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Brillieren mit Brillengläsern

Mit einer revolutionären Abgiesstechnologie für die Produktion von Brillenglas will der Luzerner Vollblutunternehmer Rudolf Suter den Markt für optische Sehhilfen völlig umkrempeln – weltweit.

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«Das wollen wir kaufen», entfuhr es Peter Grassmann, dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden des deutschen Hightech-Konzerns Carl Zeiss, als ihm
Rudolf Suter (Bild)
zum ersten Mal seine neue Technologie zum Giessen von Kunststoff-Brillengläsern vorstellte. Der Grund für Grassmanns Begeisterung: Das neue Verfahren von Suters Firma Concepcion verkürzt die Produktionszeit für ein progressives Kunststoff-Brillenglas (ein Glas für Kurz- und Weitsichtige) von bisher vier Stunden auf knapp zwei Minuten – dies bei markant gesteigerter Qualität.
Heute agiert Carl Zeiss zwar als Vertriebspartner der Concepcion und besitzt auch einen namhaften Anteil am Unternehmen, aber die Mehrheit liegt nach wie vor fest in Suters Händen. Der Mann kann es sich leisten: Nach seinem Einstieg als Geschäftsführer bei der Küsnachter Satis Vacuum Holding formte er das Unternehmen zum weltweit führenden Anbieter von Maschinen zur Entspiegelung von Kunststoff-Brillengläsern und avancierte dank diesem Erfolg über die Jahre zum Alleinbesitzer. Seit dem Verkauf der Satis an den Maschinenhersteller Schweiter ist er ein reicher Mann, was es ihm erlaubt, den Aufbau seiner neuen Gesellschaft Concepcion praktisch aus der eigenen Kasse zu finanzieren.

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Die Idee, Kunststoff-Brillengläser zu giessen, anstatt aus einem Block zu schleifen, hatte Suter schon zu seiner Satis-Zeit im Hinterkopf. Nach einem Sabbatjahr machte sich der heute 50-jährige Familienvater deshalb vor anderthalb Jahren an die Arbeit: Der gelernte Maschineningenieur erarbeitete je ein Pflichtenheft für die Brillenglas-Gussmaschine und für den darin verwendeten Kunststoff. Die Teilfertigung für die Maschine vergab er an Unterlieferanten, während er für die Entwicklung des neuen – unterdessen patentgeschützten – Werkstoffs mehrere Monomer-Chemiker einstellte. Die nötige Laborinfrastruktur baute er in Sarnen auf.
«Wir sind voll im Businessplan», blickt Suter auf den Start zurück. Die Brillengläser haben bereits das Attest der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA), sind erfolgreich auf ihre Langlebigkeit und Allwettertauglichkeit getestet, und im März soll die erste Maschine ausgeliefert werden.
Die neuen Brillenglas-Gussmaschinen, Kaufpreis eine halbe bis eine Million Franken, werden den Brillenmarkt auf den Kopf stellen. Denn das horrende Produktionstempo erlaubt nun die Fertigung von Brillengläsern nach Rezept innerhalb von 24 Stunden. Traditionelle Brillenglashersteller, die nicht auf die neue Technologie umstellen, dürften es deshalb mittelfristig schwer haben. «Wir hieven unsere Kunden aus dem Low- in den Hightech-Bereich», umschreibt Suter die Herausforderung für seine potenziellen Kunden. Die haben verstanden und stehen bereits Schlange: Die geplante Jahresproduktion von 18 Maschinen im laufenden Jahr ist verkauft, und die Ausstosszahlen für die nächsten Jahre müssen auf Grund der überbordenden Nachfrage laufend nach oben korrigiert werden. In Kägiswil wird zurzeit für 18 Millionen Franken ein neues, für über 200 Mitarbeiter ausgelegtes Geschäftsgebäude erstellt.

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Auf 1,2 Millarden Franken schätzt Rudolf Suter den weltweiten Markt für Maschinen zur Produktion von progressiven Brillengläsern, ein Markt, der in Zukunft noch wachsen dürfte. Davon will sich Suter bis in vier Jahren rund ein Fünftel sichern. Dass ihm auf dem Weg dorthin der finanzielle Schnauf ausgeht, muss der «serial entrepreneur» Suter nicht befürchten: Die Concepcion dürfte bereits in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben.

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