Der Wunsch nach Wohneigentum ist bei vielen jungen Menschen gross. Doch angesichts der horrenden Immobilienpreise rückt das Ziel für sie immer weiter in die Ferne. Wer nicht auf ein Erbe oder eine Schenkung der Eltern hoffen kann, hat es schwer, in jungen Jahren ein Haus zu finanzieren.
Die gute Nachricht: Junge Leute, die frühzeitig und mit einem Sparplan an die Sache herangehen, können das nötige Eigenkapital für den Hauskauf bis zum 40. Lebensjahr selbst ansparen. Melanie Näf (34), Leiterin Fachzentrum Finanzplanung bei Raiffeisen Schweiz, hat für Blick-Leserinnen und Blick-Leser Spartipps, die im Alltag einfach umgesetzt werden können. Ihre Berechnungen zeigen, wie rasant sich dank des Zinseszins-Effekts auch kleine Beiträge durch Anlegen vermehren lassen.
So früh wie möglich anfangen
Gerade wenn der Anlagehorizont noch gross ist, haben kleine Hebel eine grosse Wirkung: Oft reicht es, Gewohnheiten zu hinterfragen. «Man sollte einfach so früh wie möglich damit anfangen», sagt Näf. «Idealerweise regelmässig und systematisch.» Schon mit kleinen Anpassungen lässt sich jeden Monat das nötige Geld beiseitelegen.
Wer wöchentlich 75 Franken – oder 300 Franken im Monat – anlegt, erreicht laut Näf innert 20 Jahren ein Vermögen von 100'000 Franken. Mit diesen 100'000 Franken als Eigenmittel und einem Verdienst von 80'700 Franken pro Jahr lässt sich ein Eigenheim für 500'000 Franken finanzieren. Das reicht zwar nicht für ein Haus in Zürich, aber im Mittelland, Jura und in Teilen der Ostschweiz gibt es Objekte in dieser Preisklasse.
Spart ein Paar gemeinsam auf ein Eigenheim, lässt sich das Vermögen durch den gemeinsamen Effort auf 200'000 Franken in 20 Jahren verdoppeln.
Sparen im Alltag
Diese Einsparungen erreichen junge Leute beispielsweise so: Verzichtet ein 20-Jähriger dreimal pro Woche beim Abendessen auf den Lieferdienst im Wert von je 25 Franken, spart er 300 Franken pro Monat.
Ein weiterer Weg, das Geld einzusparen: Täglich auf den Coffee-to-go für 5 Franken verzichten und zweimal wöchentlich ein Mittagessen mitnehmen, statt für 25 Franken auswärts zu essen. Auch so kann man monatlich 300 Franken zur Seite legen.
So knackst du die 100'000 Franken
Wenn ein 20-Jähriger diese 300 Franken jeden Monat in einen Anlagefonds mit mittlerem Risiko anlegt, hat er mit 40 Jahren 100'000 Franken auf der Seite. In diesem Rechenbeispiel geht die Finanzexpertin von einer Rendite von 3 Prozent aus. «Die Erfahrungswerte der letzten zehn Jahre zeigen, dass das mit Anlagelösungen mit mittlerem Risiko realistisch ist», sagt Näf. Die von der Bank verrechneten Verwaltungskosten in Höhe von 1 Prozent sind in diesen Beispielen mit eingerechnet.
Wird das Geld in Form eines Säule-3a-Fonds angelegt, führt das zusätzlich zu Steuerersparnissen. Ein Beispiel für die Stadt Zürich: Bei einer monatlichen Einzahlung von 300 Franken in einen Säule-3a-Fonds kommt über die 20 Jahre hinweg eine Steuerreduktion von 18'800 Franken zusammen.
Warum das klassische Sparkonto ausgedient hat
Es sei dabei wichtig, das gesparte Geld in einen Anlagefonds anzulegen, statt es auf dem normalen Sparkonto liegen zu lassen, so die Expertin. Bei einem Zins von 0,2 Prozent entsteht dort über 20 Jahre hinweg im Vergleich zu einem Anlagefonds ein Nachteil von mehr als 25'000 Franken. Wer beim Anlegen etwas mehr Risiko eingeht, kann laut Näf mit einer Rendite von 5 Prozent rechnen. Im Vergleich zum Sparkonto holt er damit ein Plus von rund 50'000 Franken heraus.
«Je länger der Anlagehorizont, desto mehr Risiko ist in der Regel vertretbar», sagt Näf. Sie rät gerade jungen Leuten zu einer Anlagelösung mit einem höheren Aktienanteil. Wichtig sei dabei aber, dass man eine gewisse Zeit zum Investieren mitbringe. «Anlegen sollte man nur Geld, das man langfristig nicht benötigt – weil Märkte zwischenzeitlich schwanken können», so die Expertin.
Entscheidender als jeder andere Tipp sei aber, überhaupt investiert zu sein. Näf: «Der Einstiegszeitpunkt ist langfristig gesehen zweitrangig. Wichtig ist, zu beginnen, regelmässig zu investieren und nicht beim ersten Dämpfer wieder auszusteigen.»