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Immobilien

Das Eigenheim dient auch als Inflationsschutz. Aber wie lange noch?

Selbst genutztes Wohneigentum sichert nur noch in der langen Frist gegen hohe Teuerungsraten ab. Eine Folge moderner Geldpolitik.

Francis Schwartz

Hypotheken Symbol Einfamilienhaus Eigenheim
Immobilien bieten einen zuverlรคssigenย Inflationsschutzย โ€“ so die verbreitete Meinung. Getty Images/EyeEm

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Seit Bekanntwerden der รผberraschend hohen Inflationsraten in den USA stellt sich die Frage, ob die eigenen vier Wรคnde tatsรคchlich als Inflationsschutz taugen, sollten wider Erwarten auch hierzulande hรถhere Teuerungsraten aufkommen.
Immobilien bieten als Realwerte einen zuverlรคssigen Inflationsschutz โ€“ so die verbreitete Meinung. Werden Konsumgรผter teurer, so steigen bald auch die Lรถhne. Steigen die Lรถhne, so haben die Menschen nominal mehr Geld im Sack. Diese hรถheren Nominallรถhne treiben die Preise weiter an. Die klassische Lohnpreisspirale setzt ein.
Auch die Immobilienpreise werden demnach irgendwann in diese Spirale hineingezogen und steigen mit dem Konsumpreisniveau. Hinzu kommt, dass es sich bei Immobilien um ein natรผrlicherweise knappes Gut handelt. Dieses steht einer potenziell unbegrenzten Geldmenge gegenรผber, und sein nominaler Wert steigt, wenn die Geldmenge zunimmt.

Keine unmittelbare Absicherung

Betrachtet man die Preisentwicklung fรผr selbst genutztes Wohneigentum wรคhrend der letzten fรผnfzig Jahre, so stellt man fest, dass die Immobilienpreise bis Mitte der 1980er Jahre in den Perioden mit hohen Teuerungsraten tatsรคchlich รผberdurchschnittlich stark gestiegen sind. Seit der Immobilienkrise der 1990er Jahre besteht dieser Zusammenhang jedoch nicht mehr.

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Francis Schwartz ist Immobilienmarktanalyst fรผr Raiffeisen Schweiz in St. Gallen.
Trotz hohen Teuerungsraten sind die Immobilienpreise in den 1990er Jahren gesunken. Die beiden Jahrzehnte nach der Jahrtausendwende waren von tiefen und zuletzt sogar negativen Teuerungsraten geprรคgt, und trotzdem stiegen die Immobilienpreise im Rekordtempo. Der eben beschriebene Zusammenhang zwischen Inflationsraten und Immobilienpreisen besteht also seit รผber dreissig Jahren nicht mehr.
Der Hauptgrund dafรผr, weshalb dieser Zusammenhang kurz- und mittelfristig nicht mehr besteht, ist in der modernen Geldpolitik zu finden. Um die Preisstabilitรคt zu garantieren, reagieren die Notenbanken heute unmittelbar mit einer restriktiveren Geldpolitik auf hรถhere Inflationsraten oder auch nur schon auf die Erwartung von solchen.
Ein tieferes Geldmengenwachstum sowie hohe Zinsen haben negative Effekte auf die Immobilienpreise. Entgegen der ersten Intuition kรถnnen hรถhere Inflationsraten oder -erwartungen so zu sinkenden Immobilienpreisen fรผhren. Der Realwert Eigenheim sichert somit nicht gegen eine hรถhere Inflation ab. Im Gegenteil.

Volatilere Vermรถgenspreise

Umgekehrt begegnen die Notenbanken Deflationsรคngsten heute entschieden mit Zinssenkungen und einer expansiven Geldpolitik. Die Folge sind steigende Immobilienpreise, wie sie in den letzten 25 Jahren zu beobachten waren.

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Unser Podcast zum Thema

Weil moderne Notenbanken die Konsumpreisinflation heute zeitnaher und prรคziser steuern kรถnnen und bereits schon auf verรคnderte Inflationserwartungen mittels geldpolitischer Massnahmen reagieren, gehรถren anhaltende Perioden mit hoher Inflation fรผr viele ร–konomen und ร–konominnen der Vergangenheit an. Fรผr das stabile Preisniveau werden aber volatilere Vermรถgenspreise als Kollateralschaden hingenommen.
Eine leicht positive Inflationsrate wird jedoch auch in der neuen Welt der Notenbanken als wรผnschenswert erachtet. Sie schaffe einen Anreiz, Geld nicht zu horten, sondern auszugeben, so die Argumentation. Auch wenn Immobilien heute keinen unmittelbaren kurz- und mittelfristigen Schutz gegen Inflation mehr bieten โ€“ in der sehr langen Frist bestehen die eingangs beschriebenen klassischen รถkonomischen Zusammenhรคnge weiterhin und die Immobilienpreise steigen mit dem allgemeinen Preisniveau mit.

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