RegelmΓ€ssig Sport treiben, 10 Kilogramm Gewicht verlieren, einen Monat lang keinen Alkohol trinken β so oder so Γ€hnlich klingen viele VorsΓ€tze, die jeweils zum Jahreswechsel gefasst werden. Viele wollen auch umsichtiger mit Geld umgehen. Doch schlechte Gewohnheiten werden nicht so leicht aufgegeben. Meistens zieht nach kurzer Zeit der alte Schlendrian wieder ein. Wenn es langfristig mit den GewohnheitsΓ€nderungen klappen soll, dann muss mit Disziplin und Γberzeugung ans Werk gegangen werden.
FΓΌr die Finanzplanung bedeutet das vor allem eins: Es gilt, ein Budget zu erstellen und ein paar Monate lang alle β wirklich alle β Ausgaben zu erfassen. Klingt banal, bleibt aber die Ausnahme. Besonders Gut- und Besserverdiener erstellen so gut wie nie ein Budget und sie kontrollieren die Ausgaben nur sporadisch. Reto Spring, PrΓ€sident des Finanzplaner Verbandes Schweiz FPVS, bestΓ€tigt das: Β«Eigentlich nur Geringverdiener tun es. Wer auf jeden Franken achten muss, der budgetiert Ausgaben konsequent.Β» Auf der anderen Seite kommt es vor, dass gerade Haushalte mit mehreren hunderttausend Franken Einkommen zum Teil Schulden fΓΌr privaten Konsum in Γ€hnlicher HΓΆhe auftΓΌrmen. Gut verdienen heisst noch lange nicht, gut mit Geld umgehen kΓΆnnen.
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Grosser Beratungsbedarf bei Kaderleuten
Der VerhaltensΓΆkonom Rolf Daxhammer erklΓ€rt: Β«Wir neigen zur Γberbewertung des heutigen Konsums gegenΓΌber dem zukΓΌnftigen und wir ΓΌberschΓ€tzen unsere FΓ€higkeiten, zukΓΌnftige finanzielle Verpflichtungen zu erfΓΌllen.Β» Das stellt auch Reto Spring immer wieder fest. Besonders erfolgreiche Arbeitnehmende wie GeschΓ€ftsfΓΌhrer und andere hohe Kader, die meinen, alles alleine regeln zu kΓΆnnen, hΓ€tten grossen Beratungsbedarf. Es sei bei der Finanzplanung etwa so wie im Spitzensport. Sagt einer Β«ich brauche keinen TrainerΒ», dann bleibt er in der Regel nur Mittelmass.
Dabei gilt es, vor allem ein paar Faustregeln zu verinnerlichen. Es gibt vereinfacht gesagt drei MΓΆglichkeiten, sich einen grΓΆsseren finanziellen Spielraum zu schaffen: erstens indem man die Einnahmen erhΓΆht, zweitens indem man die Kosten senkt und drittens indem man den Gewinn auf Finanzanlagen steigert. Das gelingt langfristig, wenn die Geisteshaltung verΓ€ndert wird. Spring ist ΓΌberzeugt, dass hinderliche Gewohnheiten geΓ€ndert werden kΓΆnnen. Allerdings nur dann, wenn die Komfortzone verlassen wird und man sich von Problemen lΓΆst. Man muss zudem KonsumwΓΌnschen widerstehen und sich bewusst werden, dass man es nur selbst schaffen kann. Andere werden einem die finanziellen Probleme nicht lΓΆsen. Und ohne Beharrlichkeit funktioniert das nicht. Transpiration kommt vor Inspiration.
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In den Boxen unten sind Anregungen, die es jeder ermΓΆglichen, ab sofort mehr Geld auf die Seite zu legen. MΓΆgen die guten VorsΓ€tze vielleicht bereits wieder vergessen sein, fΓΌr den finanzplanerischen FrΓΌhlingsputz ist es noch nicht zu spΓ€t.
Einnahmen erhΓΆhen: Doppelverdienen lohnt sich langfristig
Jobwechsel Die einfachste Variante, mehr Geld zu verdienen, ist es, eine neue Arbeit anzunehmen. Innerhalb eines Unternehmens ist es meist nicht mΓΆglich, in absehbarer Zeit deutliche Lohnfortschritte zu erzielen. Doch viele fΓΌrchten sich vor neuen Herausforderungen und ziehen vermeintliche Sicherheit vor. Sicherheit hat immer hohe OpportunitΓ€tskosten. Und wer zu lange dieselbe Arbeit verrichtet, ist kaum mehr vermittelbar.
