Abo
Obligationen

Iran-Krieg schürt Inflationssorgen: Bonds als unsicherer Hafen

Der Iran-Krieg schürt an den Finanzmärkten erneut Inflationssorgen und belastet damit die Aussichten für globale Anleihen.

file7sc9149specejp6x20c
Obligationen gelten traditionell als sicher. Sind sie das wirklich? ghidelli.net

Werbung

Der Iran-Krieg schürt an den Finanzmärkten erneut Inflationssorgen und belastet damit die Aussichten für globale Anleihen, die gerade ihren besten Jahresstart seit Beginn der Pandemie hingelegt hatten.
Händler von Sydney bis Tokio haben seit Montag Staatsanleihen abgestossen, da sie sich auf mögliche Folgen eines anhaltenden Konflikts im Nahen Osten vorbereiten, der die Ölpreise in die Höhe treiben und die Inflation massiv anheizen könnte. Diese Befürchtungen schmälern die klassische Funktion von Anleihen als sicherer Hafen. Staatsanleihen aus den USA, Japan, Australien, Neuseeland, Südkorea und Indonesien verzeichneten in dieser Woche Verluste.
Anzeichen für eine kurzfristige Entspannung sind kaum erkennbar. Australiens Notenbankchefin Michele Bullock warnte, Inflationsängste könnten noch in diesem Monat zu einer Zinserhöhung führen. Und obwohl eine Auktion zehnjähriger japanischer Staatsanleihen am Dienstag auf solide Nachfrage stiess, blieben die Renditen am Sekundärmarkt erhöht - ein Zeichen für anhaltende Nervosität.
«Entgegen der landläufigen Meinung führt ein Schock aus dem Nahen Osten, der die Energieversorgung gefährdet, in der Regel zu einem Anstieg der globalen Anleiherenditen und nicht zu einem Rückgang», sagte Gareth Berry, Stratege bei der Macquarie Bank. «Das gilt insbesondere in einer Zeit wie dieser, in der eine geldpolitische Lockerung bereits im Voraus eingepreist wurde, deren Realisierung nun plötzlich weniger wahrscheinlich erscheint.»

Partner-Inhalte

Die Unsicherheit über Dauer und Ausbreitung des Iran-Kriegs rückt Inflationssorgen wieder in den Mittelpunkt. Das konterkariert die übliche Schutzfunktion von Staatsanleihen in Konfliktzeiten und erhöht das Risiko eines länger anhaltenden Ausverkaufs.
Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen stieg am Dienstag um 6,5 Basispunkte, australische Renditen zogen um bis zu 14 Basispunkte an. In den USA legte die Rendite zehnjähriger Titel um zwei Basispunkte zu, nachdem sie am Montag bereits um 10 Basispunkte gestiegen war. Ein Bloomberg-Index für globale Anleihen fiel am Montag um 0,8 Prozent - der stärkste Tagesverlust seit Mai.
Ein neuer «stagflationärer Wind» wehe durch die Weltwirtschaft angesichts der gestiegenen geopolitischen Risiken, schrieb Mohamed El-Erian, ehemaliger Chef von Pacific Investment Management Co. (Pimco), in einem Beitrag. «Der letztendliche Einfluss hängt von der Dauer und Ausbreitung des Konflikts ab – der US-Staatsanleihemarkt hat sich für Inflationsängste entschieden.»
Laut einem Bericht der Deutschen Bank können höhere Ölpreise die Renditen «erheblich» steigen lassen. Die Strategen analysierten dabei die grössten geopolitischen Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte, darunter den Einmarsch des Irak in Kuwait 1990, die Anschläge vom 11. September in den USA und den Einmarsch Russlands in die Ukraine.

Werbung

Ein Bericht von Manish Kabra von SocGen kam hingegen zu dem Ergebnis, dass fünf Ölschocks in den vergangenen 50 Jahren die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen im Durchschnitt über die folgenden einwöchigen, dreimonatigen und sechsmonatigen Zeiträume sinken liessen.
Gleichwohl gibt es Nischenmärkte, in denen sich Anleihekurse stabil zeigen. Dazu zählt China, wo die Renditen am Montag kaum verändert waren und Anleihefutures zulegten.
Die reichliche Geldmenge infolge der Liquiditätsspritze der Zentralbank trug zur Stabilisierung der Renditen bei. Zudem beflügelten Erwartungen möglicher geldpolitischer Lockerungen rund um den Nationalen Volkskongress das Vertrauen in den zweitgrössten Anleihemarkt der Welt.
Ob diese Stabilität anhält, ist jedoch offen. Ölpreise und Energieaussichten bleiben die entscheidenden Variablen für makroökonomisch orientierte Investoren. Vor dem Hintergrund der rasch wechselnden Schlagzeilen zum Nahostkonflikt bleibt die Stimmung fragil.
«Die Iran-Krise unterstreicht einen strukturellen Wandel, auf den wir bereits hingewiesen haben: Geopolitik wird wieder zu einem wiederkehrenden makroökonomischen Treiber», schrieb Monica Defend, Leiterin des Amundi Investment Institute, in einer Mitteilung. «Energievolatilität, Inflationsunsicherheit und regionale Divergenzen kehren als prägende Marktmerkmale zurück.»

Werbung

(bloomberg/cash)

Werbung