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Markt-Interview

«Bis 2028 bleibt unser Ausblick extrem positiv»

Laut dem Goldexperten Jim Luke treiben zwei massive makroökonomische Treiber den Goldpreis weiter an.

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Jim Luke ist beim britischen Vermögensverwalter Schroders Lead Manager des SISF Global Gold Fund und Senior Portfolio Manager für Gold und Rohstoffe. PR

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Herr Luke, die herbe Korrektur des Goldpreises Ende Januar hat viele Anleger verunsichert. Der sichere Hafen verhielt sich plötzlich wie eine Risikoanlage. Wie geht es weiter?

Wir gehen davon aus, dass wir bis Mitte des Jahres neue Allzeithochs sehen werden. Bis zur US-Wahl 2028 bleibt unser Ausblick extrem positiv. Wir befinden uns in einem Gold-Bullenmarkt, der von zwei massiven makroökonomischen Treibern gestützt wird. Der erste Treiber ist geopolitischer Natur, speziell das angespannte Verhältnis zwischen den USA und China. Die Fähigkeit der USA, die Reservewährung Dollar als eine Art Waffe einzusetzen, hat einen unumkehrbaren Trend zur De-Dollarisierung ausgelöst. Besonders die Schwellenländer, allen voran China, diversifizieren massiv in Gold.

Was ist der zweite Treiber?

Die exzessive Verschuldung und die hohen Defizite in den USA, Europa und Teilen Asiens. Das treibt die Flucht aus Papierwährungen in reale Werte an. Solange diese Probleme ungelöst sind, bleibt die Investmentnachfrage hoch.

Gibt es einen Punkt, an dem die Notenbanken genug Gold gebunkert haben?

Zentralbanken von Schwellenländern halten etwa 13 Prozent ihrer Reserven in Gold. Polen ist bereits in den hohen 20ern, während China noch unter 10 Prozent liegt. Gehen diese Quoten in Richtung 25 oder gar 40 Prozent, haben wir noch einen langen Weg vor uns.

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Gibt es genug Gold?

Der Markt für physisches Gold ist sehr klein. Wenn Institutionen ihren Goldanteil signifikant erhöhen wollen, kann das eigentlich nur über einen deutlich höheren Preis geschehen.

Früher bewegten Realzinsen den Goldpreis. Je tiefer, desto besser für Gold?

Den Zusammenhang gibt es nicht mehr. Kauft jemand Gold aus Gründen der De-Dollarisierung oder als Portfolio-Versicherung gegen systemische Risiken, ist es ihm egal, ob er auf Cash zwei Prozent Zinsen bekommt oder nicht.

Auch Goldaktien sind gut gelaufen. Sehen Sie hier noch Potenzial?

Goldaktien sind im Vergleich zum Goldpreis immer noch günstig. Die Cashflow-Margen pro Unze haben sich seit 2020 verdreifacht. Dennoch stehen die Aktienkurse im Verhältnis zum Gold niedriger als damals. Auf relativer Basis ist das Potenzial für Goldminen-Aktien nach wie vor gross.

Die Korrektur bei Gold war heftig, bei Silber «brutal». Hat das die Investoren vergrault?

Silber ist und bleibt das extremere Metall. Ich wäre überraschter, wenn Silber wieder auf 15 Dollar fiele, als wenn es auf 150 oder gar 300 Dollar steigen würde. Der Markt ist klein und illiquide.
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