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Varianten mit Tücken

Die von einigen Lebensversicherungen neuerdings verkauften flexiblen Leibrenten sind zwar variantenreich, doch nicht a priori besser als die herkömmlichen Produkte.

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Eine Leibrente gilt für die meisten Anleger als Inbegriff für Sicherheit. Die Aussicht auf garantierte, regelmässige Zahlungen bis zum Lebensende ist ausschlaggebend für den Kaufentscheid. Überlegungen zur Rendite einer solchen Anlage werden hingegen nur am Rande oder überhaupt nicht gemacht. Bei den bisherigen Rentenprodukten musste die Frage nach der Rendite nicht gestellt werden. Durch die früher herrschende Kartellierung der Lebenbranche verkauften die einzelnen Gesellschaften nahezu identische Produkte, verschieden waren nur die Überschüsse.
Die Einführung der neuen, flexiblen Renten hat dies schlagartig verändert. Durch die eingebauten mathematischen Finessen ist nämlich der Verlauf von Rente und Rückgewähr der einzelnen Produkte im Zeitablauf nicht mehr kongruent, was die Rendite verändert. Diese ist abhängig von den bis zum Tode des Versicherten ausbezahlten Renten, von der an die Erben gehende Rückgewähr und von dem beim Versicherungsbeginn eingesetzten Kapital.
Ein Vergleich zwischen den einzelnen Produkten deckt enorme Verschiebungen auf. Das Fallbeispiel im BILANZ-Test ist ein am 1. September 2001 65-jährig gewordener Mann, der sich für 250 000 Franken eine Leibrente mit Rückgewähr gekauft hat. Gemäss seiner Finanzplanung benötigt er für die kommenden zwei Jahre minimal je 24 000, während der folgenden drei Jahre je 18 000, und anschliessend kann er mit jährlich rund 12 000 Franken auskommen. Während der ersten fünf Jahre sind die Minimalbeträge garantiert, dazu kommen Überschüsse, die zum Beispiel bei der Helvetia Patria in den beiden ersten Jahren je 3756 Franken (24 000 + 3756 = 27 756) ausmachen. Ab 2006 ist die garantierte Rente je nach Gesellschaft verschieden.

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Der ungleiche Verlauf der Rendite ist teilweise markant, wie bei der Basler und Genfer ersichtlich. Die Einmalprämie des heute 65-Jährigen würde nach vier Jahren bei der «Genfer» mit 0,81 Prozent rentieren, das sind 0,44 Prozentpunkte weniger als bei der «Basler». Ab 2013 liegt jedoch mit 1,68 Prozent die «Genfer» höher, sie ist auch punkto Rendite voraus. Wer ein langes Leben erwartet, müsste demnach bei der «Genfer» abschliessen. Freilich sind die beiden Gesellschaften ab 2023, also nach 22 Jahren, wieder gleichauf. Alle Produkte rentieren während der ersten 20 Jahre schlecht. Nur ab 85 kann drei Prozent und mehr erreicht werden. Bei der Leibrente tragen früh sterbende Versicherte zur Finanzierung der Renten der länger Lebenden bei.
Auf Grund der geplanten hohen Bezüge in den ersten fünf Jahren fällt die Rente in den Folgejahren ab 2007 bei allen Gesellschaften stark ab, wie aus den Spalten «Total inklusive Überschussanteile» ersichtlich ist. Bei «Basler», «Genfer» und Helvetia Patria ist der Rentenverlauf annähernd gleich und bleibt zudem ab 2007 konstant, auch die Rendite entwickelt sich im Gleichschritt. Völlig abweichende Resultate weisen hingegen Rentenanstalt und Winterthur aus. Diese beiden Gesellschaften offerieren eine steigende Rente, was in den ersten Jahren zu vergleichsweise geringen Überschüssen führt. Diese machen zum Beispiel beim Produkt Calmo der Rentenanstalt im ersten Jahr nur gerade 548 Franken aus (24 000 Franken sind ja in den ersten zwei Jahren bei allen fünf Gesellschaften garantiert). Dadurch bleibt die Rendite aber während der folgenden Jahre negativ, und auch später bleibt sie lange hinter jener von «Basler», «Genfer» und Helvetia Patria zurück.

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Eine Kompensation für diese Durststrecke offerieren Rentenanstalt und «Winterthur» erst viel später. Durch die steigenden Überschüsse beginnen die Renditen nach etwa 24 Jahren jene der Konkurrenz zu überflügeln; der Anleger müsste also 90 und älter werden, um noch davon zu profitieren. Davon hätten die Erben aber keinen Nutzen mehr, weil in diesem Alter die Rückgewähr längst erschöpft ist. Diese wird ja errechnet aus der Differenz zwischen der Netto-Einmalprämie und den bereits bezogenen Renten.
Noch eigenwilliger ist WinLifePension der «Winterthur». In den ersten zehn Jahren ist der Verlauf dieser steigenden Rente noch mit Calmo vergleichbar, und ab dem Alter von 75 Jahren überflügelt sie das Produkt der Rentenanstalt. Diesen Vorteil muss sich der Anleger freilich teuer erkaufen, wie aus den Renditen hervorgeht, die ja das Resultat von Rente und Rückgewährskapital im Todesfall sind. So bedeutet die Rendite von –8,61 Prozent in Variante 1 nach dem ersten Jahr, dass die Erben im Falle eines Todes des Versicherten von der Einmaleinlage von 250 000 Franken nur noch rund 186 000 Franken erhalten, obwohl erst 24 530 Franken ausbezahlt wurden.
WinLifePension und Calmo bieten dem Kunden exklusiv die Möglichkeit, die Rückgewährsdauer innerhalb einer bestimmten Bandbreite selbst zu bestimmen. Eine Verkürzung generiert automatisch eine höhere Leistung. In Variante 2 von WinLifePension ist eine solche Verkürzung von 21 auf 17 Jahre dargestellt. Sie bewirkt nach dem fünften Versicherungsjahr leicht höhere Renten. Dafür beträgt der Rückkaufswert nach Auszahlung der ersten Rente von 24 530 Franken nur noch rund 168 000 Franken und bleibt auch in den Folgejahren tief, wie die vergleichsweise geringen Renditen aufzeigen.

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Ein solcher Rentenverlauf ist vorab für jene Anleger, die auch das Erbe in ihre Überlegungen einbeziehen, wenig attraktiv. Bei WinLifePension haben Versicherungsmathematiker offenbar am Markt vorbeigeplant.

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