schlecht gearbeitet hat, dann darf es um Himmels Willen keine Boni verteilen», erklärte der Abgeordnete Thomas Minder, die treibende Kraft hinter der Abstimmung.
Aber auch bei anderen Unternehmen nehmen die Unmutsbekundungen zu. Wenige Stunden bevor die Credit Suisse zurückruderte, stimmten 38 Prozent der ABB-Eigner gegen die Vergütung für die Geschäftsleitung, deutlich mehr als erwartet. «Zustimmungsraten von weniger als 80 Prozent wertet der Verwaltungsrat als Signal, etwas zu ändern», erklärt Vergütungsexperte Axel May von der Beratungsfirma HCM.

VW hat seine Lektion gelernt

Dass sich die Schweiz als Testfall für den Kampf gegen überhöhte Boni eignet, hat noch einen zweiten Grund: Die Schweizer Top-Manager verdienen May zufolge durchschnittlich rund 15 Prozent mehr als im europäischen Vergleich und auch mehr als ihre deutschen Kollegen.

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Dort scheinen viele Unternehmen ihre Lektion inzwischen gelernt zu haben. Volkswagen, wo der ehemalige Vorstandschef Martin Winterkorn lange der bestbezahlte Manager in Deutschland war, hat das Gehalt des Vorstandschefs kürzlich auf maximal zehn Millionen Euro pro Jahr begrenzt. Auch die Deutsche Bank hat die Vorstandsbezüge gedeckelt.

Ärger war vorprogrammiert

Insgesamt müssen die Firmen aber weiterhin mit Gegenwind von den Aktionären rechnen. Blackrock-Chef Larry Fink warnte in einem Brief an Firmenchefs, dass der weltgrösste Vermögensverwalter gegen unbefriedigende Vergütungen stimmen werde.
Auch der norwegische Staatsfonds – einer der grössten Aktionäre der Credit Suisse – hatte kürzlich gemahnt, dass Handlungsbedarf bei den Vergütungen von Unternehmen allgemein bestehe. «Bankenlöhne sind weit oben auf der Sorgen-Liste der Anleger», erklärte Andrew Gebelin von Glass Lewis schon vor gut zwei Wochen. «Wir erwarten weitere Kontroversen in den kommenden Monaten.» Credit Suisse war gewarnt.
(bloomberg/jfr)

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