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Markt-Interview

«Aktien bleiben die interessanteste Anlage»

Pictet-Stratege Anastassios Frangulidis rechnet mit einem positiven Jahresfinish. Das Gewinnwachstum beeindruckt ihn.

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Anastassios Frangulidis ist der Chefstratege von Pictet Asset Management in Zürich. Er ist zudem Leiter Multi Asset Switzerland und damit für die gemischten Anlagen zuständig.
Anastassios Frangulidis ist der Chefstratege von Pictet Asset Management in Zürich. Er ist zudem Leiter Multi Asset Switzerland und damit für die gemischten Anlagen zuständig.Pictet Group

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Herr Frangulidis, trotz der Korrektur der vergangenen Wochen liegt der MSCI World noch zweistellig im Plus. Geht das Jahr auch positiv zu Ende?

Ich denke schon. Es gibt natürlich Unsicherheit rund um die Geopolitik und die Energiepreise. Aber das Renditeniveau von fünf Prozent in Amerika reicht meiner Meinung nach nicht aus, um die gute Performance an den Aktienmärkten zu kippen. Der Hauptgrund ist ein aussergewöhnliches Gewinnjahr: Für den MSCI World erwarten wir 2026 rund 35 Prozent Gewinnwachstum, für 2027 nochmals 14 Prozent. Ich bin 30 Jahre in diesem Geschäft – mit Ausnahme der Periode 2003 bis 2007 habe ich eine derart starke Aufwärtsrevision der Gewinnschätzungen noch nie erlebt.

Was sind die Treiber?

Vor allem die riesigen Investitionen in die Technologie und die künstliche Intelligenz. Bei Hardware reden wir dieses Jahr von Wachstumsraten um die 100 Prozent, bei Halbleitern um 130 Prozent. Aber selbst wenn man den KI-Teil herausrechnet, liegt das globale Gewinnwachstum noch bei 17, 18 Prozent. Die Margen der Unternehmen sind ausserordentlich hoch. Das treibt den Markt, zumal die Bewertungen inzwischen tiefer sind als zu Jahresbeginn.

Was sind die grössten Risiken – die Midterm-Wahlen, eine Eskalation im Iran, die Inflation, der Bondmarkt?

Das grösste Risiko bleiben die Energiepreise. Steigen sie weiter, ziehen auch die Inflationserwartungen an, und die Notenbanken kommunizieren noch hawkisher. Grundsätzlich sollte der Markt das dank der guten Gewinnentwicklung verkraften – bis zu einer Rendite von 5,5 Prozent bei zehnjährigen US-Anleihen. Die Midterm-Wahlen dagegen beunruhigen mich wenig: Kommt es so, wie die Umfragen zeigen, dürften die Märkte kaum reagieren.

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Welche Anlagen finden Sie in diesem Umfeld aussichtsreich?

Aktien bleiben die interessanteste Anlageklasse, allen voran IT, aber auch Industriewerte, weil die globalen PMIs so hoch stehen wie seit drei, vier Jahren nicht mehr. Schwellenländer sind sowohl bei Aktien als auch bei Obligationen interessant. Bei Obligationen insgesamt sind wir seit Langem stark untergewichtet. Durch die steile Korrektur werden sie langsam wieder interessant.

Und der Schweizer Aktienmarkt?

Der Markt ist wegen Nestlé, Novartis und Roche sehr defensiv geprägt, diese drei Titel machen rund 40 Prozent aus. Es ist nicht unbedingt die Phase für defensive Märkte. Interessanter finden wir Mid und Small Caps mit Industrie- oder Exportbezug nach Europa. Sie haben stark korrigiert und erholen sich jetzt mit den PMIs wieder.

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