Abo
Inside Bahnhofstrasse

Die Mäuse bleiben im Rennen

Die Logitech-Aktien werden verkannt; bei Dät­wyler ziehen die Profite an; die Luzerner KB bleibt auch nach den starken Kursgewinnen attraktiv.

Frank Goldfinger

file854638z9z6s1bltf7guc
Präsident Guy Gecht und Konzernchefin Hanneke Faber liefern mit Logitech schöne Zahlen, trotzdem steht die Aktie im Abseits. Keystone, PR / BILANZ-Montage

Werbung

Seit sieben Quartalen in Folge kann Logitech wachsende Verkäufe vorzeigen – dies ungeachtet der Zollkapriolen von US-Präsident Donald Trump. Und für das dritte Quartal 2025/26 hat der Hersteller von Computerzubehör Zahlen geliefert, die klar über den Erwartungen der Analysten lagen. Während das US-Geschäft schwächelte, ist die Region Asien/Pazifik deutlich gewachsen. Vor allem in China ist Logitechs Gaming-Zubehör gefragt. Auch das wichtige Weihnachtsgeschäft brachte erfreuliche Zahlen.
Dennoch stehen die Aktien seit November im Abseits; innert Wochen verloren sie 25 Prozent an Wert. Den Stimmungsumschwung ausgelöst haben Ängste, wonach der Mangel an Speicherchips die Kosten respektive die Verkaufspreise für Computer erhöhen und damit die Nachfrage belasten werde – auch bei Logitech. Zwar ist Gaming-Zubehör zum wichtigsten Zweig geworden, doch Computermäuse wie auch Tastaturen bleiben bedeutende Umsatzträger. Konzernchefin Hanneke Faber (56) und der im September als Präsident eingewechselte Guy Gecht (60) zeigen sich optimistisch, über die nächsten Jahre erwarten sie ein Umsatzwachstum von jeweils sieben bis zehn Prozent. Mir gefällt an Logitech der hohe Output an innovativen Produkten. Es ist schon beeindruckend, wenn sich ein teurer Westanbieter im Billigmarkt China erfolgreich positionieren kann.

Partner-Inhalte

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch
Die Befürchtungen der Anleger scheinen übertrieben zu sein, auch wenn Logitech die allfällige PC-Flaute zu spüren bekommt. Über die kommenden Monate sind denn auch keine Kurssprünge nach oben zu erwarten. Doch die Aktien bieten mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18 für nächstes sowie 16 für übernächstes Geschäftsjahr geduldigen Investoren eine gute Einstiegschance.

In Rekordlaune

Ich habe an dieser Stelle schon mehrmals die Aktien der Luzerner Kantonalbank (LUKB) empfohlen, letztmals im Mai 2025. Seither haben die Valoren über 50 Prozent zugelegt, und auch der Golf-Krieg konnte dem Höhenflug nichts anhaben. «Wenn ich über die Strategie der Bank lese, habe ich das Gefühl, dass kursmässig noch mehr geht. Oder sehen Sie das anders?», schreibt mir A.M. Angesichts solcher Kursgewinne wäre meine übliche Antwort, diese subito ins Trockene zu bringen. Andererseits zeigt sich die Innerschweizer Kantonalbank in höchst beneidenswerter Form. Für 2025 wurden einmal mehr Rekordzahlen gemeldet und die Dividende erhöht.

Werbung

Die Planung «LUKB 2030» basiert auf einer Expansionsstrategie. Das Institut will bis dann landesweit zu «den fünf führenden Universalbanken» zählen. Dazu soll schweizweit im Spezialgeschäft der Fokus auf profitables Wachstum im zinsunabhängigen Geschäft gelegt werden. Die Erwartung bis 2030: gegen 20 Prozent mehr Gewinn. Das tönt vielversprechend. Die Titel bleiben attraktiv, obwohl das Kurspotenzial nach dem Anstieg beschränkt bleibt. Auch die Dividendenrendite von 2,6 Prozent kann sich durchaus sehen lassen.

Wieder mehr Rendite

Was sich schon bei den Zahlen für das erste Semester 2025 abgezeichnet hat, bestätigt der Industriezulieferer Dätwyler nun mit seinen Jahresresultaten: mit der Profitabilität geht es wieder aufwärts. Zwar verlor der Umsatz minim, dafür legte das Ebit um 16 Prozent zu, der Reingewinn hat sich um das 2,6-Fache verbessert. Die Erholung beim Hersteller von hochwertigen Gummiteilen, sogenannten Elastomerkomponenten, ist jedoch je nach Sektor unterschiedlich ausgefallen. So läuft ein Teil des Zuliefergeschäfts für die Industrie sowie die Autobranche auf Sparflamme.
Erfreulicher sieht es bei den für Nespresso produzierten Aluminiumkapseln aus, doch verflacht sich auch in diesem attraktiven Nischenmarkt das Wachstum. Dennoch ist die Akquisition des Luxemburger Kaffeekapselherstellers Capsul’in positiv zu werten. Gut läuft es im Gesundheitssektor. Da produziert Dätwyler etwa Gummistopfen für Einwegspritzen. Viel erhofft man sich in Altdorf UR vom Hype rund um Abnehmspritzen. Darauf basieren denn auch primär die ambitiösen Mittelfristziele: ein jährlicher organischer Umsatzzuwachs im höheren einstelligen Prozentbereich und eine Ebit-Marge von über 17 Prozent. 2025 wurden 12,4 Prozent erzielt.

Werbung

Seit knapp einem Jahr haben die Aktien gegen 40 Prozent zugelegt. Inzwischen sind die Valoren mit einem KGV von 24 für dieses und 20 für nächstes Jahr stattlich bewertet. Der grosse Kursschub ist damit vorderhand passé. Andererseits gelten Dätwyler als solide Nebenwerte mit langfristig gutem Potenzial.

Über die Autoren

Werbung