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Treffen

Warum Jackson Hole grossen Stellenwert hat

In Jackson Hole treffen sich die Top-Notenbanker der Welt. Die Teilnehmer hoffen auf Signalwirkungen zur Zinswende in den USA. Auch für die Schweiz ist das von grosser Bedeutung.

Karen Merkel-Gyger

Das jährliche Treffen der Notenbanker in Jackson Hole geniesst in der Branche grossen Stellenwert.
Alan Greenspan, der vorletzte Fed-Vorsitzende, hielt der Konferenz grosse Treue. Er war von 1986 bis 2006 Fed-Chef – und verpasste nur einmal die wichtige Zusammenkunft der Notenbanker. 1988 nahm er nicht teil.
Anders Ben Bernanke: Während Greenspan seine langen Jahre im Dienste der Fed in Jackson Hole mit seiner Abschiedsrede beendet, fehlt sein Nachfolger bei der letzten Konferenz in seiner Amtszeit 2013. Dafür liess er 2010 eine Bombe in Jackson Hole platzen: Er signalisierte weitere Geldspritzen von Seiten der Fed, die er kurz darauf offiziell machte. Das löste eine Aktienrallye aus.
2014 hielt der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, eine spektakuläre Rede – er deutete den Plan an, mit der EZB Staatsanleihen aufzukaufen. Obwohl rechtlich umstritten, setzte er dieses Vorhaben später durch. Janet Yellen, aktuelle Fed-Chefin, hörte ihm letztes Jahr zu. Dieses Jahr fehlt sie an der Konferenz.
Dieses Jahr verzichtet die Vorsitzende der US-Zentralbank Fed, Janet Yellen, auf eine Teilnahme in Jackson Hole. Insgesamt wird erwartet, dass viele Mitglieder des wichtigsten Gremiums der Fed fehlen werden.
Der ranghöchste Vertreter 2015 ist Fed-Vize Stanley Fischer. Seine Rede zum Thema Inflation ist für den Samstag geplant. Ihr ist grosse Aufmerksamkeit in der Finanzwelt sicher.
SNB-Chef Thomas Jordan reist auch in diesem Jahr nach Wyoming. Er wird sicher ebenfalls auf Anzeichen zum Fed-Zinswende achten.
2011 hatte die neue IWF-Chefin Christine Lagarde ihren grossen Auftritt bei der jährlichen Konferenz. Ihre Rede war eine Aufforderung, steigenden Wirtschaftsrisiken entschlossen entgegenzutreten. 2013 kam ihr die Ehre zuteil, die Konferenz zu eröffnen, da der Fed-Chef Bernanke nicht zugegen war. Bilder: Keystone
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Einmal im Jahr richten sich die Augen der Finanzwelt auf die US-amerikanische Provinz: Dann versammeln sich die Geldpolitiker der Welt in der idyllischen Kleinstadt Jackson in Wyoming. In diesem Jahr könnte das Treffen vom Zeitpunkt her kaum günstiger gesetzt sein. Der chinesische Aktienmarkt holt Luft nach den schweren Turbulenzen der vergangenen Tage, die wohl nicht die letzten gewesen sein dürften. Viele Analysten haben angesichts des China-Crashs in Frage gestellt, dass die Fed ihren Leitzins tatsächlich im September anhebt. Eher wird erwartet, dass Janet Yellen dem Markt noch einmal Zeit geben wird.

Es ist also ein spannender Moment – und doch sind die Erwartungen an die hochkarätige Konferenz zurückhaltend. Denn die Hauptperson fehlt: Fed-Chefin Janet Yellen glänzt durch Abwesenheit. Ihr wäre die ungeteilte Aufmerksamkeit der Finanzwelt sicher gewesen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an Fed-Vize Stanley Fischer, der nun der ranghöchste Vertreter der US-Notenbank in Jackson Hole ist. Ihm wird sicher auch SNB-Chef Thomas Jordan genau zuhören, der vor Ort weilt.

Wichtige Ankündigungen in Jackson Hole

Janet Yellen ist nicht die einzige prominente Geldpolitikerin, die in diesem Jahr fernbleibt – auch EZB-Präsident Mario Draghi kommt nicht nach Jackson Hole. Offiziell wird das Meeting sich auf das Thema der Preisentwicklung konzentrieren. «Inflation wird im Zentrum stehen», sagt Michael Feroil, Chefökonom von JP Morgan Chase, gegenüber Bloomberg. «Das ist die Sorge nicht nur der Zentralbanken hier, sondern auch der Euro-Zone und der asiatischen Volkswirtschaften.»

Inoffiziell hoffen die Teilnehmer auf Signalwirkungen zu den wichtigen geldpolitischen Fragen. Etwa zur Zinswende in den USA. Der Fed-Zinsentscheid ist auch für die Schweiz von grosser Bedeutung. Denn die Anhebung der Leitzinsen sollte dem Dollar Auftrieb geben. Das könnte der SNB-Politik im Kampf um einen schwächeren Franken den Rücken stärken.

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Bernanke löste Aktienrallye aus

Auch wenn die Erwartungen in diesem Jahr gedämpft sind – die Versammlung in Wyoming hat sich schon manches Mal als der Ort herausgestellt, den Geldpolitiker für wichtige Ankündigungen nutzen.

So eröffnete der damalige Fed-Chef Ben Bernanke 2010, die US-amerikanische Notenbank werde «alles tun, was sie kann», um die Wirtschaft anzukurbeln. Damit zeigte er deutlich die Bereitschaft, die Geldschleusen der Fed zu öffnen – und löste eine Börsenrallye aus.

Weitere wichtige Entscheidungen, die am Notenbanker-Treffen in Jackson Hole gefällt wurden, sehen Sie in der Bildergalerie oben.



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