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Studie

Glücksindex: Das Glück wohnt in Luzern

Die Luzerner sind laut dem neuen Glücksindex der Zurich die glücklichsten Menschen der Schweiz. Doch der Grund ist nicht ihre überschäumende Lebensfreude. Ihr Erfolgsrezept ist ein anderes.

Gabriel Knupfer

Für den Glücksindex 2015 hat die Zurich Suchanfragen von Google untersucht. Zusätzlich wurden auch offizielle Statistiken zur Kriminalität, Arbeitslosigkeit und Lebenserwartung berücksichtigt.
Gewonnen wurde das Ranking von Luzern. Die Luzerner fallen zwar nicht etwa durch überschäumende Lebensfreude auf. Dafür haben sie auch nur wenig Sorgen und Ängste.
Platz zwei in der Rangliste belegt Vorjahressieger Zürich. Der einwohnerstärkste Kanton der Schweiz hat nirgends wirklich schlecht abgeschnitten. Und die Zürcher machen sich von allen Schweizern am wenigsten Sorgen, dass sie verarmen könnten.
Den dritten Rang belegt der Kanton St. Gallen. Die Bewohner sorgen sich schweizweit am wenigsten wegen Kriminalität und Arbeitslosigkeit. Dafür sind sie laut Zurich-Studie aber auch die ungeselligsten Schweizer. Sie gehen am wenigsten aus oder unternehmen etwas mit Freunden. Dazu haben die St. Galler am meisten Angst vor Naturkatastrophen.
Ein Kanton der Extreme ist Schaffhausen. Einerseits belegen die Nordostschweizer den ersten Platz punkto Geselligkeit und Ausgang. Dazu sind die Schaffhauser auch die konsumfreudigsten Schweizer und interessieren sich am meisten für Luxusmarken. Am grössten ist hier dafür die Angst vor Armut.
Auch Genf belegt sowohl im Guten wie im Schlechten Spitzenplätze. Die Genfer haben die höchste Lebenserwartung und sorgen sich auch am wenigsten vor Krankheiten. Dafür macht den Genfern die Kriminalität am meisten zu schaffen – auch wenn Basel und Neuenburg tatsächlich mehr Straftaten an Leib und Leben zu verzeichnen haben. Trotz zwei Kategoriesiegen resultiert unter dem Strich der zweitletzte Platz.
Der Kanton Wallis ist in vielen Bereichen im Mittelfeld. Doch der Tourismus-Kanton zeigt die höchste Affinität zu Outdoor-Aktivitäten und Wellness.
Die relativ hohe Bedeutung der Universität im Tessin kommt in der Teilrangliste Ausbildung und Weiterbildung klar zum Ausdruck. Sieg vor dem Kanton Freiburg.
Auch der Hauptstadtkanton Bern liegt im Mittelfeld. Dafür haben die Berner am wenigsten Angst vor einem Börsencrash. Dies würde hier auch nur die wenigsten direkt betreffen.
Am wenigsten Straftaten an Leib und Leben gibt es im ländlichen Nidwalden.
Nachbarkanton Obwalden hat dafür die niedrigste Arbeitslosigkeit.
Am unglücklichsten sollen trotz Fasnacht die Basler sein. Hier ereignen sich die meisten schweren Straftaten. In Basel-Stadt ist die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines schweren Verbrechens zu werden, vier Mal so hoch wie im benachbarten Halbkanton Basel-Land. Dazu ist auch die Arbeitslosigkeit relativ hoch und die Lebenserwartung relativ tief. Keystone
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Glaubt man der Studie der Zurich sind die Luzerner derzeit die glücklichsten Menschen der Schweiz. Interessant ist das vermeintliche Erfolgsrezept der Innerschweizer. Die Luzerner fallen nicht etwa durch überschäumende Lebensfreude auf. Eher im Gegenteil: Ausgehen und Feiern, Shopping oder Reisen bereiten ihnen nur mässiges Vergnügen.

Umgekehrt aber leiden sie auch nicht ausgeprägt unter Ängsten. Weder Naturkatastrophen noch die Konjunktur, der Arbeitsplatz oder die Gesundheit machen ihnen Kopfzerbrechen. Gewonnen habe somit die Ausgewogenheit zwischen Glück und Unglück, schreibt die Zurich. Luzern verkörpere im besten Sinne den gutschweizerischen Kompromiss.

Bernern sind die Börsen egal

Für den Glücksindex hat die Versicherung Suchanfragen von Google untersucht. Zusätzlich wurden dieses Mal auch offizielle Statistiken von Bund und Kantonen zur Kriminalität, Arbeitslosigkeit und Lebenserwartung berücksichtigt.

Einige Ergebnisse überraschen, andere konnten so erwartet werden, so etwa dass die Angst vor einem Börsencrash in Zug und Schwyz am grössten sind. Den Bernern sind die Kursbewegungen an den Aktienmärkten dagegen herzlich egal.

Ängstliche Schwyzer

Überhaupt haben die Schwyzer mehr Probleme, als man vermuten könnte. So haben die gut situierten Innerschweizer am meisten Angst vor Krankheiten. Bemerkenswert ist auch die grosse Sorge der Schwyzer, in die Armut abzurutschen. Nur die Schaffhauser haben noch mehr Angst vor dem sozialen Absturz.

Völlig sorglos in dieser Hinsicht sind dagegen die Zürcher, ein Ergebnis, das im Bankenzentrum der Schweiz auch nicht unbedingt auf der Hand liegt. Die Finanzkrise scheint in Zürich zumindest in den Köpfen keine grossen Spuren hinterlassen zu haben.

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Neuenburger Konsumfreude

Am konsumfreudigsten sind natürlich eher die Bewohner der reichen Kantone. Schaffhausen führt vor Schwyz und Zug. Dass gleich danach die Neuenburger folgen, ist indes eher überraschend. Mit 5,3 Prozent Arbeitslosigkeit (Rang 2 hinter Genf) geht es längst nicht allen Menschen im Westschweizer Kanton gut.

Aber vielleicht wollen die Neuenburger ja einfach die Zeit geniessen, die ihnen noch bleibt. Die Bewohner haben nämlich die zweitniedrigste Lebenserwartung der Schweiz (vor Appenzell-Ausserrhoden).

Unglückliche Basler

Ob man den Glücksindex wirklich ernst nehmen muss, ist jedem selbst überlassen. Dass die Studie in Luzern, Zürich (Rang 2) und St. Gallen (Rang 3) allerdings besser ankommen dürfte, als in Basel-Stadt ist aber klar. Im Halbkanton sollen nämlich die unglücklichsten Menschen der Schweiz leben.

Ausschlaggebend für diesen Befund dürfte die schweizweit höchste Quote an Straftaten gegen Leib und Leben und die durchzogenen Resultate in sozialen Fragen sein. Aber keine Angst, der Weg zur nächsten Apotheke ist dafür umso kürzer.

Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS für Blick und die Handelszeitung, für die er seit zehn Jahren arbeitet.

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