Die Raumfahrt gehΓΆrt zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftsbereichen, der Umsatz soll sich gemΓ€ss dem Unternehmensberater PwC bis 2030 verdoppeln. Kein Wunder, sorgen viele Weltraum-Valoren an den AktienmΓ€rkten fΓΌr Furore. So zog innert Jahresfrist der Aktienkurs von AST Spacemobile um 380 Prozent an, jener von Planet Labs um 499 Prozent oder der von Rocket Lab um 185 Prozent.
Der jΓΌngste Treiber der Kursrally sind Datenzentren im Weltraum. Das tΓΆnt auf den ersten Blick nach Utopie, aber die Analysten der Deutschen Bank haben nachgerechnet - und sind zum gegenteiligen Schluss gekommen. Diese Datenzentren werden mΓΆglich, weil die Kosten fΓΌr den Transport in den Weltraum bis 2030 dramatisch sinken sollen. Derzeit liegen diese noch bei rund 100 Millionen Dollar pro Raketenstart respektive 1600 Dollar pro Tonne transportierten Material. Dank KapazitΓ€tserweiterungen bei der mitgefΓΌhrten Tonnage und gΓΌnstigeren Raketen sollten die Gesamtkosten bis 2030 auf 10 Millionen pro Raketenstart respektive 67 Dollar pro Tonne fallen.
Der Chief Space Officer von Planet Labs, James Mason, liefert weitere Argumente fΓΌr Datenzentren im Weltall und zeigt sich zuversichtlich, die technischen HΓΌrden zu meistern. Das betrifft einerseits die FlughΓΆhe, die Positionierung der Satelliten fΓΌr die optimale Sonneneinstrahlung zur Stromgewinnung oder auch die radioaktive Strahlung, denen diese Einheiten ausgesetzt sind. Planet Labs hat weltweit die grΓΆsste Flotte von Erdbeobachtungssatelliten in Betrieb. Die Daten werden hauptsΓ€chlich fΓΌr Anwendungen in der Landwirtschaft, Verteidigung, im Finanzsektor und in der UmweltΓΌberwachung verwendet.
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Die bessere ZugΓ€nglichkeit zum Weltraum wirkt sich dabei auf neuere Akteure wie die US-Unternehmen Planet Labs oder Rocket Lab positiv aus. Das GeschΓ€ftsmodell basiert zunehmend auf kostengΓΌnstigen und wiederverwendbaren Raketen. Rocket Lab ist unter anderem an der Raumfahrtmission Escapade der NASA zur Erforschung der MagnetosphΓ€re des Mars beteiligt.
Mit Spannung erwartetes SpaceX-IPO
Im Juni 2026 wird der BΓΆrsengang von SpaceX erwartet. Dabei kΓΆnnte das Luftfahrt-Unternehmen mit bis zu 1,5 Billionen Dollar bewertet und zu einem der teuersten Firmen der Welt werden. Lisa Rich, operative Chefin von Xplore, hΓ€lt ΓΌber Hemisphere Ventures Aktien von SpaceX. Sie hΓ€lt die erwartete Bewertung fΓΌr das Weltraumfahrtunternehmen fΓΌr realistisch.
Β«Die Bewertung reprΓ€sentiert nicht nur den Wert des Unternehmens fΓΌr hochfrequente und zuverlΓ€ssige Raketenstarts, sondern auch den grΓΆsseren Wert der Kommunikationsdienste von Starlink, der zukΓΌnftigen FΓ€higkeiten der Starship-Raumschiffe und so weiterΒ», sagte Rich gegenΓΌber cash.ch (mehr hier). Wer sich an SpaceX beteiligen will, kann dies heute schon indirekt tun. Beteiligungen halten unter anderem Alphabet oder auch der Investmentfonds Β«Scottish Mortgage Investment TrustΒ». Alphabet hat einen Anteil von 7 Prozent an SpaceX.
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SpaceX ist nicht mit den anderen Weltraum-Firmen zu vergleichen, da die Marktausrichtung und der Umfang unterschiedlich sind: SpaceX zielt mit seinen «»Falcon 9»- respektive «Starship»-Raketen auf Schwerlasttransporte und den Aufbau grosser Satellitenkonstellationen ab, wÀhrend Rocket Lab mit Kleinsatelliten begann und nun in den Bereich mittlerer Nutzlasten vordringt, um dedizierte und flexiblere Starts anzubieten.
Dies steht im Gegensatz zum Fokus von SpaceX auf die MarktfΓΌhrerschaft im Bereich kosteneffizienter Startservices und den eigenen Starlink-Ambitionen. Das Unternehmen von Elon Musk zeichnet sich durch den Transport massiver Nutzlasten zu niedrigen Kosten pro Kilogramm aus, wΓ€hrend Rocket Lab massgeschneiderte und schnellere Dienste fΓΌr kleinere Kunden anbietet, die sich die hohen Preise fΓΌr Raketen nicht leisten kΓΆnnen oder diese KapazitΓ€t nicht benΓΆtigen.
Die Raumfahrt nimmt in der aktuellen geopolitischen Lage einen hohen strategischen Stellenwert ein. Die Verteidigungsausgaben steigen und Regierungen stΓ€rken die industriellen KapazitΓ€ten auch von etablierten Unternehmen wie Bae Systems, BlackSky, Boeing, Lockheed, Northrop, Rocket Lab, RTX und SpaceX.
