Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren auf Platinbasis produziert in der Schweiz nur die IST. Zu den Kunden zählen Weltfirmen wie Bosch, Philips und Siemens.
Die Innovative Sensor Technologie (IST) verbraucht im Jahr mehr Platin als manche gut gehende Bijouterie. Doch statt Ohrgehängen und Fingerringen baut sie damit hochwiderstandsfähige Wärmesensoren mit Messbandbreiten zwischen minus 200 und plus 800 Grad Celsius. «Mit zehn Kilogramm reinem Platin produzieren wir rund drei Millionen Sensoren», sagt Marco Koch, der Geschäftsführer der IST. Das entspricht einem Platinanteil von dreissig Mikrogramm pro Sensor.
Zu verdanken ist der minimale Verbrauch der Dünnschichttechnologie. Auf ein nur wenige Quadratmillimeter grosses Keramiksubstrat wird eine hauchdünne Schicht Platin aufgetragen, aus der anschliessend mittels Ionenstrahl ein feinmaschiges Netz von Leiterbahnen geätzt wird. Danach wird der Sensor mit einer Glasschicht überzogen und konfektioniert. Und da der elektrische Widerstand von Platin wärmeabhängig ist, gibt das angeschlossene Ohmmeter auch Aufschluss über Temperaturschwankungen.
«Wir verwenden dieselben Reinraumtechnologien wie die Halbleiterindustrie», sagt Marco Koch. Ein Zufall ist das nicht, denn die IST entstand vor zehn Jahren aus einem Unternehmen, das drei Jahre zuvor von der heutigen Balzers Leybold, einem weltweit tätigen Zulieferer der Halbleiterindustrie, einen Teil der Dünnschichtfertigung übernommen hatte. Mitbesitzer der Vorgängerfirma war Albert Koch, Marco Kochs Vater, und der hievte seinen damals 24-jährigen Filius 1991 auf den Chefsessel einer neu gegründeten Firma, die damals noch Integrated System Technology hiess. «Mein Vater musste schon etwas Druck ausüben», blickt Koch junior zurück. Doch er nahm die Herausforderung an. Nicht zuletzt, weil der Maschinenlieferant Balzers über einen tschechischen Kunden den Kontakt zu den beiden Ingenieuren Jiri Holoubek und Jiri Polak herstellte. Die beiden zogen ins Toggenburg und bilden seither das technologische Gewissen der IST.
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1991 legte die IST los. «Am Anfang standen die Montageautomaten noch neben meinem Schreibtisch», erinnert sich Marco Koch an den Start. Die Firma agierte als Lohnbeschichter und Hersteller von kundenspezifischen Nickelsensoren. Dank einem ersten Grosskunden, der damaligen Landis & Gyr, kam der Newcomer auf dem Sensormarkt jedoch schnell in die Gänge, nicht zuletzt weil die internationale Konkurrenz ihre Wurzeln in der technologisch konservativen Metallverarbeitung hatte. 1993 stieg die IST in die Standardproduktion der höherwertigen Platinsensoren ein, 1998 produzierte sie die ersten Feuchtigkeitssensoren, und seither steigt der Umsatz regelmässig um 25 Prozent pro Jahr. Heute betreiben die Wattwiler in Tschechien ein kleines Werk für Halbfabrikate und beschäftigen an beiden Standorten 59 Mitarbeiter sowie zwei Verkäufer in der amerikanischen Vertriebstochter.
Geliefert werden die IST-Sensoren, von denen die meisten zwischen einem und zehn Franken kosten, Endabnehmern und Zulieferbetrieben aus den Bereichen Heizung/ Kühlung/Lüftung, aus der Lebensmittel- und Automobilindustrie oder der Medizinaltechnik. Die Kundenstruktur gibt auch den Takt für die Zukunft vor: «Vor allem die Grossunternehmen versuchen, die Zahl ihrer Lieferanten zu minimieren, deshalb müssen wir unsere Produktpalette laufend ausbauen», kommentiert Marco Koch. Dieser Tage werden die IST-Kunden mit einem neuen Strömungssensor bemustert. Wachstum um jeden Preis ist jedoch nicht Marco Kochs Sache: «Entscheidend ist nicht der Umsatz, sondern die schwarze Zahl unter dem Strich», sagt der gelernte Kaufmann.