Proptechs, also Start-ups, welche die Immobilienbranche digitalisieren, sind keinesfalls nur ein Consumer-Thema. Der Klassiker und Vorreiter Price Hubble beispielsweise liefert durch die Kombination von Big-Data-Quellen und künstlicher Intelligenz (KI) vielen Finanzdienstleistern und Immobilienunternehmen erste Anhaltspunkte für die Bewertungen. Flatfox, eine Mobiliar-Tochter, gilt vielfach als unentbehrliche Hilfe bei Vermietungsprozessen, und Properti kombiniert digitale Tools für die datenbasierte Vermarktung.
«Trend der Stunde ist künstliche Intelligenz und deren gigantisches Potenzial in der Anwendung respektive Transformation und Automatisation diverser Tätigkeiten», beobachtet Lars Sommerer, Managing Director bei Swissproptech mit Sitz in Kyburg ZH, wo man einen Überblick über die einschlägige Start-up-Szene hat. Die Schweizer Proptech-Community ist so auch von ursprünglich rund 50 Proptechs auf über 475 angewachsen (Stand: Mai 2026).
«Das Bauwesen und seine zahlreichen Facetten, wie zum Beispiel Construction Tech, sind ein weiterer grosser Trend, gerade mit Blick auf den Einsatz von Robotern und Drohnen.» ESG-as-a-Service kommt als dritter Trend hinzu. Hier bietet sich Immobilieneigentümern ein erhebliches finanzielles Potenzial zur Renditesteigerung.«Ich persönlich sehe die künstliche Intelligenz nicht als weiteres Tool oder als Hype, sondern als Auslöser eines fundamentalen Paradigmenwechsels in unserer Gesellschaft», so Sommerer. «Die vielversprechendsten Anwendungen sehe ich vor allem in den Bereichen, in welchen das für die LLMs so wichtige Datenmaterial am grössten ist. Dies wären Bereiche aus dem Facility-Management und der Immobilienbewirtschaftung.» Aber auch in der Vermarktung und generell in der gesamten Kommunikation seien die Anwendungen vielversprechend. Hinzu kommen die Themen Planung und Architektur sowie Asset- und Portfoliomanagement, bei denen es im Grundsatz auch immer um die Analyse von Daten geht. Wie etwa beim Start-up Optiml, einem ETH-Spin-off. «Optiml hilft institutionellen Immobilieninvestoren, Assetmanagern, Bestandshaltern und deren Beratern, aus technischen Gebäude-, Finanz- und Nachhaltigkeitsdaten konkrete Investitionsentscheide abzuleiten», erklärt Nico Dehnert, Mitgründer und CCO des Start-ups, den Fokus des Unternehmens. Der Mehrwert liege darin, Capex, Sanierungspfade und Portfolioentscheide so zu optimieren, dass Kunden nicht nur berichten, sondern Wert, Liquidität und regulatorische Handlungsfähigkeit schützen. Die KI unterstützt laut Dehnert vor allem dort, wo heute viel manuelle Arbeit entsteht: beim Extrahieren, Strukturieren und Plausibilisieren von Daten aus Energieausweisen, Audits, Mietverträgen, technischen Berichten oder Capex-Plänen.