Einige der weltweit grössten Vermögensverwalter kaufen derzeit vermehrt Staatsanleihen und Aktien aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), während sie gleichzeitig ihre Dollarbestände reduzieren. Sie gehen davon aus, dass die durch den Krieg verursachte Unsicherheit ihren Höhepunkt überschritten hat, nachdem es zu einem Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran gekommen ist.
So erwarb Schroders am Mittwochvormittag kurzlaufende Anleihen, darunter US-Staatsanleihen. Auch bei Jupiter Asset Management werden ähnliche Schritte geprüft, verbunden mit Überlegungen, Dollar zu verkaufen. Andrew Canobi von Franklin Templeton rechnet mit einer Erholung bei zehnjährigen US-Staatsanleihen, während Allspring Global Investments gezielt in Technologie- und Rüstungswerte investiert, die weniger anfällig für Energieschocks sind.
Rückläufige Ölpreise beleben Zins- und Aktienfantasie
Diese Massnahmen deuten auf vorsichtigen Optimismus hin, dass das Schlimmste des durch den Iran-Krieg ausgelösten Verkaufsdrucks vorbei sein könnte. Die fallenden Ölpreise nach den Ankündigungen der Waffenruhe haben Spekulationen befeuert, dass die US-Notenbank Fed sich wieder auf Zinssenkungen konzentrieren wird. Die Hoffnung auf eine schrittweise Normalisierung der Ölversorgung hat die Aktienmärkte gestärkt und einen Index für asiatisch-pazifische Aktien auf den höchsten Stand seit Anfang März getrieben. «Ich war den ganzen Morgen damit beschäftigt, Anleihen zu kaufen», meinte die zuständige Expertin von Schroders, die über 1 Billion Dollar verwaltet. Sie habe Positionen in Märkten aufgebaut, die während der Krise am stärksten underperformt haben, darunter die Europäische Union und das Vereinigte Königreich. Zudem kaufe sie kurzlaufende US-Staatsanleihen.
US-Staatsanleihen reagierten positiv auf die Nachrichten: Die Rendite der zweijährigen Referenzanleihe fiel zeitweise um bis zu acht Basispunkte, die Rendite der zehnjährigen Anleihe sank um fünf Basispunkte auf 4,23 Prozent. Gleichzeitig legten die wichtigsten Währungen gegenüber dem Dollar zu, der während des Kriegs als sicherer Hafen gedient hatte. Auch der Goldpreis stieg.
Franklin Templeton sieht ebenfalls Wert in bestimmten US-Staatsanleihen und geht davon aus, dass die Märkte einen Grossteil des März-Rückgangs, der durch Inflationsängste ausgelöst wurde, wieder aufholen könnten. «Die Rendite 10-jähriger US-Anleihen könnte sich der 4-Prozent-Marke von unten nähern», so Canobi, Direktor für festverzinsliche Wertpapiere.
Vorsicht bleibt trotz Hoffnung auf dauerhaften Frieden
Dennoch bleiben viele Marktteilnehmer skeptisch gegenüber der zweiwöchigen Waffenruhe, da Details zu den Bedingungen fehlen. Unklar ist, ob dies ein Schritt zur Lösung oder nur eine vorübergehende Pause im Konflikt darstellt. Falls es tatsächlich zu einem Friedensabkommen kommt, könnte sich ein Muster umkehren, bei dem Hedgefonds sowohl Long-Positionen reduziert als auch Short-Positionen geschlossen haben – ein Prozess, den JPMorgan Chase & Co. als «systematisches De-Grossing» bezeichnet. Die Positionierung der Hedgefonds bleibe vorsichtig, nachdem es deutliche Reduzierungen gegeben habe, hiess es in einer Notiz.
Diese Haltung findet sich auch bei institutionellen Investoren auf der Käuferseite. Gary Tan, Fondsmanager bei Allspring und mitverantwortlich für ein Vermögen von rund 630 Milliarden Dollar, erklärte, man nutze die Kursschwankungen gezielt, um die Qualität des Portfolios zu verbessern und es widerstandsfähiger gegenüber dauerhaft höheren Energiepreisen zu machen. Konkret bedeutet das, selektiv in zentrale Anlagethemen wie KI, Rüstung und Unternehmen mit verbesserter Unternehmensführung zu investieren.
Mark Nash von Jupiter Asset Management sagte, er bespreche derzeit im Team den Kauf weiterer kurzlaufender US-Staatsanleihen sowie den Abbau von Dollarpositionen. «Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran ist eine gute Nachricht, aber das Risiko bleibt, dass wir noch nicht ausser Gefahr sind, da keine Garantie für ein endgültiges Abkommen besteht.»
Andere betonen, dass trotz der Unsicherheit China – das sich während der jüngsten Turbulenzen als relativ sicherer Hafen erwiesen hat – nach wie vor eine kluge Investition darstellt. Das bedeutet, chinesische Anleihen weiter zu halten, so Hikaru Tanaka, Fondsmanager bei Asset Management One, das 510 Milliarden Dollar verwaltet.
Obwohl der Fonds seine Gesamtmarktpositionen «deutlich reduziert» habe, bleibe man «flexibel und bewegt sich hin und her. Gleichzeitig versuchen wir, dem Markt nicht hinterherzulaufen, sondern einfach die aktuelle Phase zu überstehen».