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Chefanleger

«Die Kunden sind noch erstaunlich entspannt»

Matthias Ramser, CIO bei Reichmuth & Co Privatbankiers, ist für die Zukunft optimistisch – vorausgesetzt, der Krieg im Iran ist bald vorbei.

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Matthias Ramser (55) ist seit 2020 Chief Investment Officer bei Reichmuth & Co Privatbankiers. Zuvor war er bei der Suva gut zehn Jahre lang Leiter des Portfoliomanagements. Regina De Paolis

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Herr Ramser, ein weiterer Krieg. Wie besorgt sind die Kunden bei Reichmuth & Co?

Die Kunden sind noch erstaunlich entspannt. Die Erfahrungen aus der Covid-Pandemie oder dem Abverkauf nach dem «Liberation Day» haben die Anleger gelehrt, dass sich die Märkte von Krisen oft schnell erholen.

Rechnen Sie mit einer baldigen Erholung?

Das hängt davon ab, wie weit die USA und der Iran bereit und fähig sind, weiter zu eskalieren. Eigentlich bin ich aber zuversichtlich, weil die grossen Player alle daran interessiert sind, dass die Strasse von Hormus rasch wieder geöffnet wird.

Eine baldige Lösung ist eingepreist. Was passiert, wenn sich der Konflikt in die Länge zieht?

Dauert der Krieg länger als zwei, drei Monate, würde das die Inflationsraten in die Höhe treiben und die Konjunktur deutlich belasten. Gäbe es die Midterm Elections im November nicht, wäre ich beunruhigter. Die zwingen Donald Trump zu raschen Lösungen. Der US-Präsident hat keine Inflation, tiefe Ölpreise, tiefe Zinsen und keine Einmischung in Konflikte versprochen.

An Krisen herrscht kein Mangel. Beunruhigt Sie die Private-Credit-Krise?

Es wird eine Bereinigung stattfinden müssen, da der Markt zuletzt ziemlich heissgelaufen ist. Wir gehen aber nicht von einem systemischen Risiko aus, dafür ist der Bankensektor zu wenig betroffen.

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Sind Sie in dem Umfeld für die Börsen noch positiv gestimmt?

Ja, ich rechne für die globalen Aktienmärkte in diesem Jahr mit einem Zuwachs von fünf bis acht Prozent. Es gibt positive Treiber. In den USA bringt die «One Beautiful Bill» Steuersenkungen. In Europa belebt sich die Konjunktur. China wird versuchen, den heimischen Konsum zu stimulieren. Dauert der Konflikt nicht länger als von uns erwartet, dürften diese positiven Entwicklungen nicht abgewürgt werden.

Wie positionieren Sie sich, insbesondere in der Schweiz?

Wir setzen auf einen verlässlichen Kern aus Schweizer Dividendenwerten. Besonders optimistisch sind wir für den Pharmasektor, nicht zuletzt Novartis und Roche, und die Bewertungen sind attraktiv. Dort ist nach Jahren der Unsicherheit über Regulierungen und Preise nun mehr Klarheit eingekehrt. Auch Grundstoffe und Bauwerte wie Holcim oder Glencore finden wir spannend.

Warum hat sich Gold in der Iran-Krise nicht als Krisenschutz bewährt?

Einfach gesagt, ist Gold im Vorfeld zu stark gestiegen. Investoren verkaufen in der Krise Anlagen, die zuvor haussiert haben. Ich kann mir vorstellen, dass Gold noch stärker korrigiert. Mittel- bis langfristig ist die Goldstory aber intakt.

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