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Inside Bahnhofstrasse

Bessere ­Zeiten im Auge

Alcon fischt wieder in einträglicheren Gewässern; bei Glencore ist es Zeit auszusteigen; Georg Fischer wandelt sich vom dreckigen Entlein zum Schwan.

Frank Goldfinger

CEO David ­Endicott (l.) und Präsident ­Michael Ball liefern mit Alcon wieder bessere Resultate ab.
CEO David ­Endicott (l.) und Präsident ­Michael Ball liefern mit Alcon wieder bessere Resultate ab.BIlanz Collage

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Mit Ruhm hat sich das Management von Alcon ja nicht gerade bekleckert. Im vergangenen Jahr sorgten gleich zwei Gewinnwarnungen für Verunsicherung. Dazu gesellen sich zwei eher peinliche Rückzieher aus geplanten Akquisitionen. Auch der Abschluss für 2025 fiel wenig berauschend aus. Kein Wunder, dass die Aktien monatelang auf Talfahrt waren. Nun ziehen die Kurse seit Mai wieder an, beflügelt vom besseren Geschäftsgang. Im ersten Halbjahr haben sich vor allem die Erträge über Erwarten gut entwickelt.
Es braucht aber noch weitere gute Quartalsresultate, bis sich CEO David Endicott (61) und Präsident Michael Ball (70) das Anlegervertrauen zurückgeholt haben werden. Immerhin stehen die Chancen dafür gut, denn Alcon hat das Rüstzeug für ertragsstarkes Wachstum. Der weltgrösste Augenmedizinkonzern ist führend in der Augenchirurgie und die Nummer zwei bei Kontaktlinsen und Augenpflegemitteln. Zudem lanciert Alcon laufend neue Produkte. Endicott prognostiziert für 2026 ein organisches Umsatzwachstum von 5 bis 7 Prozent, der Gewinn pro Aktie soll überproportional um 12 bis 15 Prozent steigen. Auch mittelfristig erwarten die Analysten eine erfreuliche Umsatz- und Ertragsentwicklung.
Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch
Die Aktien bieten zu den immer noch gedrückten Kursen eine interessante Einstiegsmöglichkeit. Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für nächstes Jahr stellt sich auf 17, für das Folgejahr noch auf 14. Das weist auf eine gehörige Portion Kurspotenzial hin. Dafür spricht auch das umfangreiche Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 1,5 Milliarden Dollar. Da lässt sich sogar die überaus magere Dividendenrendite von 0,5 Prozent verschmerzen.

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Gewinne realisieren

Vor einem Jahr schrieb ich, dass Glencore sich neu erfinden müsse. Das Rohstoffgeschäft harzte, 2024 fiel ein gewaltiger Verlust an, 2025 reichte es für einen Minigewinn. Und im Februar scheiterte die aggressive Vorwärtsstrategie von Konzernchef Gary Nagle (51); die Fusion mit Rio Tinto platzte. Kurz darauf fielen die Amerikaner über den Iran her – und Nagles Ertragsprobleme waren gelöst. Die Öl- und Gaspreise schossen in die Höhe, was wiederum die Kassen des Baarer Rohstoffkonzerns klingeln lässt. Im ersten Halbjahr wurde ein Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar eingefahren – nach einem Verlust in der Vorjahresperiode.
Die Anleger reagierten euphorisch, die Aktien gewannen innert Jahresfrist 90 Prozent. Zumal Nagle mit Sonderdividende und neuem Rückkaufprogramm lockte. Bereits dieser Kurszuwachs reizt zu Gewinnmitnahmen. Zur Vorsicht mahnen auch die über Glencore aufziehenden Regenwolken. Wird der Nahostkonflikt einmal beendet, werden die Gewinne weniger üppig sprudeln.
Weiteres Ungemach droht aus Kongo. Die Regierung will Nachsteuern von angeblich bis zu 6 Milliarden Dollar in Rechnung stellen. Einem Konflikt geht Nagle aus dem Weg, stammt doch ein Drittel der ertragreichen Kupferproduktion von dort. Überhaupt gibt es Anzeichen dafür, dass rohstoffreiche Drittweltländer den Einfluss westlicher Förderkonzerne beschneiden wollen.

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Ruhig schlafen

Das Interesse am Börsenneuling Infracore hält sich in Grenzen. Wochen nach dem IPO verkehren die Aktien unter dem Ausgabepreis – und dies auch nur dank Stützungskäufen. Das verwundert nicht, denn das Geschäftsmodell haut auf Wachstum fixierte Anleger nicht gerade aus den Socken: Die Freiburger Firma besitzt ein 1,4 Milliarden Franken schweres Portfolio an Gesundheits- und Spitalimmobilien. Die 47 Liegenschaften sind langfristig vermietet, was für einen stetigen Zufluss an Einnahmen sorgt. Damit eignen sich die Valoren für defensiv operierende Investoren, zumal sie eine verführerische Dividendenrendite von 5,8 Prozent bieten.
Störend finde ich dagegen die Interessenkonflikte: Infracore gehörte einst zum Spital- und Hotelbetreiber Aevis Victoria, auch heute einer der Hauptaktionäre. Den weitaus grössten Teil ihrer Liegenschaften hat Infracore der Klinikgruppe Swiss Medical Network vermietet, die wiederum mehrheitlich Aevis gehört. Der Aevis-Hauptaktionär heisst Antoine Hubert (60), der dort als Executive Chairman tätig ist und bei Infracore als Vize im Verwaltungsrat sitzt. Corporate Governance geht anders.

Verkannte Aktien

Mit dem Verkauf der letzten drei Giessereien hat sich Georg Fischer (GF) endgültig vom Industriekonglomerat zu einem der weltweit führenden Hersteller von Rohrleitungen plus ergänzender Technologien gewandelt. Dass diese Metamorphose auch auf der Ertragsseite einschenkt, zeigen die starken Halbjahreszahlen. An der Börse allerdings ist der Wandel vom dreckigen Entlein zum Schwan noch nicht angekommen. Zwar haben die Semesterresultate den Aktien einen kurzen Boost verliehen, doch stehen die Titel seit Langem im Abseits.

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Dabei wird verkannt, dass GF sich inzwischen in interessanten Märkten bewegt. Wachstumsstark ist das Geschäft mit Kühllösungen für KI-Rechenzentren. Zudem profitiert GF vom Halbleiterzyklus sowie von der Modernisierung veralteter Infrastruktur und Gebäude. Das Unternehmen wird dank der Transformation zunehmend wachstums- und ertragsstärker. Das sollte auch die Aktienkurse beflügeln. Zumal sie mit einem für 2027 und 2028 geschätzten KGV von 17 respektive 15 wohlfeil zu haben sind.

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