Das Unternehmen schreibt hohe Verluste, und Gewinne sind nicht in Sicht. Das Geschäftsmodell ist bedroht durch harte Konkurrenz. Die Strategie des Managements treibt Experten die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Firma, so könnte man meinen, wäre reif für eine Sanierung. Weit gefehlt!
Sie wurde an der Börse gefeiert.Snapchats Traumstart an der Wall Street hatte handfeste Gründe. Dass die neuen Aktionäre auf lange Sicht von einer grossen Zukunft des Messaging-Dienstes überzeugt sind, gehört aus Expertensicht eher nicht dazu. «Es fühlt sich so an, als ob dies weniger ein Investment ist als vielmehr eine Zockerei», urteilt Analyst Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Darauf deutet seiner Ansicht nach neben den ungewissen Profitaussichten auch die Tatsache hin, dass die Neueigner von der Mitsprache ausgeschlossen bleiben.
Das hinderte Anleger allerdings nicht daran, sich bei der Erstnotierung (IPO) um die Aktien des Snapchat-Betreibers Snap zu reissen. Zum Börsenschluss am Donnerstag vergangene Woche lagen die Papiere mit 24,48 Dollar um 44 Prozent über dem Ausgabepreis. «Mit Kursen nahe 25 Dollar ist die Aktie mehr als das 80-Fache des Umsatzes wert - eine unglaublich hohe Bewertung», rechnet Analyst Neil Wilson vom Wertpapierhändler ETX Capital vor. Snap sei damit an der Börse insgesamt fast drei Mal so schwer gewesen wie Twitter und nicht allzu weit von Ebay entfernt. Die Marktkapitalisierung des Debütanten sei höher als von vielen grodden Konzernen gewesen, die dauerhaft hohe Gewinne machen, gibt Wilson zu bedenken.