Das ordentliche Pensionierungsalter von 65 Jahren ist für die meisten Führungskräfte der Wirtschaft zu hoch angesetzt. Das meint jedenfalls Fred Notter, der seinen Chefsessel bei der Balair mit 58 räumte, sich frühzeitig pensionieren liess und seit nunmehr acht Jahren als Outplacement-Berater tätig ist. Jetzt, mit 66 Jahren, gibt er auch diese Tätigkeit auf, indem er seine PanExel in Basel an seinen Partner Eric Geiser weiterreicht. Was aber nicht heisst, dass Fred Notter nun in den Ruhestand geht. Künftig will er Führungskräften der Wirtschaft als Gesprächs- und Sparringpartner zur Verfügung stehen (Executive-Coaching), und er will Führungskräfte auf ihrem oft schmerzvollen Weg aus dem Berufsleben hinaus begleiten.
«Alle Führungskräfte gegen 60 Jahre sollten sich überlegen, in einen langsameren Zug umzusteigen», sagt Fred Notter. Das täte ihnen in jeder Beziehung gut. Zum einen würden sie im Unternehmen den Platz frei machen für jüngere Kräfte, die den immer schneller ablaufenden Veränderungen in der Wirtschaft besser gewachsen sind. Zum anderen würden sie sich selber damit die Chance verschaffen, noch einmal etwas Neues anzufangen, ohne dabei auf materiellen Erfolg angewiesen zu sein. Und zum Dritten würden sie ihrer Gesundheit einen Dienst erweisen.
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Der Abschied vom aktiven Berufsleben fällt Führungskräften in aller Regel nicht leicht, auch wenn sie nur selten grössere finanzielle Einbussen hinnehmen müssen. Mit der Führungsfunktion geht auch deren Prestige verloren; Privilegien, die man für selbstverständlich hielt, kann man plötzlich nicht mehr in Anspruch nehmen. In den Augen seiner Umwelt wird man ein anderer. «Plötzlich sagen alle anders grüezi – oder gar nicht mehr», erinnert sich Fred Notter. Und schlimmer noch: Führungskräfte, die in ihrem Job voll engagiert waren, hatten niemals Zeit, andere Interessen und Neigungen zu pflegen. Sie stehen mit dem Verlust des Jobs vor einer grossen Leere, denn nur im Garten zu sitzen oder Golf zu spielen, ist denn doch keine Lebensaufgabe.
Da drängen sich Zwischenlösungen geradezu auf. Niemand sollte an einem bestimmten Stichtag von 150 auf null gebremst werden – das wäre gefährlich. Mit 60 aus dem Intercity auszusteigen, im Interregio weiterzufahren und später vielleicht noch in den Bummelzug zu wechseln, das wäre die zuträglichere Lösung.
Und es wäre eine Lösung, die der Allgemeinheit viel bringen könnte. Denn die Führungskräfte, die mit 60 aufhören, werden materiell meistens anständig versorgt; und sie geben ihren lebenslangen Erfahrungsschatz nicht beim Personalbüro ab. Wenn man diese Talente in gemeinnützigen Institutionen, in der Ausbildung, im Coaching von Nachwuchskräften, in der Begleitung von Jungunternehmern, in kirchlichen, kulturellen oder sozialen Institutionen fruchtbar machen könnte, wäre damit allen gedient. Die frühpensionierten Manager hätten eine neue Lebensaufgabe, und die Institutionen kämen günstig zu wertvollem Know-how.
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Der Schritt in die freiwillige Frühpensionierung ist ein Wagnis, aber auch eine grosse Chance. Die 150-Prozent-Führungskräfte hatten nie die Zeit, sich darauf vorzubereiten. Und in diese Lücke will nun Fred Notter springen, indem er sich umsteigewilligen Menschen als Berater, Begleiter und Coach zur Verfügung stellt. Nicht gratis natürlich – denn schliesslich muss er die Fahrkarte in seinem eigenen, seit dem 58. Lebensjahr verlangsamten Zug ja auch bezahlen.