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Lebensmittelmulti

Wie geht es mit den Nestlé-Aktien nach dem Russland-Schock weiter?

Die Angst vor einer Zwangsenteignung in Russland schickte die Papiere des Lebensmittelmultis auf Talfahrt. Wie geht es weiter?

Luca_Niederkofler

Schriftzug und Logo von Nestlé.
Schriftzug und Logo von Nestlé.Bloomberg

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Die Aktien von Nestlé gerieten zu Wochenbeginn massiv unter Druck und büssten 2,8 Prozent auf 78,71 ein. Damit rutschte der Titel deutlich unter die psychologisch wichtige Marke von 80 ab. Für den einstigen defensiven Schweizer Vorzeigewert markiert dieser Kursrutsch einen weiteren bitteren Rückschlag - denn bereits zwei Sitzungen zuvor war der Kurs kurzzeitig unter diese Schwelle gefallen, konnte sich danach aber wieder erholen. Am Dienstagmorgen verlieren die Titel erneut und fallen um 0,1 Prozent auf 78,65 Franken.
Was steckt hinter dem Kursrückgang? Laut Medienberichten hat ein russisches Logistikunternehmen die russische Regierung aufgefordert, fünf lokale Gesellschaften des Konzerns unter staatliche Zwangsverwaltung zu stellen. Zwar erklärte das Unternehmen umgehend, man sei von staatlichen Stellen nicht kontaktiert worden und erfülle alle Verpflichtungen. Dennoch weckt die Meldung unschöne Erinnerungen an Konkurrenten wie Danone oder Carlsberg, die ihr lokales Geschäft nach behördlichen Eingriffen mit Milliardenverlusten abstossen mussten.
Mit rund 2 Prozent des Umsatzes spielt das Russland-Geschäft für Nestlé keine wichtige Rolle. Dennoch kommt eine mögliche Enteignung zu einem schlechten Zeitpunkt für den Nahrungsmittelriesen. Seit dem Rekordhoch vor fünf Jahren haben die Nestlé-Aktien zeitweise fast die Hälfte an Wert verloren. Aktuell notieren sie 38 Prozent tiefer. Die Schockmeldung kommt damit in einem von schwachen Erholungsversuchen geprägten Umfeld.

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Aus technischer Sicht ist die Lage für die Papiere derzeit äusserst angespannt. Eine erste wichtige Unterstützung wartet nun bei 78,20 bis 78,30 Franken, bevor bei einem weiteren Abrutschen die Marke von 76,20 bis 76,60 Franken in den Fokus rücken dürfte. Sollte hingegen eine Gegenbewegung einsetzen, müssten die Titel zunächst den harten Widerstand bei 80,20 Franken überwinden. Erst bei einem nachhaltigen Ausbruch über die Hürde von 81,10 Franken könnte sich das Chartbild wieder merklich aufhellen und die aktuelle Abwärtsdynamik brechen.
Auch fundamental haben die Analystinnen und Analysten derzeit einiges zu verdauen. Laut Schätzungen der US-Bank JPMorgan könnte ein vollständiger Verlust des Russland-Geschäfts den Reingewinn je Aktie um 3 bis 4 Prozent schmälern. Gleichzeitig muss sich der Konzern an veränderte Konsumgewohnheiten durch den Boom von Abnehmspritzen anpassen, was rasche Innovationen hin zu kalorienärmeren und proteinreicheren Produkten erfordert.
Dennoch wächst das Unternehmen in seinen Kernkategorien grundlegend solide. Die Bewertung fällt mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,9x für das nächste Geschäftsjahr auf den tiefsten Stand seit 2013. Im Durchschnitt lag das KGV während der vergangenen 20 Jahre bei 19,3x. Die Dividendenrendite von 3,7 Prozent stützt die Aktie.

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Verlieren die Expertinnen und Experten allmählich die Geduld? Aktuell empfehlen 44 Prozent der Analysten die Aktien zum Kauf, 48 Prozent raten zum Halten und 8 Prozent plädieren für einen Verkauf. Im Vergleich zum Vorjahr, als noch 46 Prozent kauffreudig waren und nur 4 Prozent zum Verkauf rieten, zeigt sich eine leichte Eintrübung der Stimmung. Das durchschnittliche Kursziel für die nächsten zwölf Monate liegt bei gut 88 Franken. Dies entspricht vom aktuellen Niveau aus einem Aufwärtspotenzial von rund 12 Prozent.
Wie geht es nun weiter? Für Anlegerinnen und Anleger bleibt die geopolitische Unsicherheit rund um die russischen Produktionsstätten zwar ein latenter Risikofaktor. Längerfristig haben aber die operativen Ergebnisse Vorrang. Am 22. Oktober publiziert der Nahrungsmittelmulti die Neunmonatsergebnisse. Dort dürfte entscheidend sein, ob das Management die angekündigten Kostensenkungen konsequent umsetzt und die operativen Margen wie versprochen steigern kann. Das überaus wichtige organische Wachstum dürfte ebenfalls auf dem Radar der Anlegerinnen und Anleger sein.
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