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Evergreen-Fonds

«Wer nur auf Aktien setzt, verpasst beste Chancen»

Markus Egloff, Managing Director bei KKR, erläutert, wie Privatkunden in Private Equity investieren können.

Florian Fels

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Händler an der New York Stock Exchange. Getty Images

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Herr Egloff, KKR ist eine der weltweit grössten Adressen für Private Equity. Jetzt verstärken Sie Ihre Präsenz in der Schweiz. Was wollen Sie in diesem kleinen Markt?

Die Schweiz ist für uns weit mehr als nur ein kleiner Binnenmarkt. Sie ist ein führendes globales Wealth-Booking-Center und ein zentraler Hub für das Wealth-Management. Die Dichte an Finanzinstituten jeder Grösse und Tradition ist extrem hoch. Zudem ist das Ausbildungsniveau der Kundenberater exzellent – das Verständnis für komplexe Anlageklassen ist hier bereits vorhanden. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das regulatorische Umfeld. Die Schweiz findet eine gute Balance: Die Spielregeln sind klar, lassen uns aber den Spielraum, unsere Produkte den richtigen, qualifizierten Kunden anzubieten. Wenn wir mit Schweizer Banken zusammenarbeiten, bedienen wir über diesen Hub oft Kunden aus der ganzen Welt.

KKR ist vor allem als klassischer Private-Equity-Akteur bekannt, der Firmen kauft und nach ein paar Jahren wieder verkauft. Was genau ist Ihr Auftrag?

KKR ist seit nunmehr fünfzig Jahren ein Pionier im Bereich Private Markets, davon seit über dreissig Jahren im europäischen Raum. Wir haben unsere führende Position im traditionellen Private-Equity-Bereich behauptet, weil wir unseren Ansatz kontinuierlich weiterentwickeln und verbessern. Diese Philosophie hat uns auch dazu geführt, zu einem führenden Investor in anderen privaten Anlageklassen zu werden. Heute verfügen wir über ein ausgewogenes Portfolio in allen vier unserer Säulen: Private Equity, Infrastruktur, Immobilien und Kredite. Mein Team und ich konzentrieren uns auf Global Wealth Solutions. Das heisst, wir arbeiten mit Privatbanken und Vermögensverwaltern zusammen, um deren Kunden Zugang zu unseren Anlageprodukten, in allen unseren Anlageklassen, zu ermöglichen. In der Vergangenheit war dieser Zugang fast ausschliesslich Pensionskassen oder Staatsfonds vorbehalten. Das ändern wir gerade fundamental.

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Markus Egloff KKR
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Markus Egloff KKR
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Markus Egloff ist Managing Director bei KKR und leitet als Head of Global Wealth Solutions International das Geschäft mit Privatkunden in den Regionen EMEA (Europa, Nahost, Afrika) und Asien-Pazifik. Der Schweizer verfügt über langjährige Erfahrung im Wealth-Management und war vor seinem Wechsel zu KKR in leitenden Positionen bei grossen internationalen Banken tätig.

Das müssen Sie erklären: Warum findet diese Öffnung gerade jetzt statt?

Da kommen drei Faktoren zusammen. Erstens hat sich das Vorsorgesystem weltweit verschoben – weg von garantierten Firmenrenten hin zur Eigenverantwortung. Wenn man aber für dreissig oder vierzig Jahre privat vorsorgt, braucht man Zugang zu den gleichen Renditequellen wie eine Pensionskasse. Zweitens schrumpfen die öffentlichen Aktienmärkte. Firmen bleiben heute viel länger privat. Wer erst beim Börsengang (IPO) einsteigt, hat einen erheblichen Teil der Wertschöpfung bereits verpasst. Und drittens haben wir neue Strukturen entwickelt, sogenannte Evergreen-Fonds.

Was ist das Besondere an Evergreen-Fonds?

Wenn man früher in Privatmarktanlagen investieren wollte, gab es die Closed-Ended Drawdown Funds. Da musste man Hunderttausende zeichnen, das Kapital war für ein Jahrzehnt oder länger gesperrt. Das ist für die meisten Privatpersonen völlig unpraktisch. Nun gibt es Evergreen-Strukturen wie Fonds mit Sitz in Luxemburg, die man monatlich zeichnen kann, während man früher möglicherweise Jahre darauf warten musste, bis der Fonds aufgelegt wurde und man investieren konnte. In der Regel gibt es quartalsweise die Möglichkeit, liquide zu werden, sodass Anleger innerhalb bestimmter Grenzen, beispielsweise bis zu 5 Prozent des Fondswerts, Geld abheben können. Wobei man immer betonen muss: Diese sollten als illiquide Anlagen betrachtet werden. Aber der entscheidende Punkt ist: Ein einzelner Anleger kann jetzt mit deutlich kleineren Summen – oft ab 20 000 Franken – in exakt dieselben Deals investieren wie die grössten Staatsfonds der Welt mit ihren Millionensummen.

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Oder anders formuliert: KKR ist nun im Retail-Geschäft angekommen?

