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Die Crowdstiftung macht alles komplizierter โ€“ und hoffentlich demokratischer

Einst bestimmten Parteien und Organisationen, was auf die politische Agenda gehievt wird. Jetzt reden alle mit. Dank einer neuen Crowdstiftung.

Florence Vuichard

Daniel Graf
Daniel Graf: Mit seiner Unterschriftensammelplattform Wecollect.ch kommt etwas Neues auf die Schweizer Demokratie zu. Keystone

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Die etablierten Parteien und Organisationen bekommen Konkurrenz: von der Stiftung fรผr direkte Demokratie, der ersten Crowdstiftung der Schweiz, lanciert am symboltrรคchtigen Freitag, dem 13. September, in Basel. 1000 Stifter und Stifterinnen sollen deren Unabhรคngigkeit garantieren und diese mit einem Startkapital von 50'000 Franken ausstatten.
Der Internetaktivist Daniel Graf bringt die von ihm mit Mitstreitern gegrรผndete Unterschriftensammelplattform Wecollect.ch sowie die bisher darรผber gesammelten Kontaktdaten ein. Vieles ist noch unklar, etwa wer genau im Stiftungsrat sitzen soll. Vieles wirkt noch etwas handgestrickt, vieles ist verbesserungswรผrdig.
Doch eines ist klar: Hier kommt etwas Neues auf die hiesige Demokratie zu, organisiert von einer Generation, die bis jetzt nicht wirklich mit am Tisch der Schweizer Politik sass, von einer Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, รผber Hacks und Blockchain spricht wie รผbers Wetter und vor ziemlich alles ein # setzt. Eine Generation, die sich jetzt zu Wort meldet. Oder in den Worten des Wecollect-Beraters und Unternehmers Hannes Gassert: ยซDie Digitalisierung der Demokratie ist der Gotthard unserer Generation.ยป

Die Stiftung als ยซDemokratie-Inkubatorยป

Das Ziel der Crowdstiftung ist es, Themen auf die politische Agenda zu setzen, welche die Leute beschรคftigen, von den Parteien und Organisationen aber als nicht prioritรคr angesehen oder ignoriert werden, auch weil Partei- und Verbandsfunktionรคre oft konservativer sind als ihre Basis. Die Stiftung solle als eine Art ยซDemokratie-Inkubatorยป dienen, sagt Graf.

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รœber die Plattform kann sie herausfinden, ob etwa der Widerstand gross genug ist, um ein Referendum zu ergreifen, wie bei der elektronischen Identitรคtskarte, welche der Staat nach mehreren IT-Flops nun Privaten รผbergeben mรถchte. Referenden sind aber nicht sehr kreativ, bewahren sie doch hรถchstens den Status quo.

Unbequem aber demokratischer

Deshalb will die Stiftung vermehrt mit Volksinitiativen auch gestaltend eingreifen, etwa im Frรผhjahr 2020 mit der Elternzeit-Initiative, die โ€“ gleichberechtigt fรผr Mรผtter und Vรคter โ€“ je 15 Wochen Urlaub fordert. Ganz zum ร„rger der Parlamentarier, die sich soeben zu einem zweiwรถchigen Vaterschaftsurlaub durchgerungen und gehofft haben, damit das Thema ad acta legen zu kรถnnen.
Die Crowd macht alles komplizierter und unbequemer, aber auch interessanter. Und hoffentlich demokratischer.

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