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Prognose

Experten: Der SMI wird Ende Jahr bei 8453 Punkten stehen

Eine Gruppe von Finanzexperten schaffte in den letzten Jahren das Unmögliche: treffsichere Prognosen für die Schweizer Börse. ­Dieses Jahr ist kaum Luft nach oben.

Harry Büsser

Das sind die Gewinner und Verlierer im Börsenjahr 2016:Die Credit Suisse ist dieses Jahr das Schlusslicht im Swiss Market Index. Die zweitgrösste Schweizer Bank hat an der Börse fast dreissig Prozent an Wert verloren. Noch zweifeln Anleger, dass CEO Tidjane Thiam die Bank zurück zum Erfolg führen kann.
Auch der Kurs der UBS hat stark nachgegeben. Der Titel des weltgrössten Vermögensverwalters konnte sich aber besser halten als jener der Credit Suisse – Anleger honorierten die stabile Geschäftssituation bei der UBS.
Mit den Pharmakonzernen Roche (im Bild: Konzernchef Severin Schwan)....
... und Novartis sind zwei Schwergewichte des SMI am Tabellenende rangiert. Ihre Titel kamen insbesondere wegen der US-Präsidentschaftswahlen unter Druck.
Auch der Titel von Swatch hat 2016 deutlich an Wert verloren. Das starke Wachstum in Asien ist für den Konzern von CEO Nick Hayek vorerst vorbei – die Schweizer Uhrenhersteller müssen sich auf härtere Zeiten einstellen.
Zu den Gewinnern des Börsenjahrs gehört die Zurich. Der neue Konzernchef Mario Greco überzeugte mit seinem Sparprogramm offenbar die Anleger. Hinzu kommt, dass der Versicherer weiterhin eine hohe Dividende ausschütten will.
Der Warenprüfkonzern SGS gefiel 2016 den Investoren...
... wie auch Geberit. Der Sanitätstechnikkonzern ist auf Wachstumskurs.
ABB hat an der Börse einen Fünftel hinzugewonnen. Die Aktie profitierte vom Interesse an Titeln aus dem Industriesektor. Zudem trieben Diskussionen über eine Abspaltung der ABB-Stromnetzsparte den Kurs nach oben (im Bild: Konzernchef Ulrich Spiesshofer).
Gewinner des Börsenjahres ist Actelion: Seit zuerst J&J und nun Sanofi sich für eine Übernahme des Baselbieter Biotechkonzerns interessieren, ist der Kurs um über 50 Prozent in die Höhe geschossen. Offen bleibt, ob die Kursgewinne wieder zerfallen, sollte Actelion nicht gekauft werden. Bilder: Keystone
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Das sind die Gewinner und Verlierer im Börsenjahr 2016:Die Credit Suisse ist dieses Jahr das Schlusslicht im Swiss Market Index. Die zweitgrösste Schweizer Bank hat an der Börse fast dreissig Prozent an Wert verloren. Noch zweifeln Anleger, dass CEO Tidjane Thiam die Bank zurück zum Erfolg führen kann. RMS

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Die Aktienkurse werden dieses Jahr ungefähr dort verharren, wo sie derzeit schon sind. Darauf lässt das gebündelte Wissen einer Gruppe von Finanzexperten schliessen, die in den vergangenen Jahren die Aktienkurse überraschend genau prognostizierten.
Der Schweizer Aktienleitindex SMI wird Ende dieses Jahres wahrscheinlich nahe bei 8453 Punkten stehen. Das lässt sich aus den Schätzungen der 124 Finanzprofis ableiten, die Anfang Februar am CFA Forecast Dinner teilgenommen haben. Die eine Hälfte der Teilnehmer schätzte den SMI per Ende Jahr höher ein, die andere Häfte tiefer – mathematisch entspricht das dem Median.

Relativ treffsicher

In den letzten Jahren waren die Teilnehmer jeweils relativ treffsicher. Beim Forecast Dinner 2016 sahen die Finanzprofis richtig voraus, dass der SMI fallen würde: Sie prognostizierten, dass der SMI das Jahr bei 8300 Punkten beenden würde, tatsächlich waren es 8220 Punkte – eine Abweichung von nur einem Prozent.
Im vorletzten Jahr lag die Schätzung der Experten für den SMI bei 9001 Punkten, tatsächlich beschloss er das Jahr auf 8834 Punkten. «Die vergangene Treffsicherheit bedeutet natürlich nicht, dass es dieses Jahr wieder klappt», bemerkt Christian Dreyer, Organisator des Anlasses und Geschäftsführer der CFA Society Switzerland, einer Standesorganisation von 3000 Schweizer Finanzprofis.