Trotz RΓΌckenwind durch die Geopolitik nicht nur Gewinner
Der Sektor ist nicht nur von Kursraketen wie AST Spacemobile, Rocket Lab oder Planet Labs geprΓ€gt. Die Risiken sind hoch, entsprechend stehen den Top-Performern eine ganze Reihe von Verlierern gegenΓΌber. Das prominenteste Beispiel ist Virgin Galactic, dessen Aktie innert dreier Jahre mehr als 95 Prozent an Wert verloren hatte. Dies, nachdem im Juni 2024 die FlΓΌge mit dem zu teuren Raumschiff VSS Unity eingestellt wurde. Seither hat das Unternehmen Jahr fΓΌr Jahr rund eine halbe Milliarde Dollar verbrannt, eine KapitalerhΓΆhung folgte auf die nΓ€chste. Immerhin soll das neue Raumschiff 2026 den Betrieb aufnehmen.
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In die Knie ging auch das bayrische Unternehmen Mynaric. Die Firma entwickelte Produkte fΓΌr die Laserkommunikation und erhoffte sich einen Massenmarkt. 2020 attestierte die franzΓΆsische Reserch-Boutique Kepler Cheuvreux der Aktie noch ein AufwΓ€rtspotenzial auf 95 Euro. Kurzfristig erreichte der Valor im Februar 2022 ein Allzeithoch von 86,20 Euro, ehe es hernach auf 25 Eurocents zurΓΌckging und Investierenden einen Verlust von 99 Prozent bescherte.
Es half auch nicht, dass Anbieter wie SpaceX, One Web und Amazon tausende Kleinsatelliten in den Weltraum schossen. Mynaric hΓ€tte davon defintiv profitiert, an den technologischen FΓ€higkeiten lag es nicht. Vielmehr ging der Firma das Geld aus, bevor sich der kommerzielle Erfolg einstellte.
Zwei Schweizer Firmen spielen mit
Wer sich in diesem Sektor engagieren will, wird auch am hiesigen Kapitalmarkt mit Cicor und Montana Aerospace fΓΌndig. Das Unternehmen ist ein Elektronikfertigungsdienstleister mit rund 60-jΓ€hriger Geschichte und gilt als Γ€usserst wettbewerbsfΓ€higer Akteur in komplexen Fertigungsprozessen, der spezialisiertes Fachwissen erfordert.
Die Nordea Bank argumentiert in einer Unternehmensstudie, Cicor habe strukturell intakte Wachstumsaussichten und die Margenverbesserung wΓΌrde eine Bewertung nahe derjenigen vergleichbarer Unternehmen rechtfertigen. Die Bank hΓ€lt Fusionen und Γbernahmen in naher Zukunft fΓΌr wahrscheinlich und attestiert den Valoren ein AufwΓ€rtspotenzial von 20 Prozent.
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Montana Aerospace ist ein fΓΌhrender, wachstumsorientierter Hersteller von Strukturkomponenten und Baugruppen fΓΌr die Luft- und Raumfahrt mit Spezialisierung auf Leichtbauteile aus Aluminium und Titan. Die Aktie hat sich seit letztem April mehr als verdoppelt. Berenberg erwartet fΓΌr das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 10 Prozent im Zeitraum 2026 bis 2028, angetrieben durch steigende Produktionsraten bei Airbus und Boeing. Der zustΓ€ndige Analyst empfiehlt die Aktien zum Kauf, da das Unternehmen nach dem Verkauf des EnergiegeschΓ€fts und der Umwandlung von Schulden in Eigenkapital in diesem Jahr einen LiquiditΓ€tsΓΌberschuss ausweisen und damit zusΓ€tzlichen Spielraum fΓΌr ergΓ€nzende M&A-Transaktionen gewinnen dΓΌrfte.
In Europa spielen Airbus, Safran, Thales und Leonardo eine zentrale Rolle in der Raumfahrtindustrie. Airbus entwickelt ΓΌber Β«Airbus Defence and SpaceΒ» wichtige Raumfahrzeuge, Satelliten und TrΓ€gersysteme. Darunter befindet sich auch die Ariane-Raketen, welche in Zusammenarbeit mit der Β«European Space AgencyΒ» (ESA) entwickelt und betrieben werden. Safran wiederum liefert die Triebwerke fΓΌr die Ariane-Raketen.
ETFs und Tracker-Zertifikat
Eine gute Wahl im Gesamtkontext sind ETF oder ein Tracker-Zertifikat auf den Sektor: Die zwei ETF Β«Procure Space ETFΒ» und Β«Vaneck Space Innovators ETFΒ» sowie der Β«UBS Open End Tracker Euronext Helios Space IndexΒ». Interessant sind die tiefen Gesamtkosten. Das Β«Total Expense RatioΒ» (TER) liegt zwischen 0,5 Prozent und 0,85 Prozent.
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An der BΓΆrse entwickelten sich diese ETF und das Tracker Zertifikat flott. Das Β«UBS Open End Tracker Euronext Helios Space IndexΒ» legte seit Auflegung vor drei Jahren um 80 Prozent zu, der Β«Procure Space ETFΒ» im gleichen Zeitraum um 129 Prozent und der Β«Vaneck Space Innovators ETFΒ» um 95 Prozent.
Im Β«UBS Open End Tracker Euronext Helios Space IndexΒ» sind im Vergleich zu den zwei ETF europΓ€ische Werte deutlich stΓ€rker gewichtet und weniger Weltraum-lastig. Die grΓΆssten Positionen sind ASML (11 Prozent Gewichtung), Rolls Royce (10 Prozent), Airbus (10 Prozent), Safran (10 Prozent), Air Liquide (9 Prozent), Rheinmetall (9 Prozent), Bae Systems (8 Prozent) und TE Connectivity (7 Prozent).