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Meinung

Auf einem schmalen Grat

Trotz Iran-Krise und Ölproblemen klettern die Börsen auf Rekordhöhen – ein riskantes Spiel auf dünnem Eis.

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«Ölkrise, Inflation? War da was? Wie schnell die Wall Street den Iran-Krieg abhakt, irritiert», schreibt Erich Gerbl. Paul Seewer für BILANZ

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Zuletzt war ich wieder einmal an einem Konzert. Das Vancouver Symphony Orchestra begleitete Stargeiger James Ehnes. Als der gerade mit dem ersten Satz von Rachmaninows zweiter Symphonie fertig wurde, fing ein Natel zu klingeln an. Es dauerte ewig, bis die ältere Dame das Gerät unter Kontrolle brachte. Nach einer kurzen Zwangspause fingen die Musiker wieder an zu spielen.
An den Finanzmärkten ist Donald Trump der schrille Handyton. Immer wieder unterbricht er dort das fein abgestimmte Treiben. Doch offenbar haben sich die Investoren ein Stück weit an die disharmonischen Störmanöver gewöhnt – wie schnell die Wall Street den Iran-Krieg abhakt, irritiert. Während die Tanker in der Strasse von Hormus weiterhin nicht vom Fleck kommen, klettern die Aktienmärkte auf neue Rekordniveaus.
Ölkrise? Inflation? War da was? Alles in der Hoffnung, dass Trump das Wohl der Finanzmärkte im Blick behält und die Dinge im Vorfeld der Midterm-Wahlen wieder in Ordnung bringt. Solange die Gemeinschaft der Investoren zu dem Schluss kommt, dass das Glas halb voll ist, und Risiken verdrängt, kann die Hausse weitergehen. Doch der Grat, auf dem die Kurse nach oben wandern, ist schmal. Und eines ist sicher: Der nächste nervige Natel-Anruf kommt bestimmt.

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