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Im Durchschnitt über ein Jahrzehnt Erfahrung

Die Teilnehmer des CFA Forecast Dinners besitzen im Durchschnitt über ein Jahrzehnt Erfahrung in der Finanzindustrie und haben zudem die dreijährige 
Finanzausbildung zum CFA Charterholder bewältigt, deren drei Prüfungen nur jeder fünfte Teilnehmer schafft. «An diesem Abend können die Teilnehmer unabhängig ihre Meinung vertreten und müssen nicht auf ihre Arbeitgeber Rücksicht nehmen», sagt Dreyer und meint damit, dass sie nicht eine Bankmeinung wiedergeben müssen.
Die Experten sehen den Goldpreis im Median ganz leicht auf 1270 Dollar pro Unze steigen.
Die Hypothekarschuldner müssen sich gemäss den Experten dieses Jahr keine grossen Sorgen machen. Die Zinsen sollen nämlich nur leicht ansteigen. Im Median wird der Zinssatz von US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren für das Ende des Jahres 2017 auf 2,77 Prozent prognostiziert.
Sehen Sie in der Bildergalerie unten, welche Ausbildungen die Chefs der SMI-Konzerne genossen haben:
Lehre, Master, Diplom oder Doktortitel - was die SMI-Konzern-Chefs gelernt haben:
Sergio Ermotti, UBS: Nach einer Bankenlehre in Lugano hat er das Advanced Management Programme in Oxford absolviert.
Severin Schwan
Tidjane Thiam (links), Credit Suisse: An der Ecole Nationale Supérieure des Mines in Paris hat er 1986 Fortgeschrittene Mathematik und Physik studiert. Weiter hat er einen MBA an der INSEAD in Fontainebleau abgeschlossen.
Ulf Markus Schneider
Ulrich Spiesshofer, ABB: Der CEO des Technologieunternehmens ABB hat 1989 ein Ökonomie-Studium in Stuttgart absolviert.
Urs Schaeppi, Swisscom: Auch der Swisscom-Leiter hat an der Hochschule St. Gallen Ökonomie studiert. Später dann Ingenieurwissenschaften an der ETH in Zürich.
Alain Dehaze, Adecco: In Brüssel hat der heute 53-Jährige Wirtschaftsingenieurwesen abgeschlossen.
Boris Collardi, Julius Bär: An der IMD in Lausanne hat Collardi das Executive Programme absolviert.
Christian Buhl, Geberit: An der ETH Zürich hat Buhl Physik studiert und anschliessend an der Universität St. Gallen auf dem Gebiet der Finanzmarktforschung zum Dr. oec. HSG promoviert.
Christian Mumenthaler, Swiss Re: Der CEO der Versicherung Swiss Re hat den Doktorstudiengang Physik an der ETH absolviert.
Eric Olsen, Lafarge Holcim: Nach seinem Finanz- und Rechnungswesen-Studium in Colorado hat Olsen seinen MBA in Paris absolviert.
Frankie Ng, SGS: Der Leiter des weltweit grössten Prüfkonzerns hat Ingenieurwesen in Genf sowie Ökonomie in Essex studiert.
Gilles Andrier, Givaudan: Der gebürtige Franzose hat an der Ingenieurschule in Toulouse studiert.
Jean-Paul Clozel, Actelion: Der 62-jährige CEO des Schweizer Pharmaunternehmens Actelion hat in Nancy Medizin studiert.
Joe Jimenez
Mario Greco, Zurich Insurance: Der Ökonomie-Absolvent hat sein Studium in Rom und in Rochester abgelegt.
Nick Hayek, Swatch: Bei seinem Ökonomie-Studium an der HSG ist es nicht geblieben: Auch an der Filmakademie in Paris war Hayek erfolgreich.
Patrick Frost, Swiss Life: Der Geschäftsführer studierte an der ETH in Zürich sowie an den Universitäten Köln, Basel und Zürich. Der CFA-Charterholder verfügt über Abschlüsse in Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften. Bilder: Keystone
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Lehre, Master, Diplom oder Doktortitel - was die SMI-Konzern-Chefs gelernt haben: RMS

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