In Oerlikon steht in der Neubausiedlung «Living Eleven» über die Hälfte der Wohnungen leer. Liegts am neuartigen «Split-Level-Konzept»? Oder sind die Mieten überrissen?
Der Zürcher Wohnungsmarkt ist überhitzt – und treibt immer wieder seltsame Blüten. So ist im Kreis 5 eine Mini-Wohnung für 1200 Franken ausgeschrieben. Sie ist gerade einmal 10 Quadratmeter gross. Im frisch renovierten 1-Zimmer-Apartment wird es also eng, wenn man nur schon ein grosses Bett aufstellt. Und doch: Es dürfte schnell weg sein, denn bezahlbarer Wohnraum ist begehrt.
Anders sieht es auf der Gegenseite des Spektrums aus. In Zürich werden derzeit vor allem teure Wohnungen gebaut. Und die finden längst nicht immer Mieterinnen oder Mieter. So etwa in Oerlikon, wo im Neubauprojekt «Living Eleven» aktuell 34 Wohnungen leer stehen. Die beiden Häuser an der Jungstrasse sind seit November 2025 bezugsbereit – noch immer ist mehr als die Hälfte der 61 Wohnungen unbewohnt. Zuerst hat die NZZ darüber berichtet.
Keine Warteschlangen bei Besichtigung
Liegts an den Mieten? Denn die sind selbst für Zürcher Verhältnisse hoch, wie ein Blick auf die Liste der freien Apartments zeigt. Eine 2,5-Zimmer-Wohnung gibts für 5520 Franken im Monat. Dafür bekommt man 85,4 Quadratmeter Wohnfläche in einer loftartigen Wohnung. Die Räume sind auf verschiedenen Ebenen angeordnet. «Split-Level-Wohnung» nennt man sowas heute.
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In der Immo-Annonce heisst das dann: «Die lofttypische Gestaltung mit offenem Grundriss, weitläufigem Wohnbereich, viel Tageslicht und hochwertiger Ausstattung schafft eine stilvolle Wohnatmosphäre für Menschen, die das Besondere suchen.» Schlange stehen diese für eine Besichtigung der noblen Bleibe aber offenbar nicht. Für April und Mai sind bereits zwei Tage der offenen Tür angekündigt.
36 Quadratmeter für 2100 Franken
Dann können sich Interessierte auch eine 3,5-Zimmer-Wohnung mit 69 Quadratmetern für 3330 Franken im Monat anschauen. Oder vor dem inneren Auge schon einmal eine 4,5-Zimmer-Maisonette-Wohnung mit 132 Quadratmetern für 6570 Franken einrichten. Schon fast ein Schnäppchen ist im Vergleich dazu die 1,5-Zimmer-Wohnung für 2100 Franken. 36 Quadratmeter gross ist das günstigste noch freie Angebot im Haus.
Bei Früh Immobilien, die das Projekt betreut, bleibt man ob des Leerstandes aber entspannt. Auch die Mieten hält man nicht für zu hoch. Sie seien «die Folge stark gestiegener Bau- und Bodenpreise, eines hohen Ausbaustandards sowie langwieriger Verfahren mit Ortsbildschutz und unzähliger behördlicher Auflagen», sagt das Immo-Unternehmen zur NZZ.
Rabatte auf die leeren Wohnungen gibts aber keinen. Andere Vermieter setzen auf dieses Mittel, um Wohnungen schneller vermieten zu können. So lockte im Januar die Helvetia in Basel und Zürich mit einem «Winter-Special»: Für die ersten sechs Monate gabs 50 Prozent Rabatt auf die Nettomiete. Immo-Profis sind da skeptisch. «Steht auf dem aktuellen Wohnungsmarkt eine Wohnung leer, stimmt die Qualität nicht oder sie ist schlicht zu teuer», sagte Immobilienexperte Donato Scognamiglio (55) auf Anfrage.