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Auto

Tesla-Chef Musk verliert Grossinvestor

Nach dem überraschenden Beteiligungsverkauf von Daimler stehen viele Fragen offen. Gleichzeitig scheinen sich die negativen Schlagzeilen über den amerikanischen E-Auto-Pionier zu häufen.

Gabriel Knupfer

Der Tesla vor der Kulisse des Rheinfalls in Neuhausen. Industriegeschichte mit den Gebäuden der einstigen SIG und dem modernen Elektroauto. Das Ganze verbunden mit Wasserkraft, die wiederum den Tesla antreibt. Das Auto hat der Fotograf Patrick Stoll exklusiv für bilanz.ch in Szene gesetzt.
Der Tesla läuft ausschliesslich mit Elektrizität. Wer seinen Fuss beim Fahren nicht unter Kontrolle hat, riskiert nicht nur eine Busse sondern auch, dass dem Kraftpaket mit 262 Steuer PS der Strom ausgeht.
Um möglichst stromsparend zu fahren, ist eine Geschwindigkeit von 90 bis 110 km/h empfohlen. Mit dem Boliden ist cruisen statt bolzen angesagt. Auf der Autobahn hat der Amerikaner jedoch gegen alle einen Stich.
tesla
Die Anzeige im Tesla ist voll elektronisch. Das Display hinter dem Steuerrad zeigt Geschwindigkeit, Stromverbrauch, Batteriestand, Radiosender und Telefongespräche an. Das Auto lässt sich problemlos mit dem Smartphone synchronisieren.
Zwischen dem Fahrer und dem Beifahrer befindet sich ein riesiger Touchscreen. Darauf lässt sich...
...von Navi über das Mediacenter bis hin zu Internetseiten alles anzeigen. Die Bedienung für Lüftung, Klima und Sitzheizung ist auf der Anzeige sehr klein - da muss man schon genau hinschauen.
Der Tesla mutet fast schon futuristisch an: Der Blick durch den offenen Kofferraum über die Rückbank nach vorne ins Cockpit.
Wahrzeichen und Statement: Der über hunderttausend Franken teure Tesla vor dem Munot in Schaffhausen.
Der Tesla ist auf unseren Strassen einer der Grössten. In der Breite überragt er die Mercedes S Klasse um ganze 17cm. Dementsprechend anstrengend ist das Parken vor dem Supermarkt oder das Finden einer Lücke im Parkhaus. So verlief auch der Test nicht ohne Kratzer.
Der rote Amerikaner beschleunigt in allen Lagen unglaublich stark. Dies hat auch seinen Preis - besonders was die Reifen angeht. Denn je nach Fahrweise halten die Hinterpneus bloss eine Strecke von 6000 bis 8000 km. Was bei einem Preis von 500 Franken pro Pneu nicht gerade günstig ist.
Der Tesla ist ein Auto zum Cruisen. Bei schnellem Fahren verringert sich die Reichweite massiv. Stromladestellen gibt es für den Wagen nicht viele. Eine 32 Amper Einrichtung für zu Hause kostet 400 Franken Auf- und Abbaugebühr. (Bilder: www.patrickstoll.ch)
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Der Verkauf der Tesla-Beteiligung in Höhe von fast 800 Millionen Dollar durch den Stuttgarter Autohersteller wirft Fragen auf. Eine davon: Wie zukunftsfähig ist das Geschäftsmodell des oft gefeierten Herstellers von Elektroautos?  Zwar betont Daimler, dass weder die Strategie für emissionsfreies Fahren noch die Zusammenarbeit mit den Amerikanern in Frage stünden. Doch die negativen Nachrichten zu Tesla häufen sich.
Zuletzt enttäuschte Tesla Anfang Oktober mit dem zuvor als Weltsensation angekündigten Modell P85D. Statt dem erwarteten Durchbruch beim autonomen Fahren – D sollte angeblich für «Driverless» stehen – brachte das neue Modell des Luxus-E-Autos lediglich einen neuartigen Allradantrieb mit zwei Motoren, sowie einige Assistenzsysteme. Ein echter Autopilot scheint dagegen weiter nicht in Sicht.

