Erstaunlich, wie unterschiedlich sich Lebensversicherungen an ihre Überschussprognosen halten. Dabei versprechen sie ihren Kunden immer wieder das Blaue vom Himmel.
Fredy B. fiel unlängst aus allen Wolken. Die ehemalige Basler Leben hatte ihm auf Anfrage mitgeteilt, dass sie sich nicht an ihre ursprüngliche Überschussprognose halten werde und bereits seit zwei Jahren Kürzungen um bis zu 60 Prozent auf seiner Euro-Einmalprämie vorgenommen habe.
Dabei hatte der BILANZ-Leser fest mit einer Einhaltung der seinerzeitigen Überschussprognose gerechnet. Schliesslich hatte die Gesellschaft diesen Frühling in grossflächigen Annoncen mit vollmundigen Werbeslogans Optimismus versprüht. Die heutige Bâloise löse ihre Versprechen ein, liess sie unter anderem ihre Kunden schwarz auf weiss wissen.
Natürlich ist eine Prognose unverbindlich und deshalb noch lange kein Versprechen. Anderseits bezog sich das Inserat der Basler explizit auf die Einhaltung von Überschüssen. Zudem fällt die Kürzung happig aus, wie aus der Tabelle auf dieser Seite hervorgeht. Danach werden die damaligen 100 000 Ecu, 1992 in eine Einmalprämie bei dieser Gesellschaft investiert, bei Ablauf der Police in einem Jahr rund 20 000 Euro weniger bringen als damals prognostiziert.
In Basel wird der Schnitt mit dem starken Fall der Euro-Zinsen seit dem Hochzinsjahr 1992 begründet. Dabei bleibt aber unerwähnt, dass die Prämien damals ja nicht nur in Festverzinsliche investiert wurden. Vielmehr hält die Gesellschaft seit Jahren einen für die Branche überdurchschnittlich hohen Aktienanteil, der in den Neunzigerjahren ein Vermögen eingebracht hat und zur Kompensation fallender Zinserträge eingesetzt werden kann.
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Auch im Vergleich mit anderen Gesellschaften fällt die Basler ab. In einer Umfrage unter den sechs Anbietern, die vor neun Jahren eine Ecu-Einmalprämie anboten, landet sie auf dem zweitletzten Platz, wie ebenfalls aus der Tabelle ersichtlich ist. So wird zum Beispiel ein Kunde der Helvetia Patria in einem Jahr rund 6000 Euro mehr kassieren. Angesichts der Kostenprobleme, mit denen diese Gesellschaft kämpft, ist das erstaunlich viel. Zumal die Jahresergebnisse in den letzten Jahren durchwegs unter jenen ihres Konkurrenten am Basler Aeschengraben lagen.
Hervorragend schneidet die Swiss Life ab. Als einzige der getesteten Gesellschaften will sie ihre damaligen Prognosen voll einhalten und in einem Jahr 217 514 Euro auszahlen. Damit ist sie allen Konkurrenten weit voraus. Dieses Ergebnis bestätigt die BILANZ-Tests der letzten Jahre, in denen der Marktleader in dieser Beziehung meist Spitzenresultate lieferte. Nur bei aufgeschobenen Leibrenten hielt sich die Gesellschaft nicht an ihre Vorgaben. Eine Gesellschaft, die ihre Prognosen grosso modo honoriert – daraus kann ein Aussendienst Kapital schlagen! Die Vaudoise erhöhte ihre prognostizierten Überschüsse gar, rangierte mit ihrer Prognose vor neun Jahren aber unter «ferner liefen».
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Wenig komfortabel haben es die Agenten der Winterthur, die absolut und relativ mit der höchsten Kürzung aufwartet. Auffallend ist, dass die Nummer zwei der Branche in letzter Zeit bei solchen Umfragen fast durchwegs Mittelmass ist. Über die Hintergründe kann der Kunde nur rätseln, da die Lebensversicherungen über die Zuteilung der Überschüsse keinerlei Rechenschaft schulden. Derart hohe Diskrepanzen gegenüber einem Konkurrenten beweisen, dass es mit der Transparenz in diesem Markt offenbar noch nicht weit her ist.
Mit einem Rückstand von über 31 000 Euro auf die Rentenanstalt von allen guten Geistern verlassen scheint die Zürich. Diese Gesellschaft hat sich einer Überschusspolitik verschrieben, die ihren Kunden in einer Tiefzinsphase bei gemischten Versicherungen und Leibrenten nur Enttäuschungen bringen kann. Ob sie im umgekehrten Fall einer Zinssteigerung dereinst ihre Überschussprognosen übertreffen wird, muss sie hingegen erst noch beweisen.