Der SVP ist es gelungen, auch neue Wähler zu mobilisieren. Die Stammwähler bediente sie zwar noch mit dem seit Jahren bewirtschafteten Angstthema Asyl. Doch auf Social Media präsentierte sie sich auch ganz anderes - aufgestellt, positiv und mit viel Selbstironie.
«In der Ära Blocher war die SVP eine Partei, die stets mit dem Daumen nach unten zeigte», sagte Kampagnenberater Daniel Graf am Montag zur Nachrichtenagentur sda. Doch mit Poltern allein sammle man ausserhalb von Restaurant-Sälis wenig Sympathiepunkte. «Die Facebook-Generation wird so nicht angesprochen.»
Positive Emotionen
Mit ihren im Internet veröffentlichten Videos habe es die SVP geschafft, neue, positive Emotionen zu wecken. «Und die (Facebook)-Daumen gingen nach oben», sagte Graf.
Inzwischen könne es sich die SVP gar erlauben, sich in einem Film über sich selbst lustig zu machen. «Ironie einzusetzen in einem Wahlkampf, ist eigentlich ein Spiel mit hohem Risiko.» Doch bei der national-konservativen SVP wirkte es «cool», wenn im Wahlkampf-Clip «Welcome to SVP» alt Bundesrat Christoph Blocher in den Swimmingpool springe.
Nicht immer nur ernst
Auch der Lausanner Politologe Oscar Mazzoleni hat die neuen Töne im SVP-Wahlkampf gehört: «Die SVP spielt mit der Selbstironie. Es ist ihren Vertretern gelungen zu zeigen, dass sie nicht immer nur ernst, sondern auch lustig und amüsant sein können, speziell in ihrem Video-Clip. Es ist ihnen gelungen zu zeigen, dass sie nicht böse sind.»
Es sei der SVP auch gelungen, «gewisse Kritiken zu neutralisieren». So habe die SVP Wähler gewonnen, die nicht notwendigerweise SVP-Wähler seien, und zudem Neuwähler mobilisiert, sagte Mazzoleni. «Aber in ihrer politische Linie bleibt die SVP konstant. Die Partei hat inhaltlich nichts abgeschwächt.»
Auch Politologe Werner Seitz vermutet, dass die SVP Neuwähler mobilisiert hat. Geholfen hat der Partei vermutlich auch, dass die Wähler der anderen Parteien weniger zahlreich zur Wahl gingen.
Hohe Präsenz im Netz
Um die Massen im Netz anzusprechen und zu mobilisieren, sei Facebook das wichtigste der Social Media, sagte Kampagnenberater Daniel Graf. Die SVP habe es mehr als alle anderen Parteien geschafft, via Facebook ihre Sichtbarkeit über das ganze Internet zu streuen und ihre «Schwarz-Weiss-Themen» zu verbreiten.
«Facebook kennt kaum Graustufen. Parteien mit differenzierten Botschaften haben es deshalb schwerer.» So seien die Grünen sehr engagiert gewesen auf Facebook mit vielen Beiträgen. Doch sie hätten lediglich ihre eigene Klientel erreicht.
Sehen Sie in der Bildergalerie unten: Generationenwechsel bei der SVP - das sind die Neuen
Generationenwechsel: Ein gutes Abschneiden bei der Nationalratswahl war für die SVP erwartet worden. Überraschend war aber, wie viele neue Kandidaten sich gegen Etablierte durchsetzen. Politik-Neuling Roger Köppel vereinte aus dem Stand mehr Wählerstimmen auf sich als je ein Bewerber vorher. Parteikollegin Natalie Rickli schlug ihn daraufhin gleich auch noch für den Ständerat vor. RMS Damit würde er im zweiten Wahlgang einem anderen Parteikollegen ins Gehege kommen – Hans-Ueli Vogt. Dieser hatte sich für den Ständerat beworben, lag aber nur auf Platz drei. Den Einzug in den Nationalrat schaffte Vogt aber ... RMS ... ebenso wie Barbara Steinemann. Die Juristin sah in ihrer Wahl ein klares Signal, dass «Wähler auf neue, jüngere Leute setzen wollten». Sechs der zwölf Nationalräte von der SVP aus Zürich sind zum ersten Mal dabei. RMS Bei Magdalena Martullo-Blocher ist der Generationenwechsel sprichwörtlich zu nehmen. Die Tochter von SVP-Urgestein Christoph Blocher setzte sich in Graubünden überaschend durch. Sie erklärte den Wahlsieg mit ihrem Bekanntheitsgrad als Firmenchefin bei Ems-Chemie. Ihren Posten im Familienkonzern will Martullo-Blocher behalten. RMS Franz Grüter (li.) holte in Luzern den dritten Sitz für die SVP zurück. Diesen hatten sie 2011 an die Grünliberalen verloren. Der Mitgründer von Rechenzentrums-Bauer Green AG geht als Unternehmer in den Nationalrat. RMS Auch der erste definitiv Gewählte war ein Neuling: David Zuberbühler (re.) konnte sein Glück kaum fassen. Seine Wahl in den Nationalrat für Appenzell Ausserrhoden stand schon früh fest – vor allem aber enden mit dem Votum für den 36-Jährigen zwölf Jahre Dominanz durch die FDP. RMS Aargauer Andreas Glarner schafft ebenfalls den Sprung in den Nationalrat. Er hat in seiner Zeit als Bewerber international an Bekanntheit gewonnen, weil er als Gemeindepräsident des aargauischen Dorfes Oberwil-Lieli 290'000 Franken zurücklegte, um sich mit diesen im Notfall von der Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen, freizukaufen. Er zählt zu den Siegern dieser Wahl... RMS ... während sie für andere schmerzhaft ausging. Der Fall von Christoph Mörgeli war ein tiefer: Er kam über Platz 20 auf der Zürcher Liste nicht hinaus. Der Nationalrat war in der nun endenden Legislaturperiode vor allem durch diverse Rechtsstreitigkeiten aufgefallen. RMS Auch Hans Fehr – seit 20 Jahren im Nationalrat aktiv – muss gehen. Er trug es mit Fassung und will sich nun seiner Familie und dem Weinanbau widmen. Bitter ist der Abschied für... RMS ...Ernst Schibli. Der 63 Jahre alte Landwirt wollte seine Abwahl gestern Abend nicht weiter kommentieren. Bilder: Keystone RMS