Grosse Euphorie herrschte, als am 1. Januar 1999 der Euro als europäische Einheitswährung eingeführt wurde. Vor allem bei den festverzinslichen Anlagen sahen die Auguren eine valable Alternative zu den tiefen Zinsen in der Schweiz. Betrachtet man die im Analysebereich meist für Vergleiche herangezogenen Swapsätze per 1. Januar 1999, so brachte eine Anlage auf zehn Jahre in Euro gegenüber dem Schweizerfranken immerhin einen Zinsvorteil von rund einem Prozentpunkt pro Jahr. Das Renditeniveau ist aber nur die eine Seite der Medaille. Sobald eine Anlage in einer Fremdwährung erfolgt, darf das Währungsrisiko auf keinen Fall vernachlässigt werden. Es nützt nichts, wenn der ganze Renditevorteil durch eine sinkende Währung wieder aufgefressen wird.
Nun rechneten die Spezialisten bei ihren Prognosen allerdings mit einem recht stabilen Euro gegenüber dem Schweizerfranken. Hauptargument dafür waren die Exporte der Schweiz ins Euro-Land. Sie machen immerhin über 60 Prozent des gesamten Schweizer Exportvolumens aus. Man war überzeugt, dass sich die Schweiz, um gegen- über Europa konkurrenzfähig zu bleiben, keinen zu starken Franken leisten könne. Ein Jahr lang ging die Rechnung voll auf. Der Euro pendelte um seinen «Ausgabekurs» von 1.61 Franken herum. Dann begann der Niedergang auf einen Tiefststand von rund 1.50 Franken gegen Ende 2000. Zwar hat sich der Euro seither wieder ein wenig erholt, vom ursprünglichen Kurs sind wir jedoch noch weit entfernt.
Erschwerend für Euro-Anleger kam noch hinzu, dass sich das europäische Zinsniveau seit Anfang 1999 wesentlich stärker nach oben bewegte als das schweizerische. Während sich der Anstieg der zehnjährigen Zinsen auf Schweizerfranken mit rund einem halben Prozentpunkt in Grenzen hielt, mussten die Anleger im Euro einen Zinsanstieg von fast 1,2 Prozentpunkten verkraften. Bekanntlich wirkt sich ein Zinsanstieg negativ auf die Kurse der bereits laufenden Obligationen aus. Die Kombination von sinkendem Euro und steigenden Zinsen führte denn auch dazu, dass aus dem Schweizerfranken kommende Anleger mit festverzinslichen Euro-Anlagen seit der Einführung des Euro sogar Geld verloren. So erreichte der Durchschnitt der auf Obligationen in Euro spezialisierten Fonds ein negatives Resultat von minus 2,5 Prozent im Gegensatz zum Durchschnitt der in Schweizerfranken-Obligationen investierenden Fonds. Sie erzielten in derselben Zeitperiode immerhin eine absolute Rendite von plus 2,5 Prozent.
Wichtig für den Anlageentscheid sind aber die Zukunftserwartungen und nicht die Vergangenheitszahlen. Nimmt man die Prognosen der Finanzinstitute zur Entwicklung des Euro, so sind die Aussagen wesentlich vorsichtiger als noch vor zwei Jahren. Der Tenor ist jedoch positiv sowohl für den Euro als auch für die Entwicklung der Zinsen. Denn es wird erwartet, dass sich die Europäische Zent- ralbank auf Grund des sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums dem Druck nach weiteren Zinssenkungen kaum entziehen kann. Zumal der jüngste Zinsschritt eher halbherzig war. Somit sollte der Schweizer Anleger sowohl vom Wiedererstarken des Euro als auch von Kursgewinnen profitieren können.