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Transport- und Logistikaktien auf Mehrjahrestiefs: Soll man nun zukaufen?

Geopolitische Unsicherheiten und Handelskonflikte setzen den Logistikern zu. Trotz kurzfristiger Risiken bieten einige Unternehmen langfristiges Wachstumspotenzial.

Monique Misteli Ringier

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Containerschiff am Quai vertรคut. zVg

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Logistiker haben turbulente Wochen hinter sich. Auch wenn die Zollpolitik von US-Prรคsident Trump derzeit etwas weniger im Fokus steht, hat dies der Komplexitรคt des Welthandels keinen Abbruch getan. Eingeschrรคnkte Sichtbarkeit und hohe Unsicherheit bleiben Gift fรผr die globalen Handelsstrรถme - und wenn diese stocken, stockt die Weltwirtschaft.
Rund 80 Prozent des Welthandels werden รผber den Seeweg abgewickelt. Entsprechend stark wirken sich geopolitische Entwicklungen auf die Aktienkurse der Branche aus. So notiert der Schweizer Logistikriese Kรผhne + Nagel fast 50 Prozent unter dem Allzeithoch, die US-Firma UPS auf einem Fรผnfjahrestief. Fรผr Anleger stellt sich somit die Frage, ob die Talsohle bereits erreicht ist.

Kรผhne+Nagel: Rรผckgrat unter Druck

Im ersten Quartal 2025 stiegen die Erlรถse von Kรผhne + Nagel um 15 Prozent, der Gewinn nach Steuern um 9 Prozent. Die Profitabilitรคt bleibt jedoch hinter den Zielen zurรผck. So liegt die operative Marge mit 19 Prozent unter dem mittelfristigen Anspruch von 25 bis 30 Prozent.
Zwar profitiert der Konzern von gestiegenen Frachtraten und stabiler Kontraktlogistik, die Aktie notiert jedoch weit unter frรผheren Hรถchststรคnden. Ende August markierte sie mit 162 Franken ein Fรผnfjahrestief. Aktuell liegt sie bei 164 Franken und ist damit weit vom Rekordwert von 319,40 Franken im Herbst 2021 entfernt. Seit Jahresbeginn haben die Titel 21 Prozent nachgegeben, auf 52 Wochen steht das Minus sogar bei 38 Prozent.

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Die Analysten sind geteilter Meinung: Sieben Experten empfehlen den Kauf, neun das Halten und sechs den Verkauf der Aktie. Die UBS senkte das Kursziel zuletzt auf 179 Franken bei unverรคndert neutraler Einstufung. Auch die Helvetische Bank hat die Aktie aus ihrer Favoritenliste gestrichen und verweist auf Belastungen durch Deglobalisierung und die US-Zollpolitik.
Gleichzeitig spricht einiges fรผr einen langfristigen Rรผckenwind. Dazu zรคhlen der anhaltende E-Commerce-Boom, die zunehmende Komplexitรคt globaler Lieferketten, die Nachfrage nach COโ‚‚-รคrmeren Transportlรถsungen sowie die starke Marktstellung des Konzerns. All dies sind strukturelle Treiber, die das Geschรคftsmodell รผber Jahre stรผtzen dรผrften.
Die Aktien von Kรผhne+Nagel haben das Potenzial fรผr langfristiges Wachstum, stehen jedoch kurzfristig unter Margendruck und sind durch politische Risiken belastet. Fรผr Anleger dรผrfte somit kurzfristig Vorsicht angebracht sein, auf lรคngere Sicht bleibt Kรผhne + Nagel ein Qualitรคtswert mit attraktiven Perspektiven.

DSV: Globaler Champion durch DB Schenker-รœbernahme

Durch die รœbernahme von DB Schenker im Frรผhling 2025 stieg die dรคnische DSV zum weltweit grรถssten Frachtfรผhrer auf. Obwohl das operative Ergebnis im zweiten Quartal 2025 leicht unter den Erwartungen lag, hรคlt das Management an seiner Jahresprognose fest. Laut dem Unternehmen bremsen politische Unsicherheiten, insbesondere im Handel zwischen den USA und Mexiko, die Investitionen.

