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Weltraum-Aktien

Von Raketenstartern und Rohrkrepierern in einer boomenden Industrie

Die Raumfahrt verzeichnet enorme Wachstumsraten. Doch die Risiken sind gross. Ein selektives Vorgehen beim Anlegen ist Pflicht.

Thomas Daniel Marti

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Das Starship von SpaceX vor dem dritten Testflug. imago/UPI Photo

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Die Raumfahrt gehรถrt zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftsbereichen, der Umsatz soll sich gemรคss dem Unternehmensberater PwC bis 2030 verdoppeln. Kein Wunder, sorgen viele Weltraum-Valoren an den Aktienmรคrkten fรผr Furore. So zog innert Jahresfrist der Aktienkurs von AST Spacemobile um 380 Prozent an, jener von Planet Labs um 499 Prozent oder der von Rocket Lab um 185 Prozent.
Der jรผngste Treiber der Kursrally sind Datenzentren im Weltraum. Das tรถnt auf den ersten Blick nach Utopie, aber die Analysten der Deutschen Bank haben nachgerechnet - und sind zum gegenteiligen Schluss gekommen. Diese Datenzentren werden mรถglich, weil die Kosten fรผr den Transport in den Weltraum bis 2030 dramatisch sinken sollen. Derzeit liegen diese noch bei rund 100 Millionen Dollar pro Raketenstart respektive 1600 Dollar pro Tonne transportierten Material. Dank Kapazitรคtserweiterungen bei der mitgefรผhrten Tonnage und gรผnstigeren Raketen sollten die Gesamtkosten bis 2030 auf 10 Millionen pro Raketenstart respektive 67 Dollar pro Tonne fallen.

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Der Chief Space Officer von Planet Labs, James Mason, liefert weitere Argumente fรผr Datenzentren im Weltall und zeigt sich zuversichtlich, die technischen Hรผrden zu meistern. Das betrifft einerseits die Flughรถhe, die Positionierung der Satelliten fรผr die optimale Sonneneinstrahlung zur Stromgewinnung oder auch die radioaktive Strahlung, denen diese Einheiten ausgesetzt sind. Planet Labs hat weltweit die grรถsste Flotte von Erdbeobachtungssatelliten in Betrieb. Die Daten werden hauptsรคchlich fรผr Anwendungen in der Landwirtschaft, Verteidigung, im Finanzsektor und in der Umweltรผberwachung verwendet.
Die bessere Zugรคnglichkeit zum Weltraum wirkt sich dabei auf neuere Akteure wie die US-Unternehmen Planet Labs oder Rocket Lab positiv aus. Das Geschรคftsmodell basiert zunehmend auf kostengรผnstigen und wiederverwendbaren Raketen. Rocket Lab ist unter anderem an der Raumfahrtmission Escapade der NASA zur Erforschung der Magnetosphรคre des Mars beteiligt.

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Mit Spannung erwartetes SpaceX-IPO

Im Juni 2026 wird der Bรถrsengang von SpaceX erwartet. Dabei kรถnnte das Luftfahrt-Unternehmen mit bis zu 1,5 Billionen Dollar bewertet und zu einem der teuersten Firmen der Welt werden. Lisa Rich, operative Chefin von Xplore, hรคlt รผber Hemisphere Ventures Aktien von SpaceX. Sie hรคlt die erwartete Bewertung fรผr das Weltraumfahrtunternehmen fรผr realistisch.
ยซDie Bewertung reprรคsentiert nicht nur den Wert des Unternehmens fรผr hochfrequente und zuverlรคssige Raketenstarts, sondern auch den grรถsseren Wert der Kommunikationsdienste von Starlink, der zukรผnftigen Fรคhigkeiten der Starship-Raumschiffe und so weiterยป, sagte Rich gegenรผber cash.ch (mehr hier). Wer sich an SpaceX beteiligen will, kann dies heute schon indirekt tun. Beteiligungen halten unter anderem Alphabet oder auch der Investmentfonds ยซScottish Mortgage Investment Trustยป. Alphabet hat einen Anteil von 7 Prozent an SpaceX.

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SpaceX ist nicht mit den anderen Weltraum-Firmen zu vergleichen, da die Marktausrichtung und der Umfang unterschiedlich sind: SpaceX zielt mit seinen ยซยปFalcon 9ยป- respektive ยซStarshipยป-Raketen auf Schwerlasttransporte und den Aufbau grosser Satellitenkonstellationen ab, wรคhrend Rocket Lab mit Kleinsatelliten begann und nun in den Bereich mittlerer Nutzlasten vordringt, um dedizierte und flexiblere Starts anzubieten.
Dies steht im Gegensatz zum Fokus von SpaceX auf die Marktfรผhrerschaft im Bereich kosteneffizienter Startservices und den eigenen Starlink-Ambitionen. Das Unternehmen von Elon Musk zeichnet sich durch den Transport massiver Nutzlasten zu niedrigen Kosten pro Kilogramm aus, wรคhrend Rocket Lab massgeschneiderte und schnellere Dienste fรผr kleinere Kunden anbietet, die sich die hohen Preise fรผr Raketen nicht leisten kรถnnen oder diese Kapazitรคt nicht benรถtigen.

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Die Raumfahrt nimmt in der aktuellen geopolitischen Lage einen hohen strategischen Stellenwert ein. Die Verteidigungsausgaben steigen und Regierungen stรคrken die industriellen Kapazitรคten auch von etablierten Unternehmen wie Bae Systems, BlackSky, Boeing, Lockheed, Northrop, Rocket Lab, RTX und SpaceX.

