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Finanzmärkte

«Wer nicht investiert, verliert den Anschluss»

Für Samy Chaar, Chefökonom bei Lombard Odier, ist ein anhaltender Investitionszyklus die treibende Kraft hinter der Börsenhausse.

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Samy Chaar (48) ist Chefökonom der Lombard Odier Group sowie Chief Investment Officer Schweiz und Partner. Chaar hat eine Stimme im Investment­komitee.
Samy Chaar (48) ist Chefökonom der Lombard Odier Group sowie Chief Investment Officer Schweiz und Partner. Chaar hat eine Stimme im Investment­komitee.PR

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Herr Chaar, wie lange kann der Bullenmarkt noch weitergehen?

Ich denke, noch deutlich länger. Wir befinden uns in einem drastischen Investitionszyklus, wie ich ihn in meinem Berufsleben noch nie erlebt habe. Auslöser ist eine tiefgreifende Transformation. Das alte Modell – mit Russland und dem Nahen Osten als Energielieferanten, China als Produzent und den USA als Schutzmacht – existiert nicht mehr. In einer fragmentierten Welt muss man seine Unabhängigkeit aufbauen und investieren. Solange die Nachfrage nach Rechenleistung, Energie, Verteidigung und Chips gross bleibt, birgt der Zyklus noch viel Potenzial. Dann sind die Auftragsbücher voll, und die Unternehmen müssen keine Mitarbeitenden entlassen.

Haben die jüngsten Krisen diesen Zyklus gefährdet?

Weder Covid noch Zölle oder Ölpreisschocks konnten den Trend stoppen – sie haben die Dringlichkeit von Investitionen in die eigene wirtschaftliche Sicherheit sogar noch verstärkt. Wer jetzt nicht investiert, verliert den Anschluss. Die Gewinne der Unternehmen bleiben hoch, und das stützt die Märkte.

Wo befinden wir uns in diesem Zyklus?

Es gibt keine Warnsignale, die darauf hindeuten, dass wir am Ende des Zyklus wären. Um eine Marathon-Analogie zu nutzen: Wir sind vielleicht 15, 20 Kilometer gelaufen, stehen aber nicht kurz vor dem Zusammenbruch.

Wie würde Kilometer 41 aussehen?

Typisch wären erhebliche Überkapazitäten, erschöpfte Finanzressourcen und aggressive Zinserhöhungen bei den Notenbanken um mindestens 100 Basispunkte. Davon sehen wir nichts.

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Wie sollte sich ein Anleger in diesem Umfeld positionieren?

Breit gestreut und mit leichtem Übergewicht in Aktien und festverzinslichen Wertpapieren. Der Fokus sollte auf Regionen liegen, die den Wandel vorantreiben – allen voran USA und Asien. Neben Wachstums- und konjunktursensiblen Sektoren, Small Caps oder ausgewählten asiatischen Märkten sind auch hochverzinsliche Anleihen, beispielsweise Anleihen aus Schwellenländern in Hartwährung, zur Stabilisierung des Portfolios sinnvoll.

Was ist mit der Schweiz?

Wir mögen Schweizer Aktien wegen ihrer Qualität und der Geschäftsmodelle, etwa aus dem Gesundheitssektor. Aber es fällt schwer, begeistert zu sein. Die Schweiz agiert derzeit sehr defensiv und abwartend, statt bei Themen wie Technologie, Energie, Innovation oder Verteidigung voranzugehen. Der globale Investitionsboom findet vor allem in den USA und in Asien statt. Deshalb stufen wir die Schweiz eher neutral ein.

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