Es ist ein neuer Rekord: In Entwicklungsländern ist der Schwarzgeldtransfer ins Ausland elfmal höher, als die weltweite staatliche Entwicklungshilfe. Die Schweiz sei daran nicht unschuldig.
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Die Weltregionen, die beim Schwarzgeld-Aufkommen am meisten zulegten: Die westliche Hemisphäre: In diese Kategorie fallen unter anderem Brasilien – hier der Blick auf Rio de Janeiro –, Argentinien, Mexiko und südamerikanische Staaten. Im Durchschnitt legte der Schwarzgeld-Output hier um 3,5 Prozent zu. Verglichen wurde die Dekade bis 2012.RMSAsien:
Indonesien zählt unter anderem mit China zur asiatischen Region mit 9,5 Prozent Wachstum bei den Schwarzgeld-Kassen. Es gilt als nächster Star unter den Entwicklungsländern, kämpft aber mit vielen Problemen. Aus China fliessen weltweit die meisten illegalen Gelder ab.RMSEntwicklungsländer Europas:
Gegen den türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan stehen Korruptionsvorwürfe im Raum. Die Türkei galt über Jahre als wirtschaftlicher Vorzeigekandidat. Sie zählt aber neben Ländern wie Albanien, Ungarn und Rumänien auch zu den Entwicklungsländern Europas, die im Durchschnitt 9,8 Prozent bei den Schwarzgeldern zulegen.RMSSubsahara:
Kamerun ist einer der Staaten, in denen unversteuerte Zahlungen am meisten boomen. Auch die Elfenbeinküste, Angola, der Kongo und andere zählen zu dem Bereich, in dem die Schwarzgeldrate um 13,2 Prozent zugelegt hat.RMSDer Nahe Osten und Nordafrika:
Der Stadion-Bau in Qatar ist von vielen Vorwürfen überschattet, die gesamte Vergabe der WM dorthin steht unter dem Verdacht der Korruption. Das Land gehört zu der Region, in der Schwarzgeld-Zahlungen am meisten zunehmen. Die Rate liegt bei 24,2 Prozent.
KeystoneRMS
Durch Schwarzgeldtransfers ins Ausland entgehen den Entwicklungsländer jährlich Milliarden: 2012 waren es 991 Milliarden US-Dollar wie eine Studie des US-Forschungsinstituts Global Financial Integrity (GF) zeigt. Das ist ein neuer Rekord.
Mit den Finanztransfers verfrachteten Steuerhinterzieher, korrupte Funktionäre und andere Kriminelle ihre Vermögen ins Ausland, schreibt Alliance Sud in einem Kommentar zu der Studie. Alliance Sud ist die gemeinsame Lobbyorganisation von sechs grossen Schweizer Hilfswerken.
Das neue Rekordhoch von 991 Milliarden US-Dollar entspricht laut den Angaben dem 11-fachen der weltweiten staatlichen Entwicklungshilfe. Der Betrag ist ausserdem deutlich höher als jener der privaten Direktinvestitionen, die in diesem Jahr in die Entwicklungsländer flossen.
China an Spitze
Die Studie zeigt, dass der mit Abstand grösste Teil der unlauteren Geldflüsse aus China stamme. Aus dem Land flossen demnach 2012 rund 250 Milliarden Dollar ab. An zweiter Stelle folgt Russland, auf den Plätzen drei und vier Mexiko und Indien.
Vergleicht man die Schwarzgeldabflüsse mit der Wirtschaftsgrösse des Landes, stehen dagegen die Länder Afrikas südlich der Sahara an der Spitze. Dort entsprachen die unlauteren Finanzabflüsse 2012 rund 4,5 Prozent des Bruttoinlandproduktes, wie es hiess. Im Durchschnitt aller Entwicklungsländer waren es rund 3,6 Prozent.
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Schweiz als Fluchtburg
Alliance Sud zufolge trägt auch die Schweiz Verantwortung für die Schwarzgeldtransfers: «Die Schweiz gilt in den Entwicklungsländern immer noch als sichere Fluchtburg für die Vermögen von Steuerhinterziehern und korrupten Staatsbeamten», wird Mark Herkenrath, Finanzexperte der Organisation in einer Medienmitteilung zitiert.
Derzeit hängige Gesetze könnten jedoch Abhilfe schaffen, schreibt Alliance Sud. So etwa das Gesetz zur Ausdehnung der Steueramtshilfe auf Länder, mit denen die Schweiz ein Steuerabkommen hat. Dieses Gesetz befindet sich in der Vernehmlassung. Oder das Gesetzt zur Sperrung und Rückführung von Potentatengeldern, das im Parlament hängig ist.