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Meinung

Das Problem mit der Trennung

Aktien verkaufen ist für viele Anleger ein emotionaler Kampf. Psychologische Phänomene beeinflussen diese Entscheidungen – und könnten den Börsenkursen langfristig sogar zugutekommen.

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«Dominieren beim Kauf Hoffnung und Optimismus, schwingen beim Verkauf negative Emotionen mit», schreibt Erich Gerbl.
«Dominieren beim Kauf Hoffnung und Optimismus, schwingen beim Verkauf negative Emotionen mit», schreibt Erich Gerbl.Paul Seewer für BILANZ

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Zuletzt ist mir aufgefallen, wie viel schwerer es mir fällt, eine Aktie zu verkaufen, als sie zu kaufen. Eine Recherche zeigt: Das Problem ist verbreitet und hat seine Gründe. Dominieren beim Kauf Hoffnung und Optimismus, schwingen beim Verkauf negative Emotionen mit. Ein schneller Gewinn wird aus Gier realisiert – oder aus der Angst, ihn wieder zu verlieren. Wird ein enttäuschendes Investment aus dem Depot eliminiert, ist es das finale Eingeständnis, falsch gelegen zu sein. Ob Gewinner oder Niete – in beiden Fällen bleibt nach dem Verkauf das unangenehme Gefühl, zum falschen Zeitpunkt ausgestiegen zu sein.
Weil die Verkaufsaversion offenbar ein recht verbreitetes Phänomen ist, haben sich sogar Börsenpsychologen des Themas angenommen und mit dem Dispositionseffekt-Dilemma, der Regret Aversion oder dem Endowment Effect eine Reihe von Fehlverhalten definiert. Wer Letztgenannten spürt, baut eine irrationale Beziehung zu dem Investment auf. Mit dem Problem nicht allein zu sein, beruhigt nicht nur, sondern hat auch einen positiven Nebeneffekt: Ist es für die Mehrheit der Investoren einfacher, eine Aktie zu kaufen, als sie zu verkaufen, stehen sich im Schnitt mehr Käufer als Verkäufer gegenüber. Das treibt die Kurse strukturell nach oben. Also ist die Abneigung gegen den Verkauf vielleicht gar nicht so verkehrt.

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