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Börsen-Philosoph: «Egoismus und Ethik schliessen sich nicht aus»

Regiert an den Finanzmärkten nur die Gier? Der deutsche Ethiker Sven Grzebeta ist vom Gegenteil überzeugt.

Alex Reichmuth

Sven Grzebeta
Wirtschaftsphilosoph Sven Grzebeta suchte nach Ethik an der Börse. zVg

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Beim Begriff Börse denken viele Leute an ein Casino, wo die Gier herrscht, und an eine Institution fern von Ethik. Wie konnte es so weit kommen?
Sven Grzebeta: In der Tat haben Glücksspiele und Finanzinvestments auf den ersten Blick eine gewisse Ähnlichkeit. Dazu kommt, dass bei Darstellungen des Börsengeschehens in Romanen und Filmen ein Stück weit immer der Exzess und die Katastrophe mitspielen. In Wahrheit aber stiftet eine funktionierende Börse volkswirtschaftlichen Nutzen, weil sie Investorengeld in die profitabelsten Finanzierungen lenkt, während Glücksspiele nur spielerischen Genuss erzeugen. Man muss die Börse an der Erfüllung ihrer volkswirtschaftlichen Aufgabe sowie an den moralischen Anforderungen der Gerechtigkeit messen – sie ist eben kein Casino.

Kritischer Ethiker

Wirtschaftsphilosoph Sven Grzebeta (50) studierte Philosophie und Englisch in Bochum, Dublin und Würzburg. Seine Doktorarbeit verfasste er über die Ethik und Ästhetik an der Börse. Er arbeitet seit über zwanzig Jahren in Frankfurt in der Finanzbranche, unter anderem als Produktentwickler und Innovationsmanager. Daneben forscht und veröffentlicht er zum Thema Finanzethik. Grzebeta ist verheiratet, hat einen Sohn und wohnt in Offenbach.

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