«Drei Millionen Dollar», so schätzt SIS-Gründer und Geschäftsführer
Frank Ziemer, (Bild)
«hat die Allergan in den letzten Monaten in die Markteinführung unseres augenchirurgischen Geräts gesteckt.» Das ist mehr Geld, als Ziemer bisher an Eigenkapital für die SIS aufgebracht hat. Doch die Manager des US-Unternehmens Allergan, das mit Augenpflegeprodukten jährlich 1,4 Milliarden Dollar umsetzt, wissen, was sie tun. Schliesslich wächst die Zahl der Operationen, bei denen augenchirurgische Geräte eingesetzt werden, in atemberaubendem Tempo: Über eine Million US-Bürger liessen sich ihre Fehlsichtigkeit im Jahr 2000 mit der Lasik-Methode chirurgisch korrigieren. Die Nachfrage soll bis 2005 jährlich um 30 Prozent zunehmen. Bei der Lasik-Methode wird die Hornhaut mit einem Mikrokeratom eingeschnitten und danach mit einem Laser von innen her so geformt, dass sie die Lichtstrahlen wieder richtig fokussiert.
Gestartet hat Ziemer die Entwicklung seines neuen Geräts, das in den USA unter dem Namen Amadeus vermarktet wird, noch als Angestellter der Bieler Meyco. Der Firma, die ihr Geld mit konventionellen Diamantmessern für die Operation des Grauen Stars verdient, hätte die Innovation eine Chance geboten, in die boomende Mikrosystemtechnik einzusteigen. Denn Mikrokeratome vereinigen auf engstem Raum Software, Sensoren sowie miniaturisierte Antriebe. Doch Ziemers Bosse mochten seinen Visionen nicht folgen, weshalb sie ihn 1999 ziehen liessen. Nach einem Management-Buyout führte er seine Abteilung als eigene Firma weiter.
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Rund 15 Spezialisten aus Mikrosystemtechnik und Medizinalgerätebau bildeten Ziemers Kernteam. Heute beschäftigt er 35 Mitarbeiter, die sich mit der Weiterentwicklung und Endmontage von Amadeus befassen. Die Produktion der patentgeschützten Innovation hat ein weit verzweigtes Firmennetzwerk aus dem Berner Mittelland übernommen. Dank diesen Partnern kann Ziemer ein Gerät verkaufen, das den Konkurrenzprodukten bei nur unwesentlich höheren Kosten in puncto Bedienungskomfort und Sicherheit klar voraus ist.
Die Spitäler und Augenärzte in Übersee wissen das zu schätzen: Allein ihre bisherigen Bestellungen lasten die SIS bis Mitte Jahr aus. Aber auch die Produktionspartner von SIS können laut Ziemer nicht genug kriegen: «Sie wollen ihr neues Know-how auch für weitere Produkte fruchtbar machen.» Ziemer will den Rückenwind nutzen. Ein zweites augenchirurgisches Gerät ist in der Pipeline; bereits haben Investmentbanken, institutionelle Investoren und Beteiligungsgesellschaften ihr Interesse bekundet, die forsche Expansionsstrategie mitzutragen. Diskutiert wird nur noch, ob vor dem Gang an den SWX New Market eine weitere Finanzierungsrunde eingeschaltet werden soll. Der Entscheid soll dieser Tage fallen. Wenn ein sofortiges IPO ins Auge gefasst wird, kann es schnell gehen, denn seine Bücher führt Ziemer schon lange gemäss den International Accounting-Standards (IAS).