Erfolgsautor Joël Dicker über Kunst und den Röstigraben
Er ist jung, gefragt und einer der 100 Reichsten unter 40: Der Bestsellerautor Joël Dicker erklärt, warum er in der Deutschschweiz kaum bekannt ist und ihm das Spiel «Candy Crush» Sorge bereitet.
Florence Vuichard
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Das sind die Reichsten unter 40 aus dem Bereich Kultur:Joël DickerVermögen: 10 - 20 Millionen FrankenMit «Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert» gelang dem Genfer Schriftsteller Joël Dicker ein Überraschungserfolg: Der Thriller wurde in 33 Sprachen übersetzt, in rund 40 Ländern verkauft und ging gut drei Millionen Mal über den Ladentisch. Damit ist Dicker der derzeit erfolgreichste Schweizer Schriftsteller. Sophie StiegerRMSMichelle Trussardi-HunzikerVermögen: 200 - 250 Millionen FrankenSeit der Heirat mit Tomaso Trussardi ist es um die Bernerin ruhiger geworden. Das Familienvermögen stammt vor allem von ihrem Gatten, der ein Viertel am Modekonzern Trussardi hält. Doch La Hunziker hat dazu einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag beigesteuert, den sie als viel beschäftigte Entertainerin in italienischen und deutschen Fernsehshows verdient hat. KeystoneRMSDario SuterVermögen: 10 - 20 Millionen Franken2007 gründete Suter mit seinen Partnern DCM. Das Unternehmen zählt 40 Mitarbeiter und hat zwei Standbeine: Film und Start-ups. Mit ihrer neusten Produktion der Bibi & Tina-Reihe haben sie im deutschsprachigen Raum rund zwei Millionen Besucher in die Kinos gelockt. Im zweiten Geschäftsfeld waren sie als strategischer Leadinvestor federführend beim Verkauf des Start-ups Flimmer. Marcel SchwickerathRMSFrancine JordiVermögen: 2 - 5 Millionen FrankenAls Sängerin ist Jordi ein bekanntes TV-Gesicht und ein gefragter Star für Auftritte an Firmenanlässen, Schwingfesten oder Schlagerabenden. Werbeverträge hat Jordi mit so unterschiedlichen Firmen wie Sennheiser, Peugeot Schweiz, dem Dämmstoffhersteller Thermotec und der Kosmetikfirma Gerda Spillmann. Das Schweizer Fernsehen plant bereits eine neue Sendung mit Jordi. Sie bleibt eine Quotengarantin. KeystoneRMSLoïc GouzerVermögen: 2 - 5 Millionen FrankenDer 35-jährige Senkrechtstarter der Branche wurde Ende letzten Jahres zum Vice President der Abteilung Zeitgenössische Kunst beim Kunsthaus Christie's befördert. Loïc Gouzer ist Miteigentümer mehrerer Wohnungen in Genf und mit Leonardo DiCaprio befreundet. 2013 organisierte der Genfer eine Auktion, um Gelder für die Stiftung des US-Schauspielers zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten zu sammeln. Getty ImagesRMSCatherine AckermannVermögen: 5 - 10 Millionen FrankenDie Tochter von Banker Josef Ackermann hat sich als Filmproduzentin etabliert: Sie ist Co-Produzentin eines der grössten Filmprojekte in Finnland: die Verfilmung des berühmtesten finnischen Kriegsromans, «The Unknown Soldier». Der Film hat ein Budget von rund zehn Millionen Franken und wird mit Fördergeldern und der Unterstützung von Investoren aus Wirtschaft und Kultur finanziert. Tina SturzeneggerRMS
Er ist derzeit der grösste Exportschlager der Schweizer Literatur. Und in seiner Heimatstadt Genf, aber auch im Rest der Romandie ist Joël Dicker ein Star, ein beliebter Talkgast und gefragter Werbebotschafter. Schliesslich hat sich sein Thriller «Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert» weltweit rund drei Millionen Mal verkauft. Dennoch erkennt ihn in der Deutschschweiz kaum jemand auf der Strasse, auch im Restaurant des Zürcher Altstadthotels Kindli nicht, wo er zur Lancierung seines neuen Buchs «Die Geschichte der Baltimores» einen Pressetermin nach dem anderen absolviert – und einen Espresso nach dem anderen trinkt.
