Der deutsche Pater und Buchautor Hermann-Josef Zoche über den Vertrauensverlust in der Wirtschaft – wie es dazu kam und wie er wieder gutgemacht werden kann.
Manager hatten in den letzten Jahren des Wachstums mindestens Halbgottstatus. Nun sind sie die Buhmänner. Was ist geschehen?
Pater Hermann-Josef Zoche:
Sie haben Vertrauen verspielt. Vertrauen ist immer etwas Beidseitiges, es beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn eine Seite die andere für dumm verkauft, hinters Licht führt oder ausnutzt, ist das Vertrauen schnell dahin. Das ist in grösseren Strukturen wie der Wirtschaft prinzipiell genau dasselbe wie in normalen menschlichen Beziehungen.
Manager-BILANZ:
Sie schrieben «Die zehn Gebote für Manager». Wogegen ist verstossen worden?
Hermann-Josef Zoche:
Etwa gegen das Gebot «Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Hab und Gut». Durch dieses Gebot wird ein sehr gefährliches Streben, das in jedem Menschen steckt, kanalisiert: das Begehren. Eine Ursache für die Vertrauenskrise gegenüber der Wirtschaft ist mit Sicherheit die, dass einige Manager ihrem eigenen Begehren keinen Einhalt geboten haben. Das Gebot, das vor diesem Fehlverhalten warnt, ist dreieinhalbtausend Jahre alt.
Manager-BILANZ:
Wie findet die Wirtschaft wieder aus der Vertrauenskrise heraus?
Hermann-Josef Zoche:
Aus der Krise heraus kommt man nur, wenn – wie in normalen menschlichen Beziehungen auch – Schuld eingestanden und der Schaden wieder gutzumachen versucht wird. Um das verloren gegangene Vertrauen muss nun erst einmal geworben werden. Sonst wird das nichts.
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Manager-BILANZ:
Was wollen Manager von Ihnen, wenn Sie bei Ihnen ein Seminar buchen?
Hermann-Josef Zoche:
In erster Linie Glaubwürdigkeit. Vielleicht auch ein bisschen «Erlösung». Viele wollen einfach auch über den eigenen Tellerrand hinaussehen oder sich mal wieder mit Wesentlichem und Grundsätzlichem befassen.
Manager-BILANZ:
Wie lautet der Kern Ihrer Botschaft?
Hermann-Josef Zoche:
Die Hauptsache ist, die Hauptsache bleibt die Hauptsache! In der Reduktion auf das Wesentliche liegen die Kraftressourcen für das Gute. Dieses «Wesentliche» muss es geben, sonst wird das Leben und das Arbeiten sinnleer.