Direktverkauf wird untersagt

Sorgen bereitet auch der Vertrieb. Anfang Monat verabschiedete das Parlament des US-Bundesstaates Michigan eine Gesetzesänderung, die dem Direktverkaufsmodell von Tesla entgegensteht. Etliche weitere Bundesstaaten verbieten ebenfalls den direkten Verkauf von Autos, um die Händler zu schützen. Akut gefährdet sind durch diese Regelungen aber die Tesla-Showrooms. Nach dem neuen Gesetz dürfe Tesla «nicht einmal etwas über Autos erzählen», kritisierte der Konzern.

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Wenig überraschend ist daher, dass auch die Aktie von Tesla derzeit einen Abwärtstrend erlebt. Dies nachdem sie in einem Jahr von einem Tiefstand von 116 Dollar im November 2013 auf vorübergehend rund 290 Dollar gestiegen war. Im Zuge der aktuellen Korrektur an den Börsen ist der Kurs aber binnen weniger Wochen um etwa 20 Prozent  eingebrochen.

Daimler löst 780 Millionen Dollar

«Wir sind mit der Entwicklung unserer Beteiligung an Tesla ausserordentlich zufrieden», teilte Daimler in der Mitteilung zum Ausstieg mit. Doch warum verkauft der Autobauer dann? Die Stuttgarter waren 2009 bei Tesla eingestiegen – als die Firma noch ein unbekanntes Startup-Unternehmen war. Ursprünglich hatten die Deutschen 9,1 Prozent am E-Auto-Hersteller gehalten. 40 Prozent davon waren indes schon 2009 an die Aabar Investments PJSC in Abu Dhabi veräussert worden. Und seit dem Börsengang 2010 hat sich die Beteiligung von Daimler auf die nun verkauften vier Prozent reduziert.
«Für unsere Partnerschaft und Zusammenarbeit ist eine Finanzbeteiligung an Tesla aber nicht notwendig», sagt nun Daimler-Finanzchef Bodo Uebber. So habe auch Tesla die Möglichkeit sich einer breiteren Investorenbasis zu öffnen. Tesla wollte die Transaktion bisher aber nicht kommentieren. Klar ist allerdings, dass sich der Verkauf für Daimler positiv auf den Gewinn auswirken wird. Der Effekt auf den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) liege für das Gesamtjahr 2014 bei etwa 780 Millionen Dollar, schreiben die Deutschen.

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Ausstieg von Toyota zeichnet sich ab

Auch wenn Tesla für Daimler «ein Baustein unserer Aktivitäten auf dem Gebiet der Elektromobilität» bleiben soll, stellt sich doch die Frage, wie stark andere Investoren noch an Tesla glauben. So werden beispielsweise Tesla und Toyota ihre Vereinbarung zum Verkauf von Batterien voraussichtlich in diesem Jahr auslaufen lassen.
Der japanische Autoriese hatte 2010 rund 50 Millionen Dollar in Tesla investiert und hält zu Zeit noch rund 2,4 Prozent der Aktien. In den letzten Monaten haben aber Toyota-Manager laut Medienberichten grundsätzliche Zweifel an der Zukunft von Elektroautos geäussert. Nach ihrer Ansicht sind Wasserstoff-Brennzellen eher geegnet, dereinst Benzin und Diesel zu ersetzen.

Vom Juniorpartner zum Konkurrenten

Derart grundsätzliche Kritik hat man von Daimler indes noch nicht gehört. «Wir verfolgen unsere Strategie für emissionsfreies Fahren konsequent», lässt sich Verwaltungsratschef Dieter Zetsche zitieren. «Ein Baustein sind elektrisch angetriebene Fahrzeuge.»
Daimler verfügt nach eigenen Angaben inzwischen über das branchenweit grösste Portfolio an Elektrofahrzeugen. Man habe seit 2009 viel von Tesla gelernt, sagt Verwaltungsrat Thomas Weber. Es ist aber klar, dass aus dem Startup von Geschäftsleiter Elon Musc für Daimler inzwischen ein echter Konkurrent herangewachsen ist. Und diese Tatsache wurde in Stuttgart offenbar stärker gewichtet als die vielbeschworene «Partnerschaft und Zusammenarbeit».

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Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS für Blick und die Handelszeitung, für die er seit zehn Jahren arbeitet.

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