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Die Aktie gab seit Jahresbeginn rund 7 Prozent nach, liegt auf Sicht von zwรถlf Monaten jedoch 16 Prozent im Plus. Zur Zeit kostet ein Titel 1349,5 dรคnische Kronen. Die grosse Mehrheit der Analysten (21) spricht eine Kaufempfehlung fรผr die Aktien von DSV aus. Zum Verkauf rรคt derzeit keiner. Damit bleibt DSV ein langfristig attraktiver Konsolidierer der Branche. ร„hnlich wie bei Kรผhne+Nagel kรถnnten jedoch geopolitische Unsicherheiten und Integrationskosten fรผr Schwankungen sorgen. Laut Analysten finden Anleger, die an die fortschreitende Konsolidierung im Sektor glauben, mit DSV einen starken Langfristwert, bei dem sie jedoch Volatilitรคt akzeptieren mรผssen.

UPS: Zollpolitik belastet das Geschรคft

Der weltgrรถsste Paketzusteller ist auch im Frachtgeschรคft tรคtig und leidet derzeit besonders unter der US-Zollpolitik. So sank im zweiten Quartal 2025 der Umsatz auf 21,2 Milliarden Dollar und der bereinigte Gewinn je Aktie fiel von 1,79 auf 1,55 Dollar. ร„nderungen bei der De-Minimis-Regel fรผr Importe aus China und Hongkong fรผhrten zu einem sinkenden Paketvolumen. Angesichts der momentanen fragilen Lage wagte UPS keinen Ausblick.
Auch die Anleger zeigen sich derzeit zurรผckhaltend. Die Aktie markierte am Donnerstag mit 84,50 Dollar ein neues Fรผnfjahrestief. Seit Jahresbeginn betrรคgt das Minus 30 Prozent, auf Zwรถlfmonatssicht sind es 32 Prozent.

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Ein Blick auf die Analystenratings ergibt ebenfalls ein gemischtes Bild: Es gibt 16 Kaufempfehlungen, 16 Halten und zwei Verkaufsempfehlungen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 104,33 Dollar (Bloomberg-Konsens). Auch wenn UPS derzeit politisch stark belastet ist, sprechen die soliden Fundamentaldaten fรผr den Paketdienstleister und somit als Option fรผr geduldige Anleger.

DHL: Robust, aber abhรคngig vom Welthandel

Die DHL Group hat sich im zweiten Quartal als widerstandsfรคhig gezeigt. So stieg der operative Gewinn um 6 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro und der Nettogewinn um fast 10 Prozent. Der Umsatz sank hingegen um 4 Prozent auf 19,8 Milliarden Euro. Belastend wirkten sich dabei Wechselkurseffekte und der schwรคchere Welthandel aus. Wรคhrend das Expressgeschรคft dank Preiserhรถhungen mehr Ertrag brachte, brach das Frachtgeschรคft deutlich ein.
Die Aktie notiert derzeit bei gut 39 Euro. Seit Jahresbeginn hat sie 16 Prozent zugelegt, auf Zwรถlfmonatsbasis betrรคgt das Minus 1 Prozent. Analysten vergeben zwรถlf Kauf-, zehn Halte- und zwei Verkaufsempfehlungen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 43,70 Euro.
Der deutsche Weltkonzern ist grundsรคtzlich solide aufgestellt und bietet langfristig Potenzial, ist aber ebenfalls anfรคllig fรผr globale Handelszyklen. Und die sind derzeit unsicher. Dennoch halten Analysten den Titel fรผr das Anlegerportfolio als defensiven Wert mit Potenzial fรผr moderate Gewinne fรผr interessant. Eine Immunitรคt gegenรผber konjunkturellen Schwรคchen ist jedoch nicht gegeben.

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Maersk: Gewinner hรถherer Frachtraten

Die dรคnische Reederei Maersk profitierte zuletzt von einer robusten Nachfrage in der Seefracht und hob ihre Gewinnprognose auf 8,0 bis 9,5 Milliarden Dollar an. Im zweiten Quartal stieg das operative Ergebnis um sieben Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar, der Umsatz kletterte auf 13,1 Milliarden Dollar.
Trotz der Marktvolalatilitรคt blieb die Nachfrage widerstandsfรคhig. Ein Rรผckgang der US-Importe wurde durch ein starkes Wachstum der Einfuhren in andere Regionen, einschlieรŸlich Europas, ยซmehr als ausgeglichenยป, hiess es in der Quartalsmitteilung. ยซTrotz der Marktvolatilitรคt und der historischen Unsicherheit im Welthandel ist die Nachfrage widerstandsfรคhig geblieben, und wir haben weiter schnell und flexibel reagiertยป, sagte CEO Vincent Clerc.
Allerdings beruht der Rรผckenwind stark auf den aktuell erhรถhten Frachtraten, die traditionell sehr zyklisch sind. Mit der Auslieferung zahlreicher neuer Containerschiffe in den kommenden Jahren droht eine รœberkapazitรคt, die die Preise und damit die Margen deutlich belasten kรถnnte. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten auf wichtigen Handelsrouten wie dem Roten Meer.
Die Aktie notiert bei 13'580 dรคnischen Kronen und damit rund zehn Prozent รผber dem durchschnittlichen Kursziel von 12'118 Kronen. Analysten zeigen sich daher vorsichtig. Nur zwei Kaufempfehlungen stehen elf Halte- und 16 Verkaufsempfehlungen gegenรผber. Seit Jahresbeginn liegt der Kurs 12,5 Prozent im Plus, auf Sicht von zwรถlf Monaten sogar 34,3 Prozent. Sie gehen davon aus, dass Maersk kurzfristig von den hohen Frachtraten und einem flexiblen Kostenmanagement profitieren wird. Langfristig droht jedoch Druck durch รœberkapazitรคten und die zyklische Natur der Branche. Fรผr Anleger ist dies eher ein Titel fรผr taktische Engagements im Zyklus als ein klassischer Langfristwert.

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Hapag-Lloyd: Belastet durch US-Zollpolitik

Wie aus dem Unternehmensbericht hervorgeht, musste die Hamburger Reederei im zweiten Quartal 2025 einen Gewinneinbruch von fast zwei Dritteln auf 156 Millionen Euro hinnehmen. Grรผnde hierfรผr waren eine volatile Nachfrage, รผberlastete Hรคfen und die angespannte Sicherheitslage im Roten Meer. Der Umsatz stieg leicht auf 4,6 Milliarden Euro, was auf hรถhere Transportmengen zurรผckzufรผhren ist.
Die Aktie notiert derzeit bei 119,90 Euro. Seit Jahresbeginn hat sie 21,8 Prozent verloren, auf Zwรถlfmonatsbasis 17,4 Prozent. Die Analysten bleiben ebenfalls zurรผckhaltend. Es gibt keine Kaufempfehlung, sechs Mal die Empfehlung ยซHaltenยป und sieben Mal die Empfehlung ยซVerkaufenยป. Das Konsens-Kursziel liegt bei 109,89 Euro. Angesichts der sinkenden Frachtraten, geopolitischer Belastungen und eines schwachen Gewinnprofils bietet Hapag-Lloyd aktuell wenig Kaufargumente fรผr Anleger, hรถchstens fรผr risikofreudige Investoren mit spekulativem Horizont.
Der Transport- und Logistiksektor spiegelt also wie kaum ein anderer die Dynamik des Welthandels wider. Wรคhrend einige Akteure wie DSV und DHL ihre Stรคrke ausspielen, leiden andere wie UPS, Hapag-Lloyd oder Kรผhne + Nagel unter geopolitischen Risiken und strukturellem Margendruck.

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Daher ist der Sektor fรผr Anleger ein zweischneidiges Schwert: Einerseits kann er fรผr langfristig orientierte Investoren attraktiv sein, die auf globale Vernetzung setzen. Andererseits ist er durch kurzfristige Rรผckschlรคge aufgrund von Politik und Konjunktur belastet.
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