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Viel Schall und Rauch

Die seit Neujahr bekannt gewordenen Überschusskürzungen auf laufenden Policen lassen Zweifel aufkommen, ob die im Dezember vorab von grossen Gesellschaften gemachten generösen Überschussprognosen dereinst auch eingehalten werden.

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Die Lebenbranche machte es spannend. Im Weihnachtsmonat bot sie im Neugeschäft noch Traumüberschüsse auf gemischten Versicherungen in Schweizerfranken; im Folgemonat liessen sie dann die Katze aus dem Sack und die Überschüsse purzeln. Alles traf also ein wie vorausgesagt, überraschend war nur das Ausmass. Vorab bei den grossen Gesellschaften fielen die Kürzungen nämlich unerwartet hoch aus.
Die Zürich und die Winterthur haben beide um mehr als ein halbes Prozent reduziert und stellen heute eine mutmassliche Rendite von etwas über 3,3 Prozent in Aussicht. Gänzlich aus dem Rahmen fällt die Gruppe der Swiss Life: Während die Rentenanstalt mit 3,21 Prozent mit der Konkurrenz noch einigermassen mithalten kann, ist ihre Tochter La Suisse mit 2,8 Prozent ziemlich abgeschlagen, und Profitline hat sich sogar vorübergehend aus dem Geschäft verabschiedet.
Seit der Übernahme durch die Rentenanstalt hat der Direktanbieter sukzessive an Schwung eingebüsst. Nicht von ungefähr, bringt doch die traditionell auf ihren Aussendienst fixierte Rentenanstalt wenig Verständnis für die Besonderheiten des Direktvertriebs auf. Anders als der eine Gesamtberatung bietende, wortgewandte Agent kann Profitline gegenüber der Konkurrenz nur mit einer höheren Rendite bestehen, was sie sich dank vergleichsweise tieferen Kosten auch spielend leisten könnte. Stattdessen muss sie nun schon seit bald zwei Jahren tiefstapeln. Ob das wohl ein Zugeständnis an den Aussendienst der Rentenanstalt ist, der sich mit dem ungeliebten Konkurrenten im eigenen Haus nie abfinden mochte?

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Selber in die Bredouille gebracht hat sich hingegen der Lebensversicherer der Mobiliar-Gruppe, die Providentia. Die erst seit einigen Jahren gemischte Versicherungen anbietende Gesellschaft war letztes Jahr eine Kooperation mit der UBS eingegangen, was ihr innert neun Monaten Prämieneinnahmen von 100 Millionen Franken einbrachte.
Damit baute sie in einem rauen Börsenklima eine überdurchschnittlich hohe Aktienposition auf und war am Jahresende zu hohen Abschreibungen gezwungen. Anders als seine Konkurrenten, die während der Börsenhausse ihre Überschusstöpfe füllen konnten, dürfte der ehemalige Risikoversicherer über wenig Reserven verfügen. Er musste deshalb die offerierte Rendite über Nacht von 3,93 auf gerade noch 2,6 Prozent senken und zudem im April das Maklergeschäft einstellen.
Auf ihrer Suche nach einem neuen Partner ist die UBS bei der Basler fündig geworden. Die Partnerschaft dürfte hier wohl länger dauern. Erstens offeriert der viertgrösste Schweizer Lebensversicherer mit 3,65 Prozent nach wie vor eine Spitzenrendite, zum andern bieten die guten Jahresergebnisse der «Basler» in den letzten Jahren eine gewisse Gewähr für die Einhaltung der heutigen Prognosen.
Angesichts der unsicheren Situation an den Kapital- und Aktienbörsen ist es nämlich gar nicht selbstverständlich, dass die noch im Dezember offerierten generösen Überschüsse dereinst auch honoriert werden können, ist doch seit geraumer Zeit nur etwa die Hälfte dessen verdient worden, was vollmundig versprochen wurde. Wenn sich die Anlagemöglichkeiten der Lebenbranche nicht sehr bald entscheidend verbessern, könnten die Anleger noch unangenehme Überraschungen erleben. Einen Vorgeschmack haben sie ja bereits im Folgemonat Januar erhalten, als die Branche unisono Überschusskürzungen auf laufenden Policen bekannt gab.

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Dabei sind Unterschiede im Ausmass festzustellen. Am glimpflichsten kamen jene Versicherten davon, deren Gesellschaften nach fünfjähriger Laufzeit erstmals kürzen. Das ist nicht überall so, wie das Beispiel eines BILANZ-Lesers zeigt, der Ende 1995 bei der damaligen «Berner» eine Einmalprämie mit 15-jähriger Laufzeit abschloss. Schon zwei Jahre später, also in einem freundlichen Anlageklima, begann die heutige Allianz-Gesellschaft schon an den Überschüssen zu hobeln. Heute, also nach nur 6 von 15 Jahren, sind bereits 43 Prozent weg.
Anders ist die Situation bei den Leibrenten. Während die meisten Gesellschaften die Überschüsse auf laufenden Renten unangetastet liessen, wurde bei den aufgeschobenen Renten umso mehr gekürzt. So bei der Helvetia Patria und der «Zürich», bei denen der Rentner zum Beispiel auf einer vor zehn Jahren gekauften und im Herbst 2001 angetretenen Rente nur noch 53 Prozent der bei Vertragsabschluss prognostizierten Überschüsse erhält.

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