Doppelverdiener Bei der FamiliengrΓΌndung und Heirat stellt sich fΓΌr Paare die Frage, ob wirklich beide weiterarbeiten sollen. Wegen Steuerprogression und Krippe sieht es teilweise so aus, als wΓΌrde sich das nicht lohnen. Vergessen wird dabei, dass verheiratete Doppelverdiener anwartschaftliche Rentenleistungen erzielen und sich gegenseitig gegen viele EventualitΓ€ten absichern. Konkubinatspaare mΓΌss(t)en die Versicherungen privat abschliessen. Was sich vielleicht kurzfristig nicht lohnt, kann langfristig also sehr viel wert sein. Und wer lΓ€ngere Zeit nicht berufstΓ€tig ist, kann meist nicht mehr in den erlernten Beruf zurΓΌckkehren oder nur zu schlechtem Lohn.
Weiterbildung Heute ein Muss β ΓΌberall.
Kosten sparen
Budget erstellen Es kann nicht oft genug betont werden. Erstellen Sie ein Budget! Nur so erkennen Sie, wie gross das monatliche Sparpotenzial ist β 20 Prozent des Nettoeinkommens sollte es mindestens betragen. Und bezahlt wird ab sofort nur noch bar: Online, auf Kredit und ΓΌber Twint gekaufte Dinge verzerren die Wahrnehmung des finanziellen Spielraums. Den anvisierten Sparbetrag, den Beitrag an die SΓ€ule 3a, die Steuern jeweils Ende Monat per Dauerauftrag ΓΌberweisen.
Doppelspurigkeiten vermeiden Konkubinatspaare zahlen oft fΓΌr je eine Hausrat- und je eine Privathaftpflichtversicherung. PrΓΌfen Sie das Sparpotenzial im Bereich Versicherungen respektive ob die Leistungen noch zeitgemΓ€ss sind. FPVS-PrΓ€sident Reto Spring veranschlagt das Sparpotenzial im Bereich Versicherungen in eigentlich jedem Haushalt auf rund 10 Prozent pro Jahr.
Smart kaufen Vermeintlich kleine Dinge β wie den morgendlichen Kaffee von Starbucks β zu substituieren, kann Einsparungen von Hunderten von Franken pro Jahr bringen. Lassen Sie sich von neuen Bewegungen wie Β«MinimalismusΒ» und Β«FIRE β Financial Independence, Retire EarlyΒ» inspirieren.
Gewinn steigern: Aktien und Immobilien
LiquiditΓ€t FlΓΌssige Mittel seien wie Atemluft, erklΓ€rt Reto Spring. Erst wenn sie knapp werden, erkennt man deren Wichtigkeit. Eine eiserne Reserve von zwei MonatsgehΓ€ltern ist fΓΌr Arbeitnehmende zu empfehlen. Familien und SelbstΓ€ndige legen besser drei MonatsgehΓ€lter fΓΌr Unvorhergesehenes auf die Seite. Mehr bringt es in der Regel nicht, denn wegen der Inflation verliert das VermΓΆgen auf dem Sparkonto stetig an Wert. Geld, das zehn Jahre und mehr nicht benΓΆtigt wird, ist zu investieren.
Aktien Alle Arbeitnehmerβ ob sie wollen oder nicht β sind Aktiensparer, ΓΌber die AHV und das BVG. Aber auch privat ist die Anlageklasse alternativlos. Γber die Zeit gibt es nirgendwo so hohe ErtrΓ€ge. Je sicherer der eigene Job ist, desto mehr Risiken kΓΆnnen beim Anlegen eingegangen werden. Investmentbanker sollten also konservativ anlegen, Γrzte risikoreich.
Immobilien Selbstbewohntes Eigentum hat Vorteile. So wirkt etwa der Zwang zur Amortisation disziplinierend. Die Belehnung sollte bis zur Pension auf unter 30 Prozent reduziert werden. Zudem sollten fΓΌr Sanierungen und Unterhaltskosten grosszΓΌgige RΓΌckstellungen gemacht werden.