Abo
Erfolgreich

Snap liefert einen Börsengang, der es in sich hat

Snapchat-Betreiber Snap feiert einen Traumstart an der Wall Street - obwohl es weiter rote Zahlen schreibt, nicht mit Gewinnen rechnet und die Aktionäre kein Mitspracherecht bekommen.

evan-spiegel_0.jpg
Evan Spiegel: Der Börsengang macht den Gründer um ein paar Millionen reicher. Keystone RMS

Werbung

Die Aktie des Snapchat-Betreibers Snap ist am Donnerstag bei ihrer Premiere an der Wall Street durchgestartet. Die Papiere des Messaging-Dienstes verteuerten sich bei hohen Umsätzen gegenüber dem Ausgabepreis zeitweise um rund die Hälfte. Erster Kurs war 24 Dollar. Es ging dann bis auf 26,05 Dollar nach oben. Das Papier beendete den ersten Handelstag mit 24,48 Dollar, was einem Aufschlag von 44 Prozent gegenüber dem Emissionspreis entspricht. Die New Yorker Börsen schlossen dagegen im Minus.

Es ist einer der grössten Börsengänge in der Technologiebranche überhaupt. Snap hatte am Mittwoch 200 Millionen Aktien zu jeweils 17 Dollar bei Investoren untergebracht - deutlich mehr als die eigentlich erwarteten 14 bis 16 Dollar. Bereits kurz nach Ermittlung des ersten Kurses empfahlen allerdings die Analysten des Anlageberaters Pivotal Research die Aktien zum Verkauf und riefen ein Kursziel von zehn Dollar aus. Das Papier sei deutlich überbewertet.

272 Millionen Dollar für Evan Spiegel

Insgesamt fliessen dem WhatsApp-Rivalen 3,4 Milliarden Dollar zu. Unternehmensgründer Evan Spiegel nimmt 272 Millionen Dollar ein. Die Nachfrage hatte die angebotenen Papiere um mehr als den Faktor zehn überstiegen. Auf Basis des Schlusskurses ist das Unternehmen an der Börse rund 34,5 Milliarden Dollar wert, obwohl es weiter rote Zahlen schreibt, nicht mit Gewinnen rechnet und die Aktionäre kein Mitspracherecht bekommen.

Zum Vergleich: Beim Kurznachrichtendienst Twitter, dessen Umsatzwachstum zuletzt fast zum Erliegen kam, sind es etwas mehr elf Milliarden Dollar. In Deutschland sind etwa die Lufthansa, die Deutsche Bank und der Chiphersteller Infineon aus dem Kreis der 30 Dax-Unternehmen deutlich weniger wert. Die amerikanischen Technologie-Riesen Facebook und Apple sind fast 400 Milliarden beziehungsweise 733 Milliarden Dollar wert.

Partner-Inhalte

Erst fünf Jahre alt

Snap aus Los Angeles ist erst fünf Jahre alt, und es gibt Zweifel am Geschäftsmodell. Das war beim Facebook-Börsengang ähnlich. Mittlerweile sind die Bedenken aber weg. Quartal für Quartal verdient das weltgrösste Internet-Netzwerk jetzt Milliarden.

Snapchat wird vor allem von Menschen unter 30 Jahren genutzt, die es schätzen, dass ihre Nachrichten schnell wieder gelöscht werden. Ende 2016 kam der Dienst auf 158 Millionen aktive Nutzer, 48 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Nettoverlust summierte sich auf knapp 515 Millionen Dollar nach 373 Millionen im Jahr 2015. Das Unternehmen nimmt vor allem mit Werbung Geld ein und konkurriert insofern direkt mit Google und Facebook.

Günstiger Zeitpunkt

Der Zeitpunkt für den Börsengang ist günstig. Die wichtigsten Aktienindizes in New York kletterten zuletzt fast täglich auf Rekordstände. Die Börse wird von der Hoffnung angeschoben, dass der neue US-Präsident Donald Trump für mehr Wachstum, Investitionen und Jobs sorgt. Jetzt wird mit weiteren Börsengängen gerechnet, nicht nur aus der Techbranche. «Das Umfeld ist fantastisch. Man spürt die Lebensgeister hier. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als derzeit», sagte Stephen Massocca vom Finanzdienstleister Wedbush Securities. Ausserdem herrschte bei Börsengängen im Technologie-Sektor im vergangen Jahr Zurückhaltung.

Analysten wie Neil Wilson vom Wertpapierhändler ETX Capital sprachen allerdings von einer «grotesken Bewertung». Denn diese entspreche bereits zum Ausgabekurs etwa dem 60-Fachen des Snap-Umsatzes. Das ist mehr als doppelt so viel wie vor fünf Jahren bei Facebook. Dies galt damals schon als extrem. Das Snap-Management argumentiert mit der vielen Zeit, die Mitglieder die App nutzen. Ausserdem gebe es ein grosses Umsatzpotenzial, weil die Jugend verstärkt Videos in der Kommunikation untereinander nutze.

Werbung

(reuters/ccr)
Welche Milliardäre mit 25 Jahren schon erfolgreich waren, sehen Sie in der Bildergalerie:
Das haben Milliardäre wie Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und Warren Buffett mit 25 Jahren gemacht: Donald Trump arbeitete als Projektentwickler im Immobilienkonzern seines Vaters und übernahm mit 25 Jahren die Leitung des Unternehmens.
Tesla-Chef Elon Musk führte mit 25 Jahren seine erste Internetfirma.
Als er 25 Jahre alt war, baute sich Eric Schmidt gerade sein umfangreiches IT-Wissen auf. Nach seinem Masterabschluss blieb der Ex-Google-CEO und heutige Vorstandsvorsitzende von Alphabet an der Berkeley Universität um zu promovieren.
Amazon-Chef Jeff Bezos hatte mit 25 Jahren einen Job in der Bankenbranche.
Der Oracle-Gründer Larry Ellison hielt sich mit Gelegenheitsjobs als Programmierer über Wasser.
Marissa Mayer war Angestellte bei Google. Heute ist sie Chefin von Yahoo.
Der Self-Made-Milliardär Mark Cuban war mit 25 noch Barkeeper in Dallas.
Als Mark Zuckerberg 25 Jahre alt war, schrieb Facebook erstmals schwarze Zahlen.
Mit 25 Jahren stand Virgin-Gründer Richard Branson bereits an der Spitze eines breit gefächerten Unternehmens.
Im Alter von 25 Jahren machte Sheryl Sandberg ihren Master-Abschluss an der Harvard Business School. Später wurde sie Geschäftsführerin von Facebook.
Apple-Gründer Steve Jobs brachte seine Firma mit 25 Jahren an die Börse und wurde so zum Millionär.
Investmentguru Waren Buffett lebte mit 25 Jahren in Omaha und arbeitet dort bereits als Investmentbanker.Bilder: Keystone
1 / 12
Das haben Milliardäre wie Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und Warren Buffett mit 25 Jahren gemacht: Donald Trump arbeitete als Projektentwickler im Immobilienkonzern seines Vaters und übernahm mit 25 Jahren die Leitung des Unternehmens. RMS

Werbung