BILANZ: Herr Dicker, Sie sind der beste Beweis dafür, dass der Röstigraben existiert. Obwohl Sie der erfolgreichste Schweizer Schriftsteller sind, erkennt Sie in der Deutschschweiz kaum jemand. Wieso? Joël Dicker: Ja, ich bin in Paris oder Madrid tatsächlich bekannter als in Zürich. In der Kultur gibt es einen Graben, der nur sehr schwierig zu überwinden ist. Ganz anders als etwa im Sport: Mit dem Basler Roger Federer, dem Waadtländer Stan Wawrinka und der Tessinerin Lara Gut sind die drei grossen Sprachregionen vertreten, welche die Schweiz ausmachen. Alle drei sind Botschafter des Schweizer Sports. Ich hingegen kann heute nicht die Rolle eines Botschafters der Schweizer Literatur übernehmen. Das ist schade. Ich bin nur ein Botschafter der Suisse romande. Aber das liegt auch an mir, ich spreche nicht sehr gut Deutsch. Die Deutschschweizer werden sich deshalb in mir nicht wiedererkennen.
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Dafür sind Sie Markenbotschafter: für die Fluggesellschaft Swiss und für die Automarke DS, eine Abspaltung aus der Citroën-Gruppe. Ein Schriftsteller, der für ein Konsumgut wirbt: Geht das? Ja, klar. Ich finde es wichtig, dass Schriftsteller aus ihrem Elfenbeinturm rauskommen. Sie müssen die Menschen ansprechen. Wenn Schriftsteller die Chance bekommen, auf das Spielfeld der Sportler zu treten, um den Jungen zu sagen, dass es nebst Fussball und Tennis auch die Kultur und die Literatur gibt, dann müssen sie diese ergreifen. Wenn die Kultur heute eine Mission hat, dann doch die, Menschen zusammenzubringen.
Und Sie glauben, dass Sie über die Werbung für ein Auto die Menschen zum Buch führen? Ja. Wir Schriftsteller haben hier eine wichtige Rolle zu spielen. Wir sorgen uns um unseren Körper, passen auf, was wir essen, treiben Sport, versuchen, uns für den Sommer, für den Strand fit zu machen. Wieso machen wir das nicht auch für unseren Kopf? Wenn es wichtig ist, aufzupassen, was wir essen, dann ist es doch auch wichtig, aufzupassen, was wir mit unserem Kopf machen. Und hier gibt es wirklich ungute Entwicklungen, die ich sogar als gefährlich erachte.
Woran denken Sie? Wenn ich zum Beispiel den Bus nehme und Leute sehe, die während der gesamten Fahrt auf ihrem Telefon «Candy Crush» spielen, dann macht mir das Sorgen. «Candy Crush» ist okay für fünf Minuten, aber sicherlich nicht für eine halbe Stunde. Wir müssen versuchen, die Menschen wieder für andere Sachen zu interessieren. Und hier habe ich als Schriftsteller mit einer gewissen medialen Sichtbarkeit eine Verantwortung.
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Bekommen Sie eigentlich viele Angebote für Werbeverträge? Ja. Sehr viele Angebote sogar, und ich lehne auch sehr viele ab. Ich muss mich mit einer Marke identifizieren können.
Das vollständige Interview mit dem Autor und Auflagen-Millionär Joël Dicker über Kunst und Kommerz, sowie alle Portraits der 100 Reichsten unter 40, lesen Sie in der aktuellen «Bilanz», seit Freitag am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.
Wer zu den Reichsten unter 40 im Bereich Kultur zählt, sehen Sie in der Bildergalerie oben.