Trotz Rรผckenwind durch die Geopolitik nicht nur Gewinner

Der Sektor ist nicht nur von Kursraketen wie AST Spacemobile, Rocket Lab oder Planet Labs geprรคgt. Die Risiken sind hoch, entsprechend stehen den Top-Performern eine ganze Reihe von Verlierern gegenรผber. Das prominenteste Beispiel ist Virgin Galactic, dessen Aktie innert dreier Jahre mehr als 95 Prozent an Wert verloren hatte. Dies, nachdem im Juni 2024 die Flรผge mit dem zu teuren Raumschiff VSS Unity eingestellt wurde. Seither hat das Unternehmen Jahr fรผr Jahr rund eine halbe Milliarde Dollar verbrannt, eine Kapitalerhรถhung folgte auf die nรคchste. Immerhin soll das neue Raumschiff 2026 den Betrieb aufnehmen.

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In die Knie ging auch das bayrische Unternehmen Mynaric. Die Firma entwickelte Produkte fรผr die Laserkommunikation und erhoffte sich einen Massenmarkt. 2020 attestierte die franzรถsische Reserch-Boutique Kepler Cheuvreux der Aktie noch ein Aufwรคrtspotenzial auf 95 Euro. Kurzfristig erreichte der Valor im Februar 2022 ein Allzeithoch von 86,20 Euro, ehe es hernach auf 25 Eurocents zurรผckging und Investierenden einen Verlust von 99 Prozent bescherte.
Es half auch nicht, dass Anbieter wie SpaceX, One Web und Amazon tausende Kleinsatelliten in den Weltraum schossen. Mynaric hรคtte davon defintiv profitiert, an den technologischen Fรคhigkeiten lag es nicht. Vielmehr ging der Firma das Geld aus, bevor sich der kommerzielle Erfolg einstellte.

Zwei Schweizer Firmen spielen mit

Wer sich in diesem Sektor engagieren will, wird auch am hiesigen Kapitalmarkt mit Cicor und Montana Aerospace fรผndig. Das Unternehmen ist ein Elektronikfertigungsdienstleister mit rund 60-jรคhriger Geschichte und gilt als รคusserst wettbewerbsfรคhiger Akteur in komplexen Fertigungsprozessen, der spezialisiertes Fachwissen erfordert.

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Die Nordea Bank argumentiert in einer Unternehmensstudie, Cicor habe strukturell intakte Wachstumsaussichten und die Margenverbesserung wรผrde eine Bewertung nahe derjenigen vergleichbarer Unternehmen rechtfertigen. Die Bank hรคlt Fusionen und รœbernahmen in naher Zukunft fรผr wahrscheinlich und attestiert den Valoren ein Aufwรคrtspotenzial von 20 Prozent.
Montana Aerospace ist ein fรผhrender, wachstumsorientierter Hersteller von Strukturkomponenten und Baugruppen fรผr die Luft- und Raumfahrt mit Spezialisierung auf Leichtbauteile aus Aluminium und Titan. Die Aktie hat sich seit letztem April mehr als verdoppelt. Berenberg erwartet fรผr das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 10 Prozent im Zeitraum 2026 bis 2028, angetrieben durch steigende Produktionsraten bei Airbus und Boeing. Der zustรคndige Analyst empfiehlt die Aktien zum Kauf, da das Unternehmen nach dem Verkauf des Energiegeschรคfts und der Umwandlung von Schulden in Eigenkapital in diesem Jahr einen Liquiditรคtsรผberschuss ausweisen und damit zusรคtzlichen Spielraum fรผr ergรคnzende M&A-Transaktionen gewinnen dรผrfte.

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In Europa spielen Airbus, Safran, Thales und Leonardo eine zentrale Rolle in der Raumfahrtindustrie. Airbus entwickelt รผber ยซAirbus Defence and Spaceยป wichtige Raumfahrzeuge, Satelliten und Trรคgersysteme. Darunter befindet sich auch die Ariane-Raketen, welche in Zusammenarbeit mit der ยซEuropean Space Agencyยป (ESA) entwickelt und betrieben werden. Safran wiederum liefert die Triebwerke fรผr die Ariane-Raketen.

ETFs und Tracker-Zertifikat

Eine gute Wahl im Gesamtkontext sind ETF oder ein Tracker-Zertifikat auf den Sektor: Die zwei ETF ยซProcure Space ETFยป und ยซVaneck Space Innovators ETFยป sowie der ยซUBS Open End Tracker Euronext Helios Space Indexยป. Interessant sind die tiefen Gesamtkosten. Das ยซTotal Expense Ratioยป (TER) liegt zwischen 0,5 Prozent und 0,85 Prozent.
An der Bรถrse entwickelten sich diese ETF und das Tracker Zertifikat flott. Das ยซUBS Open End Tracker Euronext Helios Space Indexยป legte seit Auflegung vor drei Jahren um 80 Prozent zu, der ยซProcure Space ETFยป im gleichen Zeitraum um 129 Prozent und der ยซVaneck Space Innovators ETFยป um 95 Prozent.

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Im ยซUBS Open End Tracker Euronext Helios Space Indexยป sind im Vergleich zu den zwei ETF europรคische Werte deutlich stรคrker gewichtet und weniger Weltraum-lastig. Die grรถssten Positionen sind ASML (11 Prozent Gewichtung), Rolls Royce (10 Prozent), Airbus (10 Prozent), Safran (10 Prozent), Air Liquide (9 Prozent), Rheinmetall (9 Prozent), Bae Systems (8 Prozent) und TE Connectivity (7 Prozent).

Dieser Artikel erschien zuerst bei Cash.

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