Das muss man relativieren. In der Schweiz müssen Anleger bestimmte Kriterien erfüllen, wie beispielsweise, dass sie regulatorisch als «Professional Investor» eingestuft sind. Das heisst, man benötigt in der Regel ein freies Vermögen von über 2 Millionen Franken oder eine entsprechende Fachausbildung. Auch wenn die Mindestsumme pro Investment sinkt, stellen wir fest, dass Banken meist eine Allokation von 15 bis 25 Prozent des Vermögens im Privatmarktbereich empfehlen. Um ein diversifiziertes Portfolio über verschiedene Anlageklassen aufzubauen, sollte man deshalb immer noch ein Gesamtvermögen im einstelligen Millionenbereich haben. Wir gehen also nicht auf den Massenmarkt los, aber wir machen die Anlageklasse für den gehobenen Mittelstand zugänglich.

Was ist die Motivation von KKR? Geht es um noch mehr Kapital für noch grössere Deals?

Es ist eine Kombination. Das private Vermögen weltweit ist ein riesiger Pool – man spricht von etwa 170 Billionen Dollar, wovon bisher nur 1 bis 2 Prozent in Privatmärkten investiert sind. Das ist ein gigantischer Wachstumsmarkt. Aber es gibt auch eine Investitionslogik: Firmen werden immer grösser und benötigen daher mehr Kapital. Um heute eine Firma für 3 Milliarden Dollar zu kaufen, brauchen wir mehr Eigenkapital als früher, da die Hebelwirkung (Leverage) durch Kredite abgenommen hat. Wenn wir mehr Kapital zur Verfügung haben, können wir schneller agieren und attraktive Deals komplett finanzieren, ohne auf unsichere Kreditmärkte warten zu müssen. Das macht uns als Käufer wettbewerbsfähiger.

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KKR (Kohlberg Kravis Roberts & Co.) gilt als Pionier der modernen Private-Equity-Branche. Das Unternehmen mit Hauptsitz in New York verwaltet ein Vermögen von über 700 Milliarden Dollar. Zu den aktuellen und früheren Investitionen in der Schweiz zählen: Wella, Getyourguide, Biosynth, Ottobock, Scout 24 und Software One. Das Unternehmen eröffnete 2023 eine Niederlassung in Zürich.

Sie sprachen von Infrastruktur als einer der vier Säulen. Warum ist das für Privatanleger derzeit so interessant?

Infrastruktur war für Privatanleger bisher praktisch nicht zugänglich. Dabei ist es eine ideale Anlageklasse zur Stabilisierung eines Portfolios: Es sind Hard Assets, also physische Anlagen wie Versorgungsbetriebe oder Energienetze. Sie sind oft inflationsgeschützt, da die Verträge Anpassungsklauseln enthalten. In Zeiten volatiler Aktienmärkte kann Infrastruktur sehr stabile, langfristige Erträge bieten. Sie übernimmt im Portfolio ein Stück weit die Rolle, die früher Obligationen innehatten.

Apropos Portfolio: Schweizer Pensionskassen investieren oft nur im tiefen einstelligen Prozentbereich in Private Markets. In den USA sind es oftmals 30 bis 50 Prozent.

Die Geschichte der letzten dreissig Jahre zeigt eindeutig, dass die höhere Allokation in Privatmärkte die bessere Performance geliefert hat. Natürlich gibt es keine Garantie für die Zukunft. Aber man muss sich die Realität vor Augen führen: 80 Prozent aller Unternehmen weltweit mit einem Umsatz von über 100 Millionen Dollar sind in privater Hand. Wer nur in börsennotierte Indizes investiert, deckt also nur 20 Prozent der grossen und mittleren Unternehmen ab. Plakativ gesprochen: Wer nur auf börsennotierte Aktien setzt, verpasst zunehmend viele der besten Chancen. Schweizer Pensionskassen sind hier tatsächlich sehr vorsichtig.

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Woran liegt diese Zurückhaltung?

Ein spezifisches Schweizer Thema ist der starke Franken. Währungsrisiken bei Dollar-Anlagen können die Rendite schmälern. Zudem ist Private Equity komplexer in der Bewertung und Verwaltung. Aber ich sehe einen Mismatch: Viele vermögende Privatkunden in der Schweiz investieren heute bereits viel offensiver in Privatmärkte als ihre eigenen Pensionskassen, und das macht absolut Sinn. Ich habe es in meiner Familie gesehen: Meine Eltern in der Schweiz waren Unternehmer, hatten aber keine klassische Pensionskasse. Sie investierten zwar, hatten aber nie Zugang zu institutionellen Produkten auf dem privaten Markt. Sie haben sich fast ihr ganzes Berufsleben lang Sorgen um ihre Rente gemacht. Mein Schwiegervater hingegen war Lehrer in Kalifornien und über den kalifornischen Lehrer-Pensionsfonds versichert. Dieser Fonds investiert seit Jahrzehnten massiv in Privatmärkte. Er musste sich nie Sorgen um seine Rente machen und hat heute eine stattliche Pension. Das US-System hat für ihn die Renditechancen der Privatwirtschaft genutzt. Diesen Ausgleich wollen wir schaffen: Dass man eben nicht mehr ein riesiger Staatsfonds sein muss, um von der Wertschöpfung privater Unternehmen zu profitieren.

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