Ferrari hat so fast alles, was VW nicht hat: hohe Margen, Stabilität, Wachstum und «Sexyness» - und damit sind nicht nur die Autos gemeint. Denn seit dem Börsengang vor zehn Jahren stiegen die Aktien des Unternehmens aus Maranello gut 600 Prozent. VW vermochte in der gleichen Zeit ein Minus von rund 28 Prozent verbuchen.
Selbstverständlich sind auch die Titel des Sportwagenherstellers nicht vor Gewinnmitnahmen und Absackern gefeit - so wie derzeit. Seit Februar 2025 entwickeln sich die Ferrari-Aktien deutlich schwächer als jene von Volkswagen: Während die Wolfsburger etwas mehr als 13 Prozent verlieren, brachen die Ferrari-Titel zeitweise um fast 40 Prozent ein.
Diese Bewertungskorrektur hat die US-Investmentbank Jefferies auf den Plan gerufen. In einer Neueinschätzung empfehlen sie Ferrari nach acht Jahren erstmals erneut zum Kauf. In ihrer Analyse heisst es, der wiederaufzubauende Bewertungspremium biete eine «überzeugende, makroökonomisch unabhängige Gegenposition zu den aktuellen Unsicherheiten» am Markt. Sie begründen eine Höherbewertung mit wachsendem Vertrauen in das Wachstum des italienischen Luxusautomobilherstellers sowie dessen Fähigkeit, die Margen schrittweise zu steigern.
Historische Bewertungskorrektur bei intakten Aussichten
Ferrari war letztmals vor acht Jahren mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter 30 bewertet. Auch der Bewertungsaufschlag gegenüber Volkswagen ist so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr. Der Ausblick für den italienischen Hersteller bleibt derweil positiv. Gemäss Daten von LSEG dürfte der Umsatz bis 2030 von derzeit 7,1 Milliarden auf 9,5 Milliarden Euro steigen - ein Plus von rund einem Drittel. Gleichzeitig könnten sich die operativen Margen von aktuell 38,8 auf 40,5 Prozent ausweiten. Der Gewinn pro Aktie wird in diesem Zeitraum sogar um nahezu die Hälfte höher erwartet.
Zum Vergleich: Volkswagen dürfte den Umsatz lediglich um 7 Prozent steigern, die operativen Margen von 14,4 auf 15,6 Prozent erhöhen können. Beim Gewinn pro Aktie liegen keine Schätzungen vor.
Neben diesen Kennzahlen spricht jedoch ein zentrales Element der Ferrari-Strategie für den Sportwagenhersteller. Das Geschäftsmodell basiert auf Knappheit und einem starken Markenimage und positioniert sich im weniger preissensitiven Hochpreissegment. Damit ist Ferrari deutlich besser auf den zunehmenden Wettbewerb durch chinesische Automobilhersteller vorbereitet - ein Wettbewerb, der, wie sich bei Volkswagen zeigt, bereits in vollem Gang ist
Die Kaufempfehlung von Jefferies teilt die grosse Mehrheit der Analystinnen und Analysten: Dreizehn empfehlen die Aktie zum Kauf, sechs raten zum Halten und zwei zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt derzeit rund 25 Prozent über dem aktuellen Kursniveau, wurde nach dem jüngsten Kursrückgang jedoch bereits nach unten angepasst. Noch im Oktober 2025 lag das durchschnittliche Kursziel bei über 465 Euro. Das entspräche einem Aufwärtspotenzial von 50 Prozent.