Der Bitcoin-Kurs hat am vergangenen Samstag bei 74'100 Dollar den tiefsten Stand seit einem Monat erreicht, ehe sich dieser bis am Montag im frühen Handelsgeschäft wieder auf 76'600 Dollar erholte. Viele Anlegerinnen und Anleger treibt nun die Frage um, ob diese Kurserholung der letzten 48 Stunden bloss ein Strohfeuer in einem länger anhaltenden Bärenmarkt war.
Auslöser für die negative Monatsbilanz waren unter anderem die höheren Obligationenrenditen und die sich verschlechternden Nachfragebedingungen. Bei einem Preis von 83'000 Dollar, der Anfang Mai realisiert wurde, nahm das Interesse an neuen Bitcoin-Käufen rapide ab, was zu Gewinnmitnahmen führte.
Der anhaltende Angebotsüberhang lässt sich auch am ETF-Markt ablesen. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der abgelaufenen Woche den neuntgrössten wöchentlichen Abfluss seit ihrer Einführung Anfang 2024. So flossen in den fünf Tagen bis einschliesslich Pfingstmontag 1,7 Milliarden Dollar ab. Der Zeitpunkt war dabei kein Zufall: Die Verkäufe erfolgten, als Bitcoin sich der Marke von 83'000 US-Dollar näherte - dem Durchschnittspreis, bei dem ETF-Anleger ihre Investition nahezu zum Einstandspreis halten.
Die Krypto-Analysefirma K33 testete dabei, ob die Nähe zu einem solchen Preisniveau tendenziell Kapitalabflüsse auslöst. Statistisch betrachtet ist dies tatsächlich der Fall. Wenn Bitcoin nahe dem Preis gehandelt wird, den die meisten ETF-Anleger dafür bezahlt haben, steigt die Wahrscheinlichkeit eines starken Abflusstages auf über 10 Prozent - im Vergleich zu nur 3 Prozent, wenn die Preise deutlich höher liegen. Das heisst: Je näher die Preise dem Einstandskurs kommen, desto mehr Anleger verkaufen ihre Positionen.
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Ein weiteres negatives Indiz ist die Coinbase-Prämie, welche ab Beginn der Erholungsrallye seit Anfang Februar weiter negativ war. Das bestätigte die schwache Beteiligung US-amerikanischer Investoren, wie die Researchboutique CryptoQuant in einer Kundennotiz betonte.
Gleichzeitig fiel der «CryptoQuant Bull Score Index» auf 20 zurück. Das sei ein extrem bärischer Bereich, der historisch mit weiteren Kursverlusten oder einer längeren Konsolidierung verbunden ist.
Idealer Nährboden für höhere Preise
Die Retailinvestoren sind ebenfalls weitgehend aus den Kryptomärkten verschwunden. Die täglichen Handelsvolumina in Südkorea – ein zuverlässiger Indikator für spekulatives Interesse in Asien und darüber hinaus – sind gesunken.
Die Erklärung ist gemäss der Nachrichtenagentur Bloomberg nicht kompliziert: Der südkoreanische Aktienmarkt hat in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von über 150 Prozent erzielt, angetrieben von Halbleiterunternehmen. Vor diesem Hintergrund erscheint der Bitcoin-Kursverfall wie ein Fehlkauf, und Privatanleger haben entsprechend gehandelt.
Keine Unterstützung kommt auch von den Bitcoin-Minern. Diese waren einst eine natürliche Quelle der Akkumulation. Nun haben diese ihre Strategie geändert. Nachdem sie im letzten Zyklus durch zeitlich schlecht aufeinander abgestimmte Bitcoin-Treasury-Strategien schmerzhafte Erfahrungen gemacht haben, verkaufen die meisten nun jeden einzelnen Coin, den sie produzieren, um Investitionen in die Hosting-Infrastruktur für KI zu finanzieren. Die natürliche langfristige Anlage, die sie einst boten, wurde durch einen stetigen Nachschub ersetzt.
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All diese negativen Faktoren könnten inzwischen einen idealen Nährboden für eine Stabilisierung und eine spätere Fortsetzung der Kursrallye bilden. Dies könnte vorrangig dann der Fall sein, wenn das Interesse an KI-Aktien abnimmt und sich Retailinvestoren wieder verstärkt den Kryptowährungen zuwenden. Zumindest bei den Speicherherstellern wie Micron, Sandisk sowie Samsung und Co. scheint eine gewisse Überhitzung bei den Preisen